Jeff Bezos mag Powerpoint nicht mehr sehen

Mit Folien müssen die Kader beim Amazon-Chef gar nicht erst antraben. Bezos setzt auf eine andere Methode.

Einen bösen Blick dürfte bei ihm jetzt noch ernten, wer mit Slides auftaucht: Jeff Bezos.

Einen bösen Blick dürfte bei ihm jetzt noch ernten, wer mit Slides auftaucht: Jeff Bezos.

(Bild: Reuters Joshua Roberts)

Caroline Freigang@c_freigang

Unzählige überladene Powerpoint-Folien sind der Graus in jeder Sitzung. Auch Amazon-Chef Jeff Bezos scheint kein Fan davon zu sein: Er verbietet Powerpoint konsequent in Meetings. Das schreibt er im diesjährigen Brief an die Amazon-Aktionäre und -Mitarbeiter.

Darin erklärt Bezos, dass er auf eine alternative Methode der Präsentation setze. Alle Teilnehmer einer Sitzung erhalten ein selbst geschriebenes, sechsseitiges Memo. Dieses erzählt eine Geschichte – anstatt in Bullet Points «in ganzen Sätzen, mit Verben und Substantiven», sagte Bezos zuletzt an einer Veranstaltung. Das Memo lesen alle Anwesenden während einer halben Stunde im Stillen und diskutieren daraufhin den Inhalt.

«Kulturschock»

Für viele sei dieser merkwürdige Meeting-Stil neu, Führungskräfte müssten in ihrem ersten Treffen bei Amazon damit rechnen, einen Kulturschock zu erleiden, scherzte Bezos zuletzt an einer Veranstaltung. Die anfängliche Einarbeitung in das Thema dauert länger, Bezos ist aber überzeugt, dass diese Methode effektiver ist. «Ich bin ein grosser Fan von Anekdoten», so Bezos.

Das Verfassen eines perfekten Memos sei allerdings ziemlich schwierig, schreibt Bezos. Einige Memos, die er zu sehen bekomme, hätten die «Klarheit von singenden Engeln». Sie seien brillant, durchdacht und würden die Grundlage für gute Diskussionen legen. Andere seien eher am anderen Ende des Spektrums.

Eine Frage der Zeit

Es gebe keine objektiven Standards, ein gutes Memo zu schreiben, fügt Bezos hinzu. Man merke aber sofort, wenn eines gut sei. Dafür müsse man kein besonders talentierter Schreiberling sein. Es käme vielmehr darauf an, die Fähigkeit seines gesamten Teams so zu nutzen, dass ein grossartiges Memo entstehe. Darum seien die Geschichten auch nie von einer einzelnen Person unterzeichnet, sondern immer vom ganzen Team.


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Die perfekten sechs Seiten zu schreiben, sei zudem keine Sache von ein oder zwei Stunden, so Bezos. «Das perfekte Memo kann nicht in einem oder zwei Tagen geschrieben werden. Es kann über eine Woche dauern», schreibt er. Und das sollte es seiner Meinung nach sogar. «Ein grossartiges Memo wird geschrieben, redigiert und mit Kollegen geteilt, um ihr Feedback einzuholen. Es wird zur Seite gelegt und nach ein paar Tagen mit einem klaren Kopf erneut überarbeitet.»

«Am besten mit Bildern erzählt»

Jeff Bezos ist nicht der Einzige, der in seinem Unternehmen auf Powerpoint verzichtet. Google-CEO Sundar Pichai sagte zuletzt an einer Konferenz: «Da Geschichten am besten mit Bildern erzählt werden, werden Aufzählungszeichen und textlastige Folien bei Google zunehmend vermieden.»

Auch Unternehmer Richard Branson setzt auf Storytelling statt auf trockene Präsentationen. In seinem neuen Buch «Finding My Virginity» schreibt er, wenn Start-ups ihm ihre Ideen präsentierten, wolle er keine Powerpoint-Folien sehen, sondern die Geschichte hören. «Ich will nicht im Detail wissen, was eine bestimmte App kann oder nicht», so Branson. «Ich interessiere mich mehr für die Personen hinter der Firma und ihre Vision.»


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