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400 Flüchtlinge im Mittelmeer vermisst

Vor der libyschen Küste ist ein Flüchtlingsboot untergegangen – dabei könnten Hunderte Flüchtlinge ertrunken sein.

Das Boot ging am Sonntag im Mittelmeer unter: Ein afrikanisches Migrantenboot östlich von Tripolis. (21.11.2015)
Das Boot ging am Sonntag im Mittelmeer unter: Ein afrikanisches Migrantenboot östlich von Tripolis. (21.11.2015)
Ismail Zetouni, Reuters

Bei der Havarie eines Flüchtlingsboots vor der libyschen Küste sind womöglich rund 400 Menschen ertrunken. Das teilte die Hilfsorganisation Save The Children unter Berufung auf Überlebende mit, die in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria eintrafen. Zuvor hatte die italienische Küstenwache angesichts der Grösse des Boots hohe Opferzahlen befürchtet. Dieser Einschätzung schloss sich auch das UNO-Flüchtlingshilfswerk an.

Die Küstenwache hatte am Montag 144 Flüchtlinge aus dem Boot retten können, das vor der Küste Libyens gekentert war. Sofort wurde ein gross angelegter Sucheinsatz gestartet. Es wurden neun Leichen geborgen.

22'000 Flüchtlinge verloren ihr Leben

Sollte sich die Zahl der befürchteten Todesopfer bestätigen, wäre es eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer. Allein im vergangenen Jahr sollen laut der Internationalen Organisation für Migration IOM dort bis zu 3072 Menschen umgekommen sein. 2013 waren es Schätzungen zufolge 700. Doch könnten die Zahlen noch zu niedrig sein, erklärte IOM. Demnach haben seit dem Jahr 2000 schätzungsweise mehr als 22'000 Flüchtlinge bei dem Versuch, Europa zu erreichen, ihr Leben verloren.

Seit dem vergangenenJahr sind mehr als 280'000 Menschen – zumeist aus Syrien, Eritrea und Somalia – illegal in die Europäische Union gekommen. Viele wählen den lebensgefährlichen Seeweg über Libyen, einem Land, das inzwischen selbst in eine Spirale aus Gewalt und Chaos versunken ist.

«Wir müssen auf den Zustrom reagieren»

Seit Freitag seien mehr als 7000 Flüchtlinge vor der italienischen Mittelmeerküste aus zumeist seeuntüchtigen Booten gerettet werden, sagte EU-Migrationssprecherin Natasha Bertaud. Mehr als die Hälfte der Menschen sei noch an Bord der Bergungsschiffe und auf dem Weg nach Italien. «Bis jetzt wurden elf Leichen geborgen«, fügte sie hinzu.

In Brüssel rief EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopolous die Europaabgeordneten auf, sich rasch auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen einzustellen. «Der noch nie dagewesene Zustrom von Migranten an unseren Grenzen – und vor allem Flüchtlingen – ist leider die neue Norm und wir werden entsprechend darauf reagieren müssen.» Avramopolous will in den kommenden Wochen eine neue EU-Strategie zum Umgang mit der Flüchtlingswelle vorlegen.

AP/rsz/chk

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