Die Schlagerkönigin, die Waffen und die Millionen

Svetlana «Ceca» Raznatovic, Serbiens grösster Popstar, wurde wegen Korruption und Waffenbesitz angeklagt. Sie soll sich an Transfers ihres Fussballclubs bereichert haben. Auch in Zürich ist sie keine Unbekannte.

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Die populäre serbische Volkssängerin Svetlana «Ceca» Raznatovic ist gestern in Belgrad wegen Unterschlagung von rund vier Millionen Euro angeklagt worden. Das Geld stammt laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aus dem Verkauf von Fussballspielern des serbischen Erstligavereins FK Obilic. Der Club gehörte früher dem Mann der Sängerin, dem mutmasslichen Kriegsverbrecher und Mafiaboss Zeljko Raznatovic. Er wurde ermordet.

Svetlana «Ceca» Raznatovic wird vorgeworfen, als Vereinspräsidentin knapp fünf Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Ausserdem wird ihr der illegale Besitz von elf Schusswaffen vorgeworfen. Im Fall einer Verurteilung drohen der 37-Jährigen bis zu zwölf Jahre Haft. Die Sängerin wollte gestern den serbischen Medien gegenüber zu den Anschuldigungen keine Stellung nehmen.

In ihren Armen gestorben

Ceca hatte den Fussballverein im Jahr 2000 von ihrem Mann Zeljko Raznatovic, genannt Arkan, geerbt, nachdem er im Januar in einem Belgrader Hotel ermordet worden war. Durch den tragischen Todesfalls ihres Gatten und die medienwirksame Inszenierung ihrer Trauer wurde die damals 27-Jährige endgültig zum Star. Sie rannte sofort zum Hotel, wo ihr Mann erschossen worden war. Der Überlieferung nach soll er in ihren Armen gestorben sein. Eine Geschichte ganz nach dem serbischen Boulevard-Geschmack.

Arkan führte Anfang der 90er-Jahre berüchtigte paramilitärische Truppen in Bosnien-Herzegowina und Kroatien an. Er war einer der prominentesten und gefürchtetsten serbischen «Patrioten». Arkan soll die Ermordung von mehreren Hundert Zivilisten, systematische Vergewaltigungen und ethnische Säuberungen zu verantworten haben. Zum Zeitpunkt seines Todes war er vor dem UN-Tribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ceca übernahm derweil die Geschicke des Fussballclubs FK Obilic. Exzellente Kontakte ihres Mannes zu Bossen der serbischen Unterwelt und ehemaligen Kriegsgefährten sollen ihr dabei geholfen haben, wie der «Independent» berichtet. Zwischen 2000 und 2003 soll sie dann von illegalen Verkäufen von zehn Fussballspielern profitiert haben.

Der Sängerin wird seither immer wieder vorgeworfen, sie distanziere sich ganz bewusst nicht von den Taten ihres Mannes, um seine Anhänger nicht zu verlieren. Das stimme nicht, stellte sie im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnetz von 2008 vor einem ihrer legendären Konzerte im Rümlanger Grodonia in Abrede. «Ich hab mich Millionen Mal distanziert! Das tue ich auch hier und jetzt. Ich hatte nie etwas mit Politik zu tun oder mit dem, was man Arkan vorgeworfen hat. Ich hatte auch nichts mit dem Mord an Zoran Djindjic zu tun. Ich bedauere sogar, dass er umgebracht wurde. Auch er war ein Vater, und ich selbst weiss, wie schmerzhaft es ist, jemanden auf diese Weise zu verlieren.» Zudem legt sie Wert darauf, schon vor der Heirat mit Arkan berühmt gewesen zu sein. «Mein Erfolg schafft auch viele Feinde. Das Leben ist kein Märchen.» Dass Schweizer Politiker ihr im Vorfeld eines Konzertes sogar die Einreise verweigern wollten, kann sie nicht verstehen.

Mit nationalistischen Liedern in der Provinz unterwegs

Cecas Stern erstrahlte schon früh am serbischen Schlagerhimmel. Klein Svetlana war ein Kinderstar. Schon mit 14 Jahren hatte sie zahlreiche Auftritte. Nicht in angesagten Clubs oder grossen Stadien wie heute, wo ihr bis zu 100'000 euphorische Fans zujubeln, sondern in kleinen Hallen auf dem Lande. Sie tingelte mit nationalistischen Liedern durch die Provinzen – während des Krieges ein lohnendes Geschäft, über das die nationalistisch angehauchten Medien nur zu gerne in extenso berichteten.

1995 heiratete die Schlagersängerin den Warlord Arkan. Die Hochzeit wurde live im Fernsehen übertragen. Die beiden wurden zum serbischen Promi-Paar schlechthin. Junge Mädchen wollten sein wie Ceca, viele Knaben – und nicht nur sie – verehrten den Kämpfer Arkan. Noch heute können sich viele Serben nicht vorstellen, dass «ihr» Arkan in Kroatien und Bosnien Gräueltaten begangen haben soll.

Schon 2003 vorübergehend festgenommen

Im Falle einer Verurteilung droht Svetlana «Ceca» Raznatovic eine mehrjährige Haftstrafe. Ein Gefühl, dass sie bereits kennt. 2003 wurde sie nach der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic vorübergehend festgenommen. Die Polizei entdeckte in ihrem Haus in Belgrad eine grosse Menge Waffen. Den Vorwurf, sie hätte den Mördern von Djindjic Unterschlupf gewährt, quittierte sie vor ihrem Konzert in Rümlang mit einem Lachen und einem trockenen: «Sie fantasieren. Mehr sag ich dazu nicht.»

Die Sängerin erklärte, die Waffen hätten ihrem Mann gehört, und er habe auch die meisten Spielertransfers in die Wege geleitet. Belgrader Medienberichten zufolge entging sie bislang strafrechtlicher Verfolgung, weil sie wegen ihrer grossen Popularität in Serbien und dem restlichen früheren Jugoslawien von serbischen Politikern geschützt wurde. «Mein Mann war kein Gangster oder Kriegsverbrecher. Er war die Liebe meines Lebens, und ich lebte wie eine Prinzessin mit ihm», pflegt Ceca laut der britischen Zeitung zu antworten, wenn sie zur Vergangenheit ihres verstorbenen Mannes gefragt wird. Allfällige Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen zerstreut sie mit einem lauten Lachen. (pbe)

Erstellt: 30.03.2011, 11:10 Uhr

Ceca auf der Bühne

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