«‹Der Bachelor› ist viel ehrlicher, als die meisten denken»

Janosch Nietlispach ist der neue Bachelor. Der Kickbox-Champion sagt, welche Komplimente er verteilte – und warum er nicht immer nur reden konnte.

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Der neue Bachelor Janosch Nietlispach sitzt in einem Sitzungszimmer der Firma Blofeld an der Langstrasse. Medientermin. Der Ausschnitt seines Hemdes reicht bis tief in die Bauchregion. Hinter ihm an der Wand ein übergrosses Bild einer sich räkelnden nackten Frau. Es nimmt die Sorglosigkeit des Gesprächs schon früh vorweg. Im Interview sollte es für einmal nicht um «Jagdschemen» gehen, sondern darum, die Rolle des Bachelors an und für sich zu reflektieren. Nur manchmal fragt Nietlispach die PR-Frau, die während des Gesprächs an unserer Seite sitzt, ob er eine Antwort geben darf oder nicht.

Es gibt Leute, denen ist die Sendung «Bachelor» zu oberflächlich. Haben Sie sich manchmal von den Frauen objektiviert, auf das Äussere ­reduziert gefühlt?
Ach was, da stehe ich drüber. Ich habe auch schon Frauen «objektiviert», wie Sie das nennen, das macht doch nichts. Das gehört dazu. Bei den 22 Frauen schaute ich vielleicht bei 4 zuerst nur aufs Äussere. Bei den anderen nicht.

Welches war das beste Kompliment, dass Sie einer Frau in der Sendung gemacht hatten?
Ich bin sehr sparsam mit Komplimenten umgegangen. Und wenn ich welche machte, dann waren sie ernst gemeint. Eines der besten war: «Du küsst wie eine Göttin.»

Wird es beim Dreh dann und wann persönlich?
Wenns passt, dann passts. Du wirst von Date zu Date persönlicher. Eine hat zum Beispiel mit Kindern gearbeitet, da ging es auch um Charity und solche Sachen. Oder um gemeinsam erlebte Schicksalsschläge.

«Ab einem gewissen Punkt wird in der Sendung weniger geredet, dafür sehr rasch rumgemacht.»

Einige sagen aber: Vor der Kamera bleibt es bei einer Zurschaustellung von Pseudo-Intimitäten.
Gewisse Dates haben sich extrem entwickelt. Ich glaube, diese Sendung ist viel ehrlicher, als die meisten denken. Man merkt grade, wann es ehrlich ist und wann nicht. Ich muss aber auch zugeben: Bei gefühlt 250 Dates kannst du nicht die ganze Zeit nur reden.

Sondern?
Ab einem gewissen Punkt wird sehr rasch rumgemacht.

Wie man hört, haben Sie sich in der Sendung verliebt. In die ­Interessanteste oder die Schönste?
Dazu darf ich nichts sagen. Höchstens so viel: Es hat einfach am besten gepasst mit ihr.

War Fremdschämen beim Dreh manchmal ein Thema für Sie?
Klar schäme ich mich manchmal für ­andere.

Meine These ist: Die Sendung lebt fast ausschliesslich von ­Fremdscham. Spürten Sie manchmal etwas in die Richtung?
Fremdscham ist das falsche Wort. Ich bin ein Mann, der auch über sich selber lacht, sich nicht immer so ernst nimmt. Klar gab es Momente, in denen ich mich gefragt habe, wie ich jetzt rüberkomme.

Wann zum Beispiel?
In einem ganz speziellen Moment an einem ganz speziellen Ort habe ich einmal getanzt, obwohl ich nicht tanzen kann. Ein Schlüsselmoment. Die Leute sollen darüber lachen, lachen ist etwas Schönes...

Damit bestätigen Sie, dass der Reiz dieser Sendung eben doch ­Fremdscham ist.
Nein, da bin ich nicht einverstanden. Ich habe versucht, mich so zu zeigen, wie ich wirklich bin. Ein anderes Beispiel: Nach der zweiten Nacht der Rosen bin ich nur im Kapuzenpullover und in kurzen Hosen aufgetreten und nicht im Anzug. Ich habe gewusst, das alles ist eine Show, aber trotzdem wollte ich mich bewusst einmal total gewöhnlich zeigen.

Haben Sie manchmal daran gedacht, dass Ihnen die Sendung schaden könnte?
Das ist eine gute Frage. Aber stellen Sie sich doch einmal vor, ich würde vor einem Kickboxkampf überlegen, dass ich verlieren könnte. Oder ich würde ein Geschäft abschliessen und daran denken, dass ich scheitern könnte. Oder in einer Beziehung. Ich bin ein positiv denkender Mensch. Ich könnte nie an etwas rangehen mit dieser Einstellung.

Anders gefragt: Wie gehen Sie damit um, wenn dereinst in den Foren über Sie getratscht wird?
Die Ladys und ich, wir haben uns in der Sendung solche Gedanken oft gemacht. Wir wussten beim Dreh auch schon, welche Szenen dann bei Stefan Büsser in seinem Videoblog auseinandergenommen werden. Ich nehme das ehrlich nicht so ernst.

Ein paar Klischees zur Liebe: Kann Liebe alle Wunden heilen?
Wie kommen Sie jetzt darauf? Liebe ist etwas Unglaubliches und kann sicher mehr als Wunden heilen.

Kann Liebe überschätzt werden?
Ja, das kann sie auch. Liebe kann alles. Liebe kann töten, Liebe kann überschätzt werden. Liebe ist eine riesige Macht. Warum fragen Sie?

Weil es in der Sendung um Liebe geht. Deshalb: Was erwarten Sie von der Liebe?
Etwas erwarten wäre falsch. Ich bin ein glücklicher Mensch. Wenn Liebe kommt, dann kommt sie. Wenn nicht, dann nicht. Wenn sie kommt und wieder geht ist es auch o. k. Was ich mir erhoffe: dass sie mich glücklicher macht und nicht ­unglücklicher.

Beim «Bachelor» werben bekanntlich die Frauen um Sie. Gehören Sie im echten Leben auch zu jenen ­Männern, die selten den ersten Schritt machen?
Auf keinen Fall. Ich bin da sogar etwas altmodisch und denke, dass die Männer den ersten Schritt machen sollten. Die Frauen, die ich attraktiv finde, sind sowieso eher etwas scheu und nicht so der Typ Rampensau. Dementsprechend mache ich sehr viele Moves. Auch in einer Beziehung. Dazu zählen die kleinen ­Sachen wie Frühstück einkaufen oder eine nette SMS schreiben.

Welchen der vorhergehenden ­Bachelors fanden Sie den besten?
Ich finde, Raffa Beutl war ein richtiger Styler.

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