Zahlreiche Tote nach Hotelangriff in Afghanistan

Dramatische Szenen in Kabul: 13 Stunden lang haben Terroristen ein Luxushotel in ihrer Gewalt. Vier Afghanen und 14 Ausländer sollen dabei ums Leben gekommen sein.

Die Attentäter haben im Luxushotel Intercontinental offenbar gezielt nach Ausländern und Regierungsbeamten gesucht. (Video: Reuters)

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Nach mehr als 13 Stunden ist der Angriff von bewaffneten Taliban-Kämpfern auf das Hotel Intercontinental in der afghanischen Hauptstadt Kabul blutig zu Ende gegangen. Vier Afghanen und 14 Ausländer sollen dabei ums Leben gekommen sein, teilte das Innenministerium am Sonntag mit. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich per E-Mail zu der Tat.

Die Angreifer waren am Samstagabend nach 21 Uhr durch die Küche in das Hotel eingedrungen. Ein Augenzeuge berichtete, die Attentäter seien von Tür zu Tür gerannt und hätten gezielt nach Ausländern und Regierungsbeamten gesucht. Dann hätten sie in die Zimmer geschossen. Aufnahmen des Senders Tolo TV zeigten dramatische Szenen von Menschen, die über Balkongeländer zu entkommen versuchten. Ein Mann hing mit einer Hand am Geländer aussen an der Fassade. Ein anderer versuchte sich mithilfe von Bettlaken auf einen Balkon eines unteren Stockwerks abzuseilen, als er den Halt verlor und fiel.

Über die Zahl der Angreifer herrscht noch Unklarheit. Regierungsvertreter sprachen von vier, die Taliban selbst von fünf Kämpfern. Ein Angehöriger des Geheimdienstes NDS sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, es habe sich um sieben Angreifer gehandelt.

Ein Teil des Hotels brannte während des Angriffs. Am Morgen, als die Spezialkräfte auf das letzte noch ungesicherte Stockwerk und den letzten dort verbarrikadierten Attentäter vorrückten, loderten die Flammen wieder auf.

Zahl der ausländischen Gäste schrumpft seit Jahren

Insgesamt seien sechs Zivilisten getötet worden, unter ihnen eine Ausländerin, sagte Ministeriumssprecher Nasrat Rahimi. Aus welchem Land sie stammte, sagte er nicht. Sieben Menschen seien verletzt worden. Ausserdem seien vier Attentäter ums Leben gekommen. Sein Kollege Nadschib Danisch sagte, insgesamt hätten die Spezialkräfte 153 Menschen aus dem Hotel gerettet, unter ihnen 41 Ausländer. Ein von Spezialkräften aus dem Hotel geretteter Augenzeuge sagte jedoch der Deutschen Presse-Agentur, die Zahl der Opfer sei «viel höher» als offiziell von der Regierung angegeben. Afghanische Regierungssprecher sind dafür bekannt, Opferzahlen für die Öffentlichkeit klein zu halten.

Behörden bestätigten, dass im Hotel zum Zeitpunkt der Angriffs eine Hochzeitsfeier im Gang gewesen sei. Ausserdem waren mehr als 100 Menschen für eine Konferenz afghanischer Computerexperten angereist.

Die Zahl der ausländischen Gäste im Intercontinental in Kabul schrumpft seit Jahren. Das Haus gilt angesichts der drastischen Verschlechterung der Lage in Kabul nicht mehr als sichere Adresse. Bei einem ähnlichen Angriff im Jahr 2011 drangen neun Attentäter der radikalislamischen Taliban in das Hotel ein. Etwa ein Dutzend Gäste und Angestellte wurden getötet. Die Angreifer konnten erst nach Stunden unschädlich gemacht werden.

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es dort mehr als 20 schwere Anschläge der Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit mehr als 500 Toten. Bei einem Anschlag auf einen Sicherheitsposten waren Anfang Januar mindestens 20 Menschen getötet und 30 verletzt worden. Die amerikanische Botschaft in Kabul und das US-Aussenministerium in Washington hatten zum Ende der Woche hin vor möglichen Angriffen in Kabul gewarnt - unter anderem auf Hotels. (SZ.de/dpa/ap/hgn/doer)

Erstellt: 21.01.2018, 16:02 Uhr

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