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Streit um BLS-WerkstätteNun mischt sich Naturschützerin Vera Weber ein

Das Bewilligungsverfahren für die BLS-Werkstätte Chliforst-Nord verzögert sich bis Ende Jahr. Die Gegner erhalten prominente Unterstützung.

Mitten im Chliforst bei Riedbach sondieren Bauarbeiter im Auftrag der BLS den Boden für den Bau der geplanten Werkstätte.
Mitten im Chliforst bei Riedbach sondieren Bauarbeiter im Auftrag der BLS den Boden für den Bau der geplanten Werkstätte.
Foto: Alexandra Jaeggi

Im Chliforst-Nord sind die Bohrmaschinen am Werk. Wo dereinst das Gebäude der BLS-Werkstätte entstehen soll, wird der Waldboden bis in Dutzende von Metern Tiefe durchbohrt. «Seit Wochen lärmen die Kompressoren», sagt Anwohner Matthias Thomet vom Verein Chlyforst. Wildtiere wie die geschützte Waldohreule würden dadurch verdrängt. Das benötigte Wasser werde mit Pumpen vom nahen Bach herbeigefördert. Laut Thomet haben die Arbeiter die vollen Benzinkanister übers letzte Wochenende beim Bach liegen lassen.

Geheimes Öllager

Thomet behauptet, dass dem Umweltschutz bei den Arbeiten generell wenig Gewicht beigemessen werde. Dies gelte insbesondere auch für die Arbeiten im sogenannten Tankwäldli, wo sich im Kalten Krieg ein geheimes Öllager der Stadt befunden hatte. Der Waldboden dort sei kontaminiert, und die Arbeiten seien «ohne besondere Schutzvorkehrungen» vorgenommen worden, sagt der Landwirt.

Die Arbeiter haben die vollen Benzinkanister beim Bach liegen lassen.

Landwirt Matthias Thomet, Verein Chlyforst

Kampfansage Vera Webers

Der Kleinkrieg bei den Probebohrungen ist eine Art Vorgeschmack auf die kommenden juristischen Auseinandersetzungen. Die BLS wollte das sogenannte Plangenehmigungsverfahren im Sommer starten. Dies wird nun aber erst «gegen Ende dieses Jahres» der Fall sein, wie BLS-Sprecherin Tamara Troxler auf Anfrage bekannt gibt.

Derweil wird die Reihe der Gegner des Verfahrens immer länger. Nebst den Anwohnern und der Gemeinde Frauenkappelen kämpft nun auch die Fondation Franz Weber gegen das Vorhaben. «Wir werden eine Einsprache einreichen und wenn nötig bis vor Bundesgericht kämpfen», sagt Präsidentin Vera Weber. Der Bau einer Werkstätte in einer «intakten Landschaft» widerspreche «sämtlichen landschaftsschützerischen Grundsätzen», sagt die Umweltaktivistin.

Prominente Unterstützung für die Gegner der BLS-Werkstätte: Vera Weber von der Fondation Franz Weber kündigt Widerstand an.
Prominente Unterstützung für die Gegner der BLS-Werkstätte: Vera Weber von der Fondation Franz Weber kündigt Widerstand an.
Foto: Patrick Martin

Für Bernardo Albisetti, den Präsidenten der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB), ist klar, dass der juristische Kampf erst vor Bundesgericht enden wird. Albisetti hält es aber für möglich, dass dies gar nicht mehr nötig sein könnte. «Ich frage mich, ob es die Werkstätte nach der Corona-Krise überhaupt noch braucht.» Das Projekt basiere auf Wachstumsprognosen des Bundes aus Vor-Corona-Zeiten. Neue Arbeitsformen wie Homeoffice würden aber nicht einfach verschwinden. «Die Pendlerfrequenzen dürften kaum mehr das Ausmass der Vor-Corona-Zeiten erreichen», sagt Albisetti.

BLS hält an Plänen fest

Die BLS will sich auf Spekulationen über mögliche Auswirkungen der Corona-Krise auf die Pendlerzahlen nicht einlassen. Sprecherin Tamara Traxler weist lediglich darauf hin, dass Chliforst-Nord nach wie vor einer von drei Werkstatt-Standorten sein werde.

Geologen haben die Bohrungen auch im Hinblick auf die Umwelt begleitet.

Tamara Traxler, BLS-Sprecherin

Betreffend die Bohrungen hält die Sprecherin fest, dass die Mehrheit der insgesamt 26 Kernbohrungen abgeschlossen sei. Kritik an den Umweltstandards der Bohrungen im Wald und insbesondere auch im womöglich belasteten Tankwäldli weist das Unternehmen von sich. «Geologen haben die Bohrungen laufend auch im Hinblick auf die Umwelt begleitet», hält Traxler in Bezug auf den Boden im Wäldli fest. Und auch die Bohrungen im Chliforst seien «gemäss dem heutigen Stand der Technik» und den «Richtlinien der beigezogenen Geologen» ausgeführt worden, schreibt die BLS-Sprecherin.