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«Ohne den Einsatz unserer Ärzte wären viele Menschen gestorben»

(Valérie Chételat)

Herr Frisch, wo steht die Schweizer Hilfe für Haiti rund sechs Wochen nach dem Erdbeben?

Sie haben in einem Interview erklärt, sie seien «erpicht darauf, schnell etwas für den Wiederaufbau zu tun und etwas Bleibendes zu leisten». Gelingt das?

Da geht es darum, vor der Regenzeit Unterkünfte anbieten zu können. In Zelten?

Sie beziehen die Einheimischen also ein, Sie schauen nicht einfach der Arbeit der internationalen Helfer zu?

Sind die Unterkünfte, die mit Schweizer Hilfe gebaut werden, erdbebensicher?

Sie haben angekündigt, dass sich die Schweiz speziell um die Wasserversorgung kümmern werde. Geschieht das?

Wird das Wasser verkauft?

Auf Jahre hinaus?

Was geschieht mit den etwa 2000 Menschen, die im Park vor der Schweizer Botschaft campieren?

Und dieses Geld stellen Sie zur Verfügung?

Müssen die Leute für dieses Geld etwas leisten?

Was unternehmen Sie in Sachen medizinische Versorgung?

Was für einen Zeithorizont haben Sie für Ihren Einsatz in Haiti?

Das heisst: Mit sehr grossem Aufwand hat man eigentlich nur wenige Menschen aus den Trümmern retten können.

Die Sicherheitslage sei kritisch, hiess es immer wieder. War je ein Mitglied des Schweizer Teams Gefahren ausgesetzt?

Sie wurden von Politikern kritisiert, weil die Rettungskette nicht eingesetzt worden war.

Bleibt der Vorwurf, Sie hätten zu wenig rasch reagiert.

Dann hat sich diese Kritik erledigt?

Kritik kommt auch aus einer andern Ecke: Sie besagt, in Haiti werde sich auch nach dieser Katastrophe nichts ändern. Die internationalen Hilfsorganisationen würden bleiben und die Regierung weiterhin untätig sein. Haiti gilt ja als «gescheiterter Staat».

Schweizer Hilfe steht immer unter dem Vorzeichen: Hilfe zur Selbsthilfe. Ist das in Haiti möglich – oder ist es ein hoffnungsloser Fall, auf Jahrzehnte hinaus auf Hilfe angewiesen, ohne dass sich etwas verändert?

Heisst das: Es braucht die Zusammenarbeit mit privaten Investoren?

Ein Privater wird nicht investieren, weil es keine Rechtssicherheit gibt.

Man redet vielleicht nicht mehr von Haiti, aber seit Jahrzehnten sind dort x Hilfsorganisationen tätig, auch aus der Schweiz, und doch hat es keine Fortschritte gegeben.

Selbstverantwortung sei in Haiti ein Fremdwort, hat die NZZ in einem Artikel geschrieben. Haben Sie das auch so erlebt?

Die USA sind viel kritisiert worden, aber: Wäre es nicht das Beste für Haiti, wenn es ein amerikanisches Protektorat würde?

Ist das Land vielleicht auch so arm und unselbstständig, weil zu viel Entwicklungshilfe geleistet worden ist, Hilfe, die die Eigen initiative erstickt hat?

Die Leute glauben trotz allem an eine Zukunft?

Nachhaltige Hilfe würde ja auch bedeuten, dass bei einer nächsten Katastrophe eine handlungsfähige Regierung da wäre, inklusive Zivilschutz und Feuerwehr.

Die Grundfrage bleibt: Kann man einem gescheiterten Staat überhaupt helfen?

Ein Hauptproblem könnte ja auch sein, dass das Land überbevölkert ist. Auf einer Fläche, die etwas grösser ist als die Hälfte der Schweiz leben 9 Millionen Menschen.

Welche Erkenntnisse haben Sie für Ihre Arbeit gewonnen – würden Sie bei einem neuen Erdbeben in Haiti etwas anders machen?

Wie sieht eigentlich das bisherige finanzielle Engagement Ihrer Behörde aus?

Sie sind 64 Jahre alt. War das der letzte Grosseinsatz von Toni Frisch?