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«Wollen Plätze durch Poller sicherer machen»

Der Gemeinderat hat seine Legislaturrichtlinien vorgestellt. Reto Nause erklärt, wieso diese den früheren Zielen ziemlich ähneln.

Versenkbare Poller sollen für Sicherheit sorgen.
Versenkbare Poller sollen für Sicherheit sorgen.
Adrian Moser

Herr Nause, bei der Präsentation der Legislaturrichtlinien sagte der Gemeinderat, die Welt sei im Wandel – und mit ihr auch die Stadt Bern. Immer ähnlich tönen derweilen die Richtlinien selbst. Es gibt seit einigen Legislaturen ein grosses Kontinuum, den Wohnungsbau. Damit verbunden sind die innere Verdichtung und der politische Wille, dass Bern wachsen soll. Wir wollen den Menschen ein lebenswertes Umfeld zur Verfügung stellen. Das ist die Konstante, die sich bereits in den letzten Legislaturzielen fand.

Was gibt es denn Neues? Es gibt einige Akzentuierungen und Verschiebungen, die neu sind.

Ein Beispiel? Erstmals seit meinem Amtsantritt 2009 ist die Sicherheit ein Thema. Eine weitere Neuerung ist ein liberalerer Umgang mit dem öffentlichen Raum. Wir wollen die Plätze beleben und Sitzgelegenheiten schaffen. Bern macht den öffentlichen Raum zum Wohnzimmer der Bevölkerung. So forsch stand dies in keiner der letzten Richtlinien.

Im Kern ist dies aber nicht neu. Bereits 2002 wurde eine Motion überwiesen, welche eine Belebung der Plätze forderte. Ist man da nicht eher im Rückstand? In der neuen Legislatur darf man vom Gemeinderat in diesem Thema einigen Mut erwarten. Wir wollen – teilweise auf provisorischer Basis – vieles möglich machen, was bisher nicht möglich war.

Was muss man sich darunter vorstellen? Nehmen wir den Münsterplatz. Dort wollte man einst eine Aussenbestuhlung machen. Die hat man zwar nicht realisiert. Doch nun stehen dort Stühle und Tische, die man nutzen kann. Das wertet den Platz stark auf. Ein anderes Beispiel ist die Gelateria an der Mittelstrasse.

Dies sind alles Dinge, die schon umgesetzt wurden. Am Stauffacherplatz passierte die Aufwertung durch die Gelateria anfänglich gar gegen den Widerstand der Stadt. Was kommt Neues? Ich möchte keine konkreten geografischen Orte nennen. Wenn man aber die Innenstadt betrachtet, kann man sich durchaus vorstellen, auf dem Münsterplatz noch mehr Stühle aufzustellen. Auch beim Kopf der Nydeggbrücke kann man sich eine Aufwertung vorstellen.

Mit einem neuen Café? Mit einfachen Massnahmen – etwa durch Sitzgelegenheiten, Begrünung.

Aufwertung der Plätze, Wohnbau, gleiche Chancen für alle – das alles wird schon lange diskutiert. Muss sich der Gemeinderat den Vorwurf gefallen lassen, diese Ziele bisher zu zaghaft angegangen zu sein? Nehmen wir den Wohnungsbau. Der Strom der Zuzüger schwellt nicht ab. Deshalb bleibt das Thema aktuell. Zudem dauern manche Projekte von der Projektierung bis zur Realisierung halt einfach seine Zeit. Zumal man die Bevölkerung partizipieren will. Partizipation ist dem Gemeinderat wichtig.

Partizipation und Wohnbau sind rot-grüne Themen. Können sie sich als einziger Bürgerlicher im Gremium mit diesen Zielen identifizieren? Schauen sie, persönlich hätte ich die Schwerpunkte etwas anders gesetzt. Freude habe ich, dass die Sicherheit nun erstmals explizit erwähnt ist.

Erwähnte Sicherheitsziele sind präventive Sicherheitsmassnahmen für öffentliche Veranstaltungen. Was ist da geplant? Es geht darum, bei grösseren Veranstaltungen bereits im Vorfeld Fluchtwege zu planen und zu signalisieren. So sollen Massenpaniken vermieden werden. Daneben gibt es auch Ideen, die Veranstaltungsorte bautechnisch nachzurüsten und so sicherer zu machen.

Wie denn? Beispielsweise durch versenkbare Poller.

Das tönt sehr teuer. Mobile Massnahmen sind noch aufwendiger. Noch vor fünf Jahren war beides kein Thema – heute schon. Durch die Vorkommnisse von Berlin und Nizza, wo Fahrzeuge in Menschenmengen rasten, wurden wir von der Realität eingeholt.

Welche Orte würde man den schützen? Dazu möchte ich mich nicht äussern. Es ist aber klar, welches die Plätze sind, an denen sich immer wieder bis zu 20'000 Menschen treffen.

Sie wollen Poller rund um den Bundesplatz? Man könnte diese auch einfach auf den Zufahrtsstrassen erstellen.

Oft werden die in Richtlinien des Gemeinderats festgehaltenen Ideen nicht umgesetzt. Sie waren als Einziger der Amtierenden bereits 2009 Gemeinderat. Damals kündigte man an, dass Bern bis 2020 ein Stadtkanton sei und die Waldstadt gebaut worden sei. Davon ist man weit entfernt. Die Waldstadt ist nicht in Bau, dafür hoffentlich bald das Quartier auf dem Viererfeld. Beim Stadtkanton hätte man eventuell vorsichtiger formulieren und eine verbesserte und engere Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden anstreben sollen. In diesem Bereich passierte seither auch so viel – bei den Rettungsdiensten etwa, ebenso bei der Vermarktung und der Tourismusförderung. Aber klar: Von einem Halbkanton sind wir sehr weit entfernt.

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