«Winterspiele? Ja, klar, ich habe mir das gut überlegt»

Ins Wallis will Christian Constantin die Olympischen Winterspiele holen. Was er plant, was er denkt – und warum er glaubt, die besten Chancen zu haben.

Weiss, wie man Menschen in den Bann zieht: Sion-Präsident Christian Constantin (posiert hier mit einer Tanzgruppe, die im Frühling 2014 an der Sion-Gala auftrat).

Weiss, wie man Menschen in den Bann zieht: Sion-Präsident Christian Constantin (posiert hier mit einer Tanzgruppe, die im Frühling 2014 an der Sion-Gala auftrat).

(Bild: Keystone)

Christian Constantin, der Präsident des FC Sion, ist täglich für eine Überraschung gut. Sein neuester Coup: Er möchte die Olympischen Spiele ins Wallis holen. Dafür hat er eine Gesellschaft gegründet und bereits den Bundesrat informiert.

Christian Constantin, Sie wollen sich im Ernst für die Olympischen Winterspiele bewerben? Ja, klar. Ich habe mir das gut überlegt, das wäre eine tolle Sache für das Wallis und die ganze Schweiz. Schau, 2022 werden die Winterspiele nach Peking gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der andere übrig gebliebene Kandidat, Almaty in Kasachstan, das Rennen macht. 2024 erhalten die USA den Zuschlag für die Sommerspiele, weil dort so lange keine Spiele mehr stattgefunden haben. So ist 2026 wieder Europa an der Reihe.

Das heisst aber noch nicht, dass das Wallis zum Zuge kommt. Unsere Chancen stehen gut. Hör mal, die ersten Winterspiele wurden 1924 in Chamonix ausgetragen, vier Jahre später folgten die Spiele in St. Moritz. So gesehen würde es doch Sinn machen, wenn ein Jahrhundert später das Wallis zum Zuge kommt, das gewissermassen zwischen Chamonix und St. Moritz liegt.

Das waren die Winterspiele von 1948 in St. Moritz:

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Erhoffen Sie sich als Architekt fette Aufträge für neue Stadien und olympische Einrichtungen? Darum geht es nicht. Im Gegenteil. Das IOC hat in Monte Carlo eben erst beschlossen, dass nicht mehr alles so zentral stattfinden muss, sondern auch bereits bestehende Bauten in anderen Regionen genutzt werden können. Das ist doch genau, was wir in der Schweiz wollen. Wir brauchen im Wallis extra für die Olympischen Winterspiele keine neuen Eishockey-­Arenen, um ein Beispiel zu nennen, sondern können jene in Bern, Zürich oder Davos in unsere Kandidatur einbauen. Und Skispringen kann in Engelberg stattfinden.

Wie sind die ersten Reaktionen ausgefallen, die Sie gehört haben? Sie waren ausgesprochen positiv. Eine Kandidatur, wie sie uns vorschwebt, geht weg vom Gigantismus. Das ist das, was die Leute wollen. Den Olympia-Bewerbungsfilm wollen wir erstmals offiziell im Sommer bei der 150-Jahr-Feier der Erstbesteigung des Matterhorns zeigen.

Haben Sie nicht schon genug Probleme mit dem FC Sion, dass Sie sich nun auch noch mit einem solch riesigen Projekt herumschlagen wollen? (Lacht.) Mit dem FC Sion werde ich immer Probleme haben … zumindest so lange, wie wir keine richtige Infrastruktur besitzen. Es ist ja nicht so, dass wir den Standard des FC Basel anstreben, was Stadion und Trainingsstätten anbelangt. Aber zumindest mit Clubs in der Grössenordnung von Luzern oder St. Gallen sollten wir mithalten können. Das ist jetzt noch ganz klar nicht der Fall.

Stimmt es, dass Sie daran interessiert sind, Serey Die, der sich in Basel mit Trainer Paulo Sousa überworfen hat, nach Sion zurückzuholen? Ich habe mit FCB-Präsident Bernhard Heusler über Serey Die gesprochen, aber auch über Giovanni Sio. Ich will nichts forcieren, habe aber mein klares Interesse an den beiden Spielern signalisiert, falls der FC Basel nicht mehr an ihnen interessiert ist. Heusler hat erklärt, dass er nichts überstürzen will. Das respektiere ich.

Sie haben den gegnerischen Fans kostenlosen Eintritt und Gratis-Raclette gewährt. Wie viel Kilogramm Käse haben Sie bis zur Winterpause gekauft? Es war eine ganze Menge. Die Fans aus den kleineren Städten wie Luzern, Thun, St. Gallen oder Vaduz haben sich über die Aktion gefreut und waren mehrheitlich korrekt. Die Fans des FC Basel waren sehr sympathisch. Ich fand ihre Aktion sehr originell: Sie wollten sich nicht einladen lassen und haben deshalb 12'000 Franken für den Gratiseintritt gesammelt, die sie mir übergeben haben. Das Geld habe ich sofort an das Hospice du Grand-Saint-Bernard überwiesen, wo eine Rennovation dringend nötig ist. Und dann waren da noch die Fans aus den grösseren Städten wie Bern oder Zürich, wo die Jugendlichen halt weniger solidarisch sind.

Werden Sie die Aktion fortsetzen? Ich denke schon. Schau, ich bin für den Fussball und finde es schön, wenn man vor einem Spiel friedlich bei einem Raclette zusammensitzt.

Sie sind für den Fussball? Das würden nicht alle Trainer unterschreiben. Eben erst haben Sie einen neuen suchen müssen … … weil der bisherige selber demissioniert hat …

… und sind bei Didier Tholot fündig geworden. Genau. Er hat mein Vertrauen.

Wie kam Ihre Strafaktion bei den Spielern an, die eine Woche länger trainieren mussten, weil der FC Sion nur an zweitletzter Stelle klassiert ist? Ich habe keine Reklamationen gehört. Ich sehe auch das Problem nicht. Das Training beginnt ja wieder am 5. Januar. Hätten die Spieler gleich nach der letzten Partie Ferien gehabt, wäre die Pause zu lange geworden. Für jeden Tag Ferien braucht man nachher zwei Tage Training, um den Rückstand wieder aufzuholen. Bei vier Wochen Ferien wäre das bis zum ersten Spiel nach der Winterpause nicht mehr aufzuholen gewesen, da hätten sie ja acht Wochen am Stück trainieren müssen. So aber reicht es. Deshalb habe ich das mit gutem Gewissen so angeordnet.

Basler Zeitung

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