«Wir wollen wieder zu den Besten im Alpenraum gehören»

Nun kann die V-Bahn gebaut werden. Der Bund hat das 400 Millionen Franken teure Projekt bewilligt. Für Urs Kessler, Direktor der Jungfraubahnen, ist das «lebensnotwendig».

47 Minuten schneller auf das Jungfraujoch: Um bei asiatischen Touristen konkurrenzfähig zu sein, setzen die Jungfraubahnen künftig auch auf Seilbahnen.

47 Minuten schneller auf das Jungfraujoch: Um bei asiatischen Touristen konkurrenzfähig zu sein, setzen die Jungfraubahnen künftig auch auf Seilbahnen.

Herr Kessler, heute gab der Bund grünes Licht für die V-Bahn. Warum ist das für Sie ein Meilenstein?
Die Bahnen sind zentral für den längerfristigen Erfolg der gesamten Jungfrauregion. Ich sehe es als meine persönliche Aufgabe an, dafür zu sorgen, dass wir die nächsten 30 bis 50 Jahre erfolgreich sind. Insbesondere im Winter haben wir Marktanteile verloren. Damit wir wieder zu den Besten im Alpenraum gehören, brauchen wir die V-Bahn. Nur so kommen wir zurück in die Champions League.

Was ist für den Tourismus in Grindelwald wichtiger: Qualität oder Quantität? Unberührte Natur oder schnelle Bahnen?
Wir setzen auf Qualität verbunden mit langfristigem Erfolg. Wir wollen kein kurzfristiges Wachstum, sondern langfristige Arbeitsplatzsicherheit in der Region.

Wofür steht eigentlich der Begriff «V-Bahn»?
Das V steht symbolisch für die Form der Bahn: Vom gemeinsamen Terminal in Grindelwald Grund soll eine Seilbahn zum Eigergletscher und eine zweite zum Männlichen führen.

Entstehen dank der V-Bahn neue Arbeitsplätze?
Im Terminal gibt es gegen 20 neue Arbeitsplätze. Ausserdem wird es neue Shops geben, wodurch insgesamt 40 bis 50 Jobs entstehen werden. Die wirtschaftliche Ausstrahlungskraft führt jedoch noch weiter. Dank Gesprächen mit Investoren weiss ich, dass bis zu fünf neue Hotels mit 800 bis 1000 neuen Betten geplant sind. Das führt in Grindelwald zu einem Aufschwung beim lokalen Gewerbe wie Sportgeschäfte, Restaurants oder Bäckereien.

Wie hoch sind die Gesamtkosten? Und wie viel zahlt davon der Kanton?
Die Kosten belaufen sich auf 470 Millionen Franken. Davon bezahlt der Kanton 8 Millionen für die Haltestelle Rothenegg. Es gibt meines Wissens kein vergleichbares Projekt im Kanton Bern, wo man mit dem Einsatz von 8 Millionen die Reisezeit um 47 Minuten verkürzen kann.

Das Bauprojekt wurde schon 2012 öffentlich. Seither gab es Streit in Grindelwald. Hat Sie das persönlich belastet?
So funktioniert unser demokratisches System. Wenn es Einwände gibt, versucht man einen Kompromiss zu schliessen. Wichtig war uns, dass die betroffenen Gemeinden Grindelwald, mit 72 Prozent, und Lauterbrunnen, mit 80 Prozent, deutlich Ja gesagt haben.

In Grindenwald gab es doch aber auch kritische Stimmen?
Ja, stimmt. Aber bei so einem grossen Projekt ist das normal. Viele Leute sind froh, geht es jetzt endlich los. Die Stimmung in Grindelwald hat sich nun normalisiert, und wir schauen in die Zukunft.

Eigentlich hätte man ja die neue Männlichenbahn bereits vor eineinhalb Jahren eröffnen wollen.
Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf. Es ist lebensnotwendig, dass wir die neue Männlichenbahn im Dezember 2019 eröffnen können. Die Bahn zum Eigergletscher soll dann ein Jahr später fertig sein.

Wann werden die Bagger auffahren?
Sobald Pro Natura schriftlich bestätigt, auf eine Beschwerde zu verzichten, können wir starten. Für die Gondelbahn Grindelwald–Männlichen zählt jeder Tag. Wir hoffen, Ende nächste Woche mit dem Bau beginnen zu können.

Es wird nun niemand enteignet, wie zuvor befürchtet worden war. Wie haben Sie das erreicht?
Unser Ziel war es immer, dass wir im Dialog Lösungen finden. Bei einzelnen Einsprachen waren dazu viele Gespräche nötig. Es brauchte Kompromisse. Wir erhielten Überfahrrecht für die Männlichenbahn und den Eigerexpress. Wir haben auch die Betriebszeiten der Gondeln angepasst.

Floss Geld?
Wir nehmen dazu keine Stellung. Es wurde vereinbart, nicht darüber zu reden. Bekanntermassen gab es Spenden an gemeinnützige Organisationen.

Sind Spenden üblich in der Branche, um Gegner zu besänftigen?
Ich kann nicht für die gesamte Branche reden. Dass man jedoch zusammensitzt und gemeinsam einen Kompromiss schliesst, gehört zur Schweizer Kultur.

Haben Sie noch weitere Projekte in der Pipeline?
Wir planen, das Gebäude auf dem Jungfraujoch bis 2025 umzubauen. Für Gäste, die auf dem Jungfraujoch ankommen, soll so ein direkter Blick auf die einmalige Schnee- und Gletscherwelt entstehen.

DerBund.ch/Newsnet

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