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Baudebakel im Kanton BernNicht der erste Problemfall

Noch weiss man nicht, wie viel der Campus Biel letztlich kosten wird. Doch ein Rückblick zeigt, wie teuer Fehlplanungen werden können.

Baugrube Campus Biel. © Adrian Moser / Tamedia AG
Baugrube Campus Biel. © Adrian Moser / Tamedia AG
Foto: Adrian Moser

Der Campus Biel für die Bernische Fachhochschule BFH sollte eigentlich zu einem Leuchtturmprojekt werden und den Bildungsstandort stärken. Doch zumindest die Planung ist alles andere als ein Glanzstück: Sie muss nach dem Abbruch der Ausschreibung neu gestartet werden. Änderungen, ein enger Zeitplan und unrealistische Kostenvorgaben liessen die Planung entgleisen. Zu diesem Schluss kommt eine von der kantonalen Baudirektion am Dienstag vorgestellte Expertise der Basler Firma Dietziker Partner Baumanagement AG. Beim Projekt sei von Anfang an «knapp gerechnet» worden, die Kosten seien durch die Politik aber immer noch als zu hoch angesehen worden. «In der Folge gab es mehrfach generelle Kürzungen und zusätzliche Vorgaben, ohne aber die Bestellung und die Kosten entsprechend anzupassen», heisst es im von Bernhard Gysin, Architekt ETH, erstellten Bericht.

Aufschlussreich ist etwa der Vergleich der Kosten mit dem Bau der neuen Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz BL. Dieser 2018 eröffnete Neubau ist flächenmässig leicht grösser als das Projekt in Biel. Obwohl das Projekt in Biel, etwa wegen seiner verschachtelten Konstruktion, «komplexer» als der Bau in Muttenz sei, seien die Benchmarks für die Kosten in Biel «leicht tiefer», sagt Gysin. «Man hätte aber eher erwarten müssen, dass die Benchmarks höher wären.» In Muttenz wurde ein rund 65 Meter hohes würfelförmiges Gebäude erstellt, die Kosten beliefen sich auf rund 300 Millionen Franken. Für das Projekt in Biel hatte der Grosse Rat 2017 einen Baukredit von 233,5 Millionen Franken bewilligt.

Frauenklinik-Fiasko

In der Vergangenheit ist es im Zusammenhang mit der Erstellung kantonaler Bauten bereits mehrmals zu schwerwiegenden Problemen gekommen. Zu einem eigentlichen Debakel geriet der Bau der neuen Frauenklinik auf dem Inselareal in Bern. 2002 wurde das Gebäude bezogen. Bereits 2007 traten statische Probleme an der Fassade auf. Bei einem Erdbeben drohte Einsturzgefahr.

Die Südfassade der Frauenklinik musste mit provisorischen Stahlklammern zusammengeheftet werden.
Die Südfassade der Frauenklinik musste mit provisorischen Stahlklammern zusammengeheftet werden.
Foto: Adrian Moser

2014 traf die Insel-Gruppe den Grundsatzentscheid, das Gebäude grundlegend zu sanieren. Sie will nun 110 Millionen Franken in die Erneuerung investieren. Im sanierten Gebäude wird auch die Uniklinik für Augenheilkunde einziehen. Die sanierte Klinik soll Ende 2022 den Betrieb aufnehmen. 2012 hatte die Oberaufsichtskommission des Grossen Rates wegen der mangelhaften Planung das Hochbauamt kritisiert und diesem eine Mitschuld an den Fehlern zugewiesen.

Ärger beim Tunnelbau

Ein zweites Beispiel ist der Mitholztunnel zwischen Frutigen und Kandersteg: Beim Lawinenschutztunnel traten kurz nach dessen Eröffnung im Jahr 2002 gravierende Schäden auf. Der Tunnel musste für längere Zeit gesperrt und dann für über 21 Millionen Franken saniert werden. Die Sanierungskosten waren höher als die Baukosten von rund 19 Millionen Franken.

Wegen der Risse im Mitholztunnel wurde der Tunnel mit Baumstämmen abgestützt und dann aufwendig saniert.
Wegen der Risse im Mitholztunnel wurde der Tunnel mit Baumstämmen abgestützt und dann aufwendig saniert.
Foto: Franziska Scheidegger

Danach kam es zu einem langen Rechtsstreit mit Bau- und Planungsfirmen, der mit einem Vergleich endete. Dieser brachte dem Kanton rund 16 Millionen Franken ein, den Rest der Sanierungskosten musste er selber berappen.

Der Bau des Moutier-Tunnels der Transjurane A16 führte zu einer eigentlichen Kostenexplosion, weil eine Tunnelbohrmaschine im Gestein stecken blieb. Der Bau war deshalb zwischen 2003 und 2005 blockiert.

Auf der Baustelle für den Tunnel der Transjurane blieb die Tunnelbohrmaschine stecken.  Hier war noch alles in Ordnung.
Auf der Baustelle für den Tunnel der Transjurane blieb die Tunnelbohrmaschine stecken. Hier war noch alles in Ordnung.
Foto: Daniel Fuchs

Allein der Bau des Tunnels kostete 402 Millionen Franken. Er hätte ursprünglich – die Kosten für die Erstellung des Anschlusses Moutier-Süd inbegriffen – rund 100 Millionen Franken kosten sollen. Die Eröffnung konnte erst 2011 gefeiert werden. Zu einer grösseren Verspätung wird es auch im Fall des Campus Biel kommen. Läuft im zweiten Anlauf alles rund, so soll die Inbetriebnahme im Herbst 2025 möglich sein.