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«Das Gefängnis in Zürich war wie in Kabul»

Der König des deutschen Klatschgewerbes ist nach acht Monaten Haft wieder auf freiem Fuss. Ob die Münchner Schickeria Michael Graeter verzeiht?

Es ist, als wolle er sich an das Drehbuch aus der Kultserie «Kir Royal» halten, deren Hauptfigur Baby Schimmerlos er als Vorbild diente: Am Schluss stürzt der Klatschreporter ab, weil er selbst Teil der noblen Gesellschaft werden wollte. Starreporter Michael Graeter erging es ähnlich – der Society-Liebling versuchte sich zuletzt erfolglos als Filmpalast-Besitzer, schmiss rauschende Partys - und verlor die Kontrolle über sich und sein Unternehmen. Letzten Januar wurde er in den Morgenstunden in einem Zürcher Hotel festgenommen. Graeter hatte gegen Bewährungsauflagen verstossen. 2002 war er vom Amtsgericht München wegen Insolvenzverschleppung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

«Es war die Hölle, ich habe jeden Tag gebetet», gab Graeter nun – wenige Stunden nach seiner Freilassung – der Münchner «Abendzeitung» zu Protokoll. Nicht weniger als 13 Haftanstalten hat der Münchner auf seiner Odyssee hinter Gittern von innen gesehen – so auch das Untersuchungsgefängnis Zürich, von dem Graeter sagt, es sei «wie in Kabul» gewesen, ohne Fenster. Die Haft habe ihm vor allem psychisch zugesetzt: «Ich hatte Platzangst, die Wände sind auf mich zugekommen.»

Geliebt und gefürchtet wie kein anderer seiner Zunft

Als Reporter war Graeter geliebt und gefürchtet wie kein anderer seiner Zunft. Er brachte ans Tageslicht, dass Gunter Sachs Brigitte Bardot liebt. Und er wusste als erster, dass Prinzessin Caroline mit Prinz Ernst August ein Verhältnis hat. «Mit seiner ironisch-satirischen Schreibe hievte er die Bussi-Bussi-Gesellschaft und die Auflage hoch», schrieb etwa Helmut Maria Glogger, ein Kollege aus der Regenbogenpressse, auf dem Branchenportal «persoenlich.com» über ihn. Wenn ein Hollywood-Star mit einem silbernen Besteck gelandet sei, um sich auch fern des heimischen Dealers an Kokain zu laben, dann habe Graeter das auf Papier gebracht. Auch wenn die eine vom Freund des Ehemannes schwanger gewesen sei und gleichzeitig sich mit dem Gehörnten fotogen ablichten liess, habe er berichtet.

Nach und nach aber sah sich Graeter selber zu Höherem geboren – und eiferte selber den Promis nach, die er sonst in seinen Storys schonungslos porträtierte. Er eröffnete das Café Extrablatt im noblen Münchner Quartier Schwabing. Danach kaufte er einen Kino-Komplex und später ein weiteres Café in Berlin. Doch als Unternehmer verspekulierte sich der König des Klatschgewerbes. Es folgten Betreibungen, Konkurs und Klagen. Um der Haft zu entgehen, setzte sich Graeter nach Zürich ab und arbeitete dort für Star TV. Dann wurde er verhaftet.

Einflussreicher Support

Ob ihm nun die Münchner Schickeria verzeiht? Auf einflussreiche Supporter bei seiner Rückkehr als Society-Kolumnist kann Graeter immerhin zählen: So steht etwa Gunter Sachs, den Graeter einst als Erster zusammen mit seiner angetrauten Brigitte Bardot aufspürte, «wie Prinz Eisenherz» hinter ihm. Ein erstes Engagement als Reporter hat Graeter in München bereits: Für die «Abendzeitung» wird er in regelmässigen Abständen Prominente porträtieren.

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