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«Dafür waren die Energien schlicht zu gewaltig»

Werden die Notfallbuchten in Schweizer Tunneln nach dem Busunglück im Wallis nun nachgerüstet oder künftig anders gebaut? Jürg Röthlisberger, Vizedirektor des Bundesamts für Strassen, nimmt Stellung.

Nach dem Unfall umstritten: Frontale Bauweise der Betonwand, auf der Bus prallte.
Nach dem Unfall umstritten: Frontale Bauweise der Betonwand, auf der Bus prallte.
Keystone

Herr Röthlisberger, im Schweizer Fernsehen erwähnten Sie, dass in der Schweiz diskutiert wurde, Frontwände von Nothaltebuchten schräg zu bauen, ähnlich wie in Deutschland. Welche Fachleute sind bei solchen Entscheidungen dabei? In den Kommissionen achtet man darauf, dass Experten mit unterschiedlichen beruflichen Werdegängen und Hintergründen vertreten sind, damit sich dann die Schnittmenge des Besten als Standardlösung durchsetzt.

Die Idee wurde verworfen, um andere Gefahren – etwa einen Rückprall auf die Fahrbahn – zu minimieren. Wird die Debatte nach dem Unglück neu aufgenommen? Wir schulden es den Opfern, jedes Ereignis sehr ernst zu nehmen. Deshalb habe ich bereits eine Expertengruppe eingesetzt. Sie soll Lösungen für die Problematik aufzeigen, die sich danach rasch umsetzen lassen.

Es heisst, dass Wände von Nothaltebuchten andernorts schon mit Leitplanken versehen sind…Im Sierre-Tunnel hat sich damals jedenfalls offensichtlich die Lösung durchgesetzt, die in den Normen abgebildet ist: rechtwinklige Ausstellbuchten, aber mit Randsteinen als Radabweiser in der Fahrlinie. Zusätzlich war die Anlage mit einer schräg angeordneten Leitschranke versehen. Dies hat den Aufprall sicher gedämpft, aber nicht verhindert. Dafür waren die Energien schlicht zu gewaltig.

Sollte man nun besser robustere Schutzbauten vorsehen? Man kann natürlich dafür plädieren, die Leitschranken zu verstärken. Dabei müssen wir aber eine Güterabwägung für die einzelnen Fahrzeugen im Verkehr treffen. Eine Leiteinrichtung, die dermassen grosse Energien auffangen könnte wie den Aufprall eines LKW oder eines Busses, ist so steif, dass sie auf PKWs oder Motorradfahrer fatal wirken würde. Das ist eine empirische Erfahrung. Aber die genannte Expertengruppe wird nun auch prüfen, ob eine stärkere Leiteinrichtung systematisch vorzusehen ist.

Also ähnlich wie in den deutschen Bauvorschriften... Das könnte durchaus sein. Wir werden das nun zuverlässig und rasch erarbeiten, wobei wir gerne auch auf die Überlegungen der deutschen Kollegen zurückgreifen. Aber man muss auch behutsam vorgehen. Wenn wir Fahrzeuge mit grossen Energien abweisen, besteht die Gefahr, dass sie im Tunnel umhergeschleudert werden, sich überschlagen und durch die Reibung und Funkenbildung ein Brand entsteht. Auch diese Erfahrungen haben wir leider schon gemacht.

Gibt es dazu konkrete Vorschläge, mit denen sich Ihre Fachleute befassen werden?Es ist noch zu früh, um über konkrete Massnahmen zu orientieren. Grundsätzlich stehen aber Lösungen im Vordergrund, die entweder den Aufprall dämpfen oder aber das Fahrzeug abweisen können.

Das Interview musste per E-Mail geführt werden.

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