Schwule kritisieren Stigmatisierung durch Blutspendeverbot

Während in der EU homosexuelle Männer nur unter bestimmten Voraussetzungen von der Blutspende ausgeschlossen werden können, verbietet die Schweiz die Spende allen Schwulen kategorisch.

Grund für den Ausschluss ist das Übertragungsrisiko für HIV: Ein Mann spendet Blut. (Archivbild)

Grund für den Ausschluss ist das Übertragungsrisiko für HIV: Ein Mann spendet Blut. (Archivbild) Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/Keystone

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Männer, die sexuellen Kontakt mit Männern haben, sind in der Schweiz kategorisch von der Blutspende ausgeschlossen – wegen der erhöhten Gefahr einer HIV-Ansteckung. Homosexuelle empfinden diese Regelung als diskriminierend.

Homo- und bisexuelle Männer würden pauschal als Sicherheitsrisiko gesehen, kritisiert die Schwulenorganisation Pink Cross in einer Stellungnahme.

«Eine derartig schematische und unflexible Vorgehensweise macht das Blut nicht sicherer.»Pink Cross

Sie fordert die Schweizer Behörden und die Heilmittelbehörde Swissmedic deshalb auf, die aktuelle Praxis zu überprüfen:

Da Blut und Blutprodukte in der Schweiz als Heilmittel gelten, ist es an Swissmedic, Zulassungskriterien für das Blutspenden festzulegen. Diese werden dann von den Blutspendediensten des Schweizerischen Roten Kreuzes angewandt, die in der Schweiz für die Blutspende zuständig sind.

Swissmedic hält an Vorgaben fest

Swissmedic halte vorläufig an den bestehenden Vorgaben fest, sagte ihr Sprecher Lukas Jaggi. Die Bestimmung richte sich nicht speziell gegen Homosexuelle, sondern gelte beispielsweise auch für andere Gruppen, deren Risikoverhalten zum Ausschluss vom Blutspenden führe. Die Kriterien würden anhand wissenschaftlicher Daten erstellt und auf internationaler Expertenebene regelmässig überprüft.

Beim Entscheid, ob jemand Blut spenden dürfe oder nicht, gehe es in erster Linie um den Schutz der Empfängerinnen und Empfänger vor der Übertragung von Infektionskrankheiten.

Laut einem EU-Urteil kann der Ausschluss Schwuler von der Blutspende rechtens sein. Voraussetzung ist aber ein hohes Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie HIV, wie der Europäische Gerichtshof in Luxemburg urteilte. Zudem müsse klar sein, dass es keine echte Alternative für ein Spendeverbot gebe. Dies könnten wirksame Testmethoden für Blutspenden oder eine genaue Befragung des Spenders zu riskantem Sexualverhalten sein.

Ansteckungsrate 200 Mal höher

Nach Daten der französischen Regierung aus den Jahren 2003 bis 2008 waren homosexuelle Männer die am stärksten von HIV-Neuinfektionen betroffene Gruppe. Die Ansteckungsrate war demnach 200 Mal höher als in der heterosexuellen Bevölkerung des Landes. Das Strassburger Gericht muss nun klären, ob diese Daten belastbar und weiterhin relevant sind.

Für die Schweiz, wo homosexuelle Männer von der Blutspende ausgeschlossen sind, sind die Entscheide des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg nicht verbindlich. (hvw/sda)

Erstellt: 29.04.2015, 15:42 Uhr

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