Erste Festnahmen nach Anschlag von Ankara

Bei einem Anschlag an einer Bushaltestelle im Zentrum der türkischen Hauptstadt Ankara sterben 37 Menschen – 125 weitere wurden verletzt.

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Im Zusammenhang mit dem Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara hat die Polizei elf Menschen festgenommen. Einige von ihnen würden verdächtigt, den bei dem Selbstmordanschlag eingesetzten Wagen in der südosttürkischen Stadt Sanliurfa gekauft zu haben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag.

Die regierungsnahe Zeitung «Sabah» berichtete, vermutet werde, dass eine Selbstmordattentäterin der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK den Anschlag mit mindestens 37 Toten verübt habe. Doch seien die DNA-Tests der beiden mutmasslichen Attentäter noch nicht abgeschlossen, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu.

Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag von Ankara bekannt. Davutoglu sagte, es gebe «konkrete Informationen über die Terrororganisation, die diesen feigen Angriff ausgeführt hat». Er nannte aber keine Einzelheiten. Die Luftwaffe flog nach dem Anschlag Angriffe auf Stellungen der PKK im Nordirak.

Noch keine Kenntnis von Schweizer Opfern

Bei dem Anschlag im Zentrum Ankaras waren am Sonntagabend nach Regierungsangaben 34 Menschen getötet worden, darunter auch mindestens ein Selbstmordattentäter. Drei weitere sind im Spital ihren Verletzungen erlegen, berichtet Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu. Damit steigt die Zahl der Opfer auf 37. 125 Menschen seien bei der Detonation verletzt worden, 19 davon schwer. Ob auch Schweizer Opfer darunter sind, klärt das Aussendepartement (EDA) in Bern ab.

Der Anschlag sei von mindestens einem oder vermutlich sogar von zwei Selbstmordattentätern verübt worden. Er oder sie hätten sich in einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug in der Nähe einer belebten Bushaltestelle in die Luft gesprengt.

Ein Video zeigt die Explosion bei einer Busstation im Zentrum der türkischen Hauptstadt.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Anschlag scharf. Den Familien der Opfer sprach Ban laut Mitteilung der Vereinten Nationen aus der Nacht zum Montag sein Beileid aus. Die Vereinten Nationen stünden in dieser schwierigen Zeit an der Seite des türkischen Volkes und seiner Regierung.

Zweiter Anschlag innert einem Monat

Erst vor knapp einem Monat hatte in Ankara ein Selbstmordattentäter ebenfalls eine Autobombe gezündet und 29 Menschen mit in den Tod gerissen. Zu dieser Tat bekannte sich die aus der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hervorgegangene Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Die TAK hatte damals zugleich weitere Anschläge angekündigt. Für die Tat vom Sonntag übernahm zunächst keine Gruppe die Verantwortung.

Die Explosion ereignete sich am zentralen Kizilay-Platz, der ein Knotenpunkt des Nahverkehrs ist. Ala sagte, der Anschlag habe auf Zivilisten abgezielt. Die US-Botschaft hatte erst am Freitag vor einem drohenden Anschlag in einem Viertel in der Nähe des Anschlagsorts gewarnt und dazu aufgerufen, die Gegend zu meiden.

Die australische Aussenministerin Julie Bishop teilte mit, der australische Botschafter sei dem Anschlag nur knapp entgangen. James Larsen habe sich zum Zeitpunkt der Explosion 20 Meter vom Anschlagsort entfernt in seinem Wagen befunden.

Nachrichtensperre verhängt

Die türkische Regierung verhängte am Sonntagabend eine Nachrichtensperre über den Anschlag, die aber nicht offizielle Verlautbarungen betrifft. Türkische Medien berichteten, ein Gericht in Ankara habe eine Sperre für soziale Medien verfügt, nachdem dort Fotos zu dem Anschlag geteilt worden seien. Internetnutzer berichteten von Problemen, Twitter und Facebook aufzurufen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan teilte mit, die Terroranschläge der jüngsten Zeit zielten auf die «Integrität unseres Landes» ab. Er kündigte an, den Kampf gegen den Terrorismus fortzuführen und den Terrorismus «in die Knie zu zwingen». Die EU, die USA und die Nato sicherten der Türkei ihre Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin – ein Gegner Erdogans – verurteilte die Anschläge.

Die Gewalt in der Türkei eskaliert im kurdischen Südosten des Landes, sie erfasst aber zunehmend auch die Metropolen. Am 12. Januar hatte sich in Istanbul ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Diese Tat wurde der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeschrieben.

Das gilt ebenso für einen Selbstmordanschlag im Oktober vergangenen Jahres in Ankara, der auf eine pro-kurdischen Demonstration abzielte. Bei dem schwersten Anschlag in der Geschichte der türkischen Republik waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.

nag/chk/sda

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