Wo sollen in Bern die Autos hin?

Im «Bund»-Stadtgespräch diskutierten Leserinnen und Leser, wie die Stadt mit den Autos umgehen soll. Eine simple Lösung gibt es nicht – aber viele konstruktive Ansätze.

Herzogstrasse im Berner Breitenrainquartier: 12 Prozent der Parkplätze in Bern sollen verschwinden.

Herzogstrasse im Berner Breitenrainquartier: 12 Prozent der Parkplätze in Bern sollen verschwinden.

(Bild: Chr. Pfander)

Der Berner Gemeinderat will weniger Autos in der Stadt. Deshalb sollen von den rund 17'500 öffentlichen Parkplätzen in den kommenden Jahren rund 2'100 aufgehoben werden. Zudem sollen Parkkarten teurer werden, um die Anwohner in Parkgaragen zu locken. Diese Massnahmen sieht das neue städtische Parkierungskonzept vor, das die Stadtregierung im Sommer in die Vernehmlassung geschickt hat.

Tatsächlich haben viele Berner Haushalte kein Auto, ihren Ansprüchen dürften die Pläne entgegenkommen. Aber was ist mit anreisenden Arbeitskräften oder dem Gewerbe, das auf Parkflächen angewiesen ist? Im «Bund»-Stadtgespräch wollten wir von unseren Leserinnen und Lesern wissen, wie die Stadt Bern mit den Autos umgehen soll.

Günstigere Alternativen

Zahlreiche Leserinnen und Leser unterstützen die Politik des Gemeinderates, die neben der Zurückdrängung des Autos eine Förderung des ÖV und des Veloverkehrs beinhaltet: «In der Stadt braucht man kein Auto», so bringt es etwa Leser Pablo Hess auf den Punkt. Stattdessen genügten «ein Velo, Füsse und der öffentliche Verkehr». Hess plädiert dafür, AHV-Bezügern ein Libero-Abo zu schenken, wenn sie dafür auf ein Auto verzichteten, und Park and Ride zu vergünstigen, um Autos von der Innenstadt fernzuhalten.

Ähnlich denkt Leser Philipo Thomann. Mit Mobility, Publibike und ÖV seien für ihn und seine Frau genug Alternativen zum Auto vorhanden. Gleichzeitig kritisiert Thomann, dass die Stadt für Velofahrer trotz aller Anstrengungen der rot-grünen Regierung noch immer «eher unangenehm» sei.

In die gleiche Kerbe haut Leser Etienne Huber, der es für «durchaus sinnvoll» hält, wenn Bewohner und Pendler in Bern mehr ÖV und Velos nutzten. «Es müssen dann aber auch echte Alternativen angeboten werden», findet er: Dazu gehöre ein sicheres Velonetz entlang der Nebenstrassen und «nicht in Konkurrenz mit den Autos auf den Hauptverkehrsachsen».

Velos seien «keine echte Alternative zum Auto», findet dagegen Leser Thomas Bühlmann. Er befürchtet, das die gemeinderätliche Politik dem städtischen Gewerbe die Grundlage entzieht und fragt sich, wie schwere Waren ohne Auto transportiert werden sollen. «Zu einer bunten, lebenswerten Stadt gehört auch ein Parkangebot», schreibt Bühlmann.

«Konzeptloser Schnellschuss»

Differenziert fällt das Verdikt von Leser Rolf Helbling aus, der ohne Auto im Länggassquartier wohnt und nicht das Gefühl hat, «auf etwas verzichten zu müssen». Aber trotzdem findet er: «Parkplätze aufheben dürfte nicht viel bringen – ausser zusätzliche Busseinnahmen vielleicht.»

Leser Claude Santos dürfte ihm da zustimmen. «Konzeptlos Parkplätze zu entfernen, ist ein Schnellschuss, der nach hinten losgehen kann.» Es brauche ein ausgearbeitetes Konzept mit dem Ziel einer autofreien Altstadt.

Zu den Stadtgespräch-Autoren gehört auch Alexander Feuz, Fraktionschef der SVP im Stadtrat – seine Stellungnahme fällt erwartungsgemäss kritisch aus: Feuz stösst sich unter anderem an der vorgesehenen «zwangsweisen Verpflichtung der Benutzung von Einstellhallen» : Diese sei «höchst unsozial», weil sie wirtschaftlich schlechter gestellten Personen in der Stadt Bern künftig «den Besitz und Gebrauch eines privaten Mitfahrzeuges» verunmöglichten.


Was halten Sie von diesem Vorhaben? Wie sieht die Situation für Sie aus? Vermissen Sie einen Parkplatz? Oder hat es immer noch zu viel Autos in Ihrem Quartier? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»:
stadtgespraech.derbund.ch

Der Bund

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