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Die wichtigsten Antworten zum tragischen Unglück in Schweden

Sechs Schweizer sterben in Schweden nach einem Autounfall. Wer sind die Opfer, und weshalb wurde der Ski-Weltcup in Adelboden nicht abgebrochen?

In der Nacht auf Samstag ereignete sich auf einer Landstrasse im Norden Schwedens ein tragischer Verkehrsunfall. Ein LKW prallte mit einem Minibus zusammen. Der Lastwagenfahrer überlebte, sechs der sieben Insassen des Kleinbusses, allesamt Berner Oberländer, kamen ums Leben. Was zum Unfall bisher bekannt ist:

Wer sind die Todesopfer?

Die Schweizer seien alle in den 1990er-Jahren geboren, sagte eine Sprecherin der schwedischen Polizei am Sonntag der Nachrichtenagentur DPA. Gemäss dem «Blick» wurde das jüngste Opfer 19 Jahre alt. Fünf von ihnen stammen aus Adelboden.

Gemäss einer Bekannten der Todesopfer fuhren sie jedes Jahr über Neujahr nach Skandinavien. Offenbar hätten sie dort eine Wohnung oder Hütte besessen, sagte sie zu «20 Minuten». Ziel der mehrwöchigen Ferien sei gewesen, die Polarlichter in Norwegen zu betrachten.

Die jungen Männer seien zudem alle Mitglieder der Freikirche «Gemeinde für Christus» gewesen.. Auf Instagram schrieben Kirchenvertreter: «Wir haben vernommen, dass es einen tödlichen Unfall gegeben hat, der sechs junge Leute aus der Gemeinde getroffen hat. Wir bitten euch, für die Betroffenen zu beten.»

Was ist über die Unfallstelle bekannt?

Nach Angaben der schwedischen Polizei ereignete sich der Unfall auf einer Landstrasse in Nordschweden, in der Nähe der Stadt Kiruna. «Die Strasse war glatt, es war dunkel und der Wind blies in Orkanstärke», sagte die Sprecherin. Mehr war über den Unfallhergang bisher nicht bekannt. Weitere Hinweise erhoffe man sich vom Lastwagenfahrer und dem überlebenden Schweizer. «Die beiden Überlebenden stehen unter schwerem Schock.»

Zum Unfall kam es auf einem berüchtigten Strassenabschnitt bei Masugnsbyn, Nahe der Stadt Kiruna. Karte: Google

Bei Einheimischen ist die Unfallstelle als «Todeskurve» bekannt, berichtet das schwedische Staatsfernsehen. Ein Schwede, der 900 Meter von der Strasse entfernt wohnt, sagte: «Hier kennt jeder diese Kurve und fährt sie mit 60 bis 70 Kilometern pro Stunde.» Auswärtige dagegen wüssten jedoch nicht, wie gefährlich die Stelle ist, und fahren deswegen die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Die Behörden haben nach Aufforderungen von Anwohnern angekündigt, die Stelle zu untersuchen. Nur Stunden vor der Tragödie habe sich dort schon ein anderer Unfall ereignet.

Was sagen die Angehörigen?

Der Vater des einzigen überlebenden Schweizers sagte zu «20 Minuten», dass sein Sohn sich nicht an den Unfall erinnern könne: «Er hat im Bus geschlafen. Das ist das Letzte, das er weiss.» Erst im Rettungshelikopter sei er wieder zu sich gekommen. Der 23-Jährige habe einige gebrochene Rippen, eine gequetschte Lunge und diverse Schnittwunden am Kopf. Der Vater geht davon aus, dass die Genesung ein bis zwei Monate dauere.

Er habe durch einen Anruf der schwedischen Behörden vom Unfall erfahren: «Der Sprecher sagte, dass er eine schlimme Nachricht überbringen müsste. Ich erfuhr in dem Gespräch, dass mein Sohn überlebt hat, aber leider sechs seiner Freunde verstorben sind.» Die Angehörigen befinden sich in psychologischer Betreuung. Ebenso der LKW-Fahrer, der unverletzt blieb. «Es geht ihm sehr schlecht», sagte Helena Sjöholm, Sprecherin der Lastwagenfirma, dem «Blick».

Wieso wurde der Ski-Weltcup in Adelboden nicht abgebrochen?

Am Chuenisbärgli herrschte am Wochenende zu einem Grossteil eine ausgelassene Stimmung. Grund dafür war der Ski-Klassiker, der jährlich stattfindet. Viele der rund 30'000 Besucher wussten nichts von der Tragödie. Die Verantwortlichen schwiegen lange. Die Berner Kantonspolizei habe sie angewiesen, vorerst nicht zu kommunizieren.

Der «Blick» warf die Frage auf, wieso das Slalomrennen am Sonntag nicht abgesagt wurde. OK-Chef Peter Willen antwortete: «Selbstverständlich hat man alle Varianten diskutiert.» Es sei zwar eine beispiellose Tragödie für die betroffenen Familien und für Adelboden, aber: «Sie hat ja mit dem Anlass direkt nichts zu tun. Wäre jemanden mit einer Rennabsage oder einem Abbruch des Rennens geholfen?» Ausserdem seien die Informationen immer nur bruchstückhaft eingetroffen: «Lange hatten wir keine klaren Fakten und wussten über das Ausmass dieses Dramas nicht Bescheid.»

Dafür wurden die sonst stattfindenden Festlichkeiten am Sonntagabend nach abgeschlossenem Rennwochenende abgesagt. Der Anlass wurde nach der Siegerehrung mit einer Schweigeminute und einer Information über die Geschehnisse beendet.

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