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Der tränenreiche Sitzstreik der Shin A Lam

Die Südkoreanerin Shin A Lam verlor am Montagabend ihr Halbfinalgefecht im Degen-Einzel, schrieb aber dennoch ein bemerkenswertes Kapitel der Olympischen Spiele von London.

Alle Dämme brechen: Shin A Lam weint auf der Planche. (30. Juli 2012)
Alle Dämme brechen: Shin A Lam weint auf der Planche. (30. Juli 2012)
Keystone
Die Südkoreanerin protestiert mit einem einstündigen Sitzstreik. (30. Juli 2012)
Die Südkoreanerin protestiert mit einem einstündigen Sitzstreik. (30. Juli 2012)
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Der bittere Abgang: Zwei Offizielle geleiten Shin A Lam von der Planche. (30. Juli 2012)
Der bittere Abgang: Zwei Offizielle geleiten Shin A Lam von der Planche. (30. Juli 2012)
Keystone
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Die Deutsche Britta Heidemann musste nach ihrem Treffer in der Sudden-Death-Kurzentscheidung geschlagene 28 Minuten warten, ehe ihr Sieg über Shin A Lam offiziell war. Erst musste geklärt werden, ob sie den entscheidenden Stoss noch in der Zeit gesetzt hatte. Andernfalls hätte Shin das Gefecht wegen des zugelosten Vorteils bei Gleichstand für die Zusatzminute gewonnen. Die Südkoreanerin weigerte sich nach der Anerkennung des Treffers, die Planche zu verlassen. Ihr Team legte offiziell Rekurs ein, dieser fand jedoch keine Anerkennung.

Shins Protest hatte einen guten Grund. Heinemann benötigte in der letzten Sekunde noch einen Treffer, durfte dazu aber gleich vier Anläufe nehmen – die Uhr blieb stets bei einer Sekunde stehen und die österreichische Offizielle liess wieder anfechten, bis dann Heinemann tatsächlich traf und weiterkam. Nach heftigen Protesten der Koreaner und langen Beratungen entschied sich die Jury für einen Sieg der Deutschen, die später den Final verlieren sollte.

«Es war eine sehr schwierige Stunde»

Der Helm lag beim Sitzstreik die ganze Zeit neben Shin, über die Schultern hatte sie ein weisses Handtuch gelegt. «Es war eine sehr schwierige Stunde. Ich habe an all die Zeit gedacht, die ich beim Training für Olympia verbracht habe», klagte sie später. Die deutschen Betreuer äusserten Verständnis für deren Frust, sprachen aber kühl von einer Tatsachenentscheidung.

Nach einiger Zeit rappelte sich Shin auf, setzte sich an den Rand der Planche, weigerte sich aber weiter zu gehen. Stoisch blickte sie vor sich auf den Boden, das Publikum litt mit ihr. «Stay, stay», riefen die Zuschauer, deren Herzen die heulende Fechterin im Sturm erobert hatte. Erst, als sie einer der Kampfrichter am Arm packte, eine Stunde war vergangen, willigte Shin ein und ging. Ihr Trainer umarmte sie, doch die Fechterin blieb untröstlich.

Auch noch Bronze verloren

Shin musste kurze Zeit später erneut antreten - und verlor das Gefecht um Bronze. Dabei hatte sie bis zum 9:9-Ausgleichstreffer ihrer chinesischen Gegnerin geführt. Der letzte Treffer erwischte Shin an der rechten Schulter. Ihr Herz war da schon getroffen. Die Zuschauer begleiteten sie mit einer stehenden Ovationen von der Planche.

Der Vorfall erinnerte an einen Skandal bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Boxer Byun Jong-Il wurde damals vor heimischen Publikum wegen eines Kopfstosses gegen den Bulgaren Alexandar Christov vom neuseeländischen Ringrichter Keith Walker allerdings zurecht zweimal verwarnt und verlor daher nach Punkten.

Daraufhin stürmten sein Trainer, Offizielle der südkoreanischen Delegation sowie Zuschauer in den Ring und griffen Walker an. Etwa 30 bis 40 Personen sorgten für den Tumult. Nachdem sich die Lage im Ring beruhigt hatte, blieb Byun dort noch 67 Minuten lang sitzen.

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