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Offensive Schwäche als grosses Handicap

Die Schweizer Nationalmannschaft ist in Sotschi überraschend früh gescheitert. Es fehlt unserem Eishockey immer noch an der nötigen Klasse im Sturm.

Der Achtelfinal gegen die Letten fängt aus Schweizer Sicht nicht gut an. Nach 9 Minuten gehen die Balten in Führung. Und...
Der Achtelfinal gegen die Letten fängt aus Schweizer Sicht nicht gut an. Nach 9 Minuten gehen die Balten in Führung. Und...
Keystone
...als Morris Trachsler auf der Strafbank sitzt, düpiert der beste Lette, Lauris Darzins, Jonas Hiller zum 2:0. Der NHL-Goalie hat sich für einmal zu spät verschoben.
...als Morris Trachsler auf der Strafbank sitzt, düpiert der beste Lette, Lauris Darzins, Jonas Hiller zum 2:0. Der NHL-Goalie hat sich für einmal zu spät verschoben.
Keystone
Das frühe Out in Sotschi ist ein Rückschlag für das Schweizer Eishockey, aber auch für Coach Sean Simpson, der ein wenig zu oft die Sturmreihen durcheinander gewirbelt hat. Als Krisenmanager muss der Headcoach noch zulegen. Aber der Trainer kann nicht die Tore schiessen; das müssen schon seine Schäfchen tun.
Das frühe Out in Sotschi ist ein Rückschlag für das Schweizer Eishockey, aber auch für Coach Sean Simpson, der ein wenig zu oft die Sturmreihen durcheinander gewirbelt hat. Als Krisenmanager muss der Headcoach noch zulegen. Aber der Trainer kann nicht die Tore schiessen; das müssen schon seine Schäfchen tun.
Keystone
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Ein Olympia-Viertelfinal gegen Kanada mit Sidney Crosby und Co. hätte ein weiteres Highlight werden sollen fürs Eishockey-Nationalteam. Doch das Rendezvous platzte jäh. Statt die Besten zu fordern, müssen die Männer nach vier Spielen nach Hause reisen. Sean Simp­son hatte in Sotschi, was die Summe der individuellen Fähigkeiten betrifft, wohl die beste Schweizer Mannschaft überhaupt zur Verfügung. Doch sie fand in diesem Turnier, in dem alles schnell gehen muss, nie die nötige Lockerheit und Teamchemie. Nur drei erzielte Tore in vier Spielen – die Kreativspieler wie Damien Brunner, Roman Wick, Luca Cunti oder Reto Suri enttäuschten auf der ganzen Linie.

Der Kontrast zu WM-Silber im vergangenen Frühling ist scharf. Doch das olympische Scheitern zeigte eben auch wieder einmal auf, wie nahe die Weltspitze zusammengerückt ist. Die Schweizer können Kanada, die USA oder Russland schlagen, aber sie können an einem schlechten Tag eben auch gegen Lettland oder Norwegen verlieren. Dazu kam, dass diesmal das Wettkampfglück fehlte. In Stockholm schossen sie jedesmal ein Tor, wenn sie es brauchten, und so wuchs im Team immer mehr das Gefühl, es könne gar nichts falsch machen. Hier war es von Anfang an ein Krampf, fiel dem Team nie etwas leicht.

Die Schweiz hat immer noch zu wenige Stürmer, die sich vor dem gegnerischen Tor durchsetzen können – das ist sicher eine erste Erkenntnis. Bei der Kaderselektion und der taktischen Marschroute kann Simpson nichts vorgeworfen werden. Aber er muss sich die Kritik gefallen lassen, mit zu vielen Wechseln zusätzliche Hektik hineingebracht zu haben. Der Kanadier ist ein Tüftler und Perfektionist und war in Sotschi stets auf der Suche nach den richtigen Kombinationen im Sturm. Am Schluss funktionierte gar keine Linie mehr. Simpson ist ein Meister darin, den Schwung zu bewahren – das bewies er in der Champions League mit den ZSC Lions sowie an der letzten WM. Steigern kann er sich noch als Krisenmanager.

In fünf grossen Turnieren mit Simpson als Nationalcoach hat die Schweiz dreimal den Viertelfinal verpasst und einmal WM-Silber geholt. Das sieht in der Summe nicht so gut aus. Trotzdem: Er ist der richtige Mann, und alles andere, als seinen auslaufenden Vertrag zu verlängern, wäre ein Fehler. Simpson ist mit dem Nationalteam auf dem richtigen Weg, hat hohe Erwartungen geweckt. Und an denen darf man auch einmal scheitern.

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