Trumps Strippenzieher steht vor dem Fall

Roger Stone zwingt seine Gegner seit den 70ern mit Sex-Affären, Drohungen und Randalen in die Knie. Nun gerät er ins Visier der Justiz.

Er verrichtete die Drecksarbeit für die US-Präsidenten Richard Nixon, Ronald Reagan – und arbeitet jetzt auch für Donald Trump. Foto: Seth Wenig (AP, Keystone)

Er verrichtete die Drecksarbeit für die US-Präsidenten Richard Nixon, Ronald Reagan – und arbeitet jetzt auch für Donald Trump. Foto: Seth Wenig (AP, Keystone)

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Auf dem Rücken trägt er ein Tattoo Richard Nixons, im Herzen Niedertracht. Ein halbes Jahrhundert hat Roger Stone, republikanisches Enfant terrible und politischer Handkantenschläger der Extraklasse, politische Gegner aufgemischt. Er hat sie verleumdet, mit ausgeklügelten Schweinereien zu Fall gebracht oder einfach ausmanövriert.

Stone ist ein Veteran politischer Schlammschlachten und ein Vertrauter Donald Trumps. Doch nun ist der «Dirty Trickster» mit der frechen Schnauze in Verdacht geraten, 2016 die bislang fehlende Verbindung zwischen Julian Assanges Enthüllungsportal Wikileaks und dem Trump-Wahlkampfteam gewesen zu sein. Russland-Sonderermittler Robert Mueller hat die schillernde Figur ins Visier genommen, Stone freilich will es nicht gewesen sein. Mit den gehackten und von Wikileaks veröffentlichten demokratischen Mails habe er nichts zu tun, sagt er.

Tricks, Lügen und Ausreden

Obschon Stone am 4. August 2016 in einem Mail an seinen treuen Adlatus Sam Nunberg, auch er ein Freund Trumps, angegeben hatte, er habe «gestern Abend» mit Julian Assange gespeist, in London natürlich, wo Assange in der ecuadorianischen Botschaft festsitzt. Am 8. August sagte Stone vor Republikanern in Florida, er habe «mit Assange kommuniziert». Und am 21. August twitterte Stone, «bald» sei Hillary Clintons Wahlkampfvorsitzender John Podesta «dran». Wenige Wochen später veröffentlichte Wikileaks interne E-Mails von Podestas Konto. Entwendet hatten sie angeblich russische Hacker.

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Stone wehrt ab: Alles sei nur Geschwätz gewesen, er habe Nunberg, diesem «Psycho», einen Bären aufgebunden. Nicht in London sei er gewesen am Abend des 3. August, sondern in Los Angeles. Mag sein, vielleicht aber auch nicht. Denn Roger Stone Glauben zu schenken, ist eine riskante Sache. Seit er im Orbit von Richard Nixon auftauchte, hat Stone immer wieder getrickst. Und gelogen, um seine Spuren zu verwischen. Er ist der Houdini des politischen Theaters in New York und Washington.

Mit Paul Manafort, der kurzzeitig Donald Trumps Wahlkampf leitete und von Sonderermittler Mueller wegen Geldwäsche und anderer mutmasslicher Vergehen angeklagt wurde, gründete Stone in der Reagan-Ära eine Lobbyfirma in Washington. Zu ihren Kunden zählten der kongolesische Diktator Mobutu Sese Seko, der philippinische Autokrat Ferdinand Marcos sowie der prowestliche angolanische Rebellenführer Jonas Savimbi – ein korruptes Trio, das Stone und Manafort reinzuwaschen versuchten.

Stone machte gehörig Geld, er war berühmt in republikanischen Kreisen und berüchtigt anderswo. 1996 suchte er in einem Swinger-Heftchen Sexpartner für sich und Ehefrau Nadya und stritt es ab, als er identifiziert wurde. Eine Hausangestellte habe die Anzeigen aufgegeben, behauptete Stone, ehe er 2008 die Wahrheit eingestand.

«Roger ist ein prima Typ, er ist so loyal.»Donald Trump im Dezember 2015

Nach der Präsidentschaftswahl 2000 organisierte er in Miami die berühmte «Brooks Brothers»-Randale, benannt nach einem Herrenausstatter, dessen Anzüge viele der Randalierer trugen. Bei ihnen handelte es sich um republikanische Kongressmitarbeiter aus Washington und andere Republikaner, die mit Bussen nach Miami gekarrt wurden, um die erneute Auszählung des Wahlergebnisses bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2000 zu verhindern.

Angeblich war es Stone, der das Gerücht in die Welt setzte, ein Mitarbeiter des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore habe Stimmzettel aus dem Auszählungszentrum in Miami entwenden wollen. Daraufhin kam es zu Unruhen vor dem Zentrum, die neuerliche Auszählung wurde abgebrochen – obschon sie Gore womöglich einen Sieg über den Republikaner George W. Bush beschert hätte.

2007 fiel Stone besonders unangenehm auf, als er beim betagten Vater des demokratischen Gouverneurskandidaten im Staat New York, Eliot Spitzer, eine Telefonnachricht hinterliess und den alten Herrn mit einer Kanonade von Fäkalausdrücken massiv bedrohte. Stone dementierte, eine Detektei aber stellte zweifelsfrei fest, dass der Anruf vom Telefon seiner Ehefrau erfolgte. «Sie haben Roger erwischt», kommentierte Stones Freund Donald Trump den Vorfall.

Drecksarbeiter im Sold des Präsidenten: Mit Trumps Aufstieg boten sich für Stone neue Betätigungsfelder. Foto: Kevin Lamarque (Reuters)

Mit Spitzer Junior aber war Stone noch lange nicht fertig: Im Dezember 2007 prophezeite er, der inzwischen zum Gouverneur gewählte Spitzer werde «seine Amtszeit nicht zu Ende bringen». Schon im November hatte Stone das FBI brieflich unterrichtet, dass Spitzer Prostituierte frequentiere und beim Sex übrigens Socken trage. Im März 2008 musste der bei der Wallstreet verhasste Spitzer vom Amt zurücktreten, Stone hatte ihn zu Fall gebracht.

Mit Trumps Präsidentschaftskandidatur eröffneten sich dem Trickser neue Tätigkeitsfelder: Er warb im TV für seinen alten Freund und machte Trumps Gegner nieder. Nachdem er die republikanische Strategin Ana Navarro, eine bittere Feindin Trumps, per Twitter als «Diva Bitch» und den afroamerikanischen Fernsehkommentator Roland Martin als «fetten» und «dummen Neger» beschimpft hatte, erhielt Stone von CNN und dem Kabelsender MSNBC Auftrittsverbot. Trump hatte den Hitzkopf zwar im August 2015 bereits aus dem Wahlkampfstab gekippt, blieb Stone aber zugetan. «Roger ist ein prima Typ, er ist so loyal», lobte Trump im Dezember 2015.

«Fünfzig Jahre schmutziger Tricks»

Offiziell war Stone nicht mehr Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam, inoffiziell aber verrichtete er weiterhin die Drecksarbeit. Als das Trump nahestehende Regenbogenblatt «National Enquirer» mitten im republikanischen Vorwahlkampf berichtete, Trumps Konkurrent Ted Cruz habe mit fünf Frauen aussereheliche Affären gehabt, wurde Stone zitiert. «Diese Geschichten über Cruz sind seit einiger Zeit in Umlauf, ich bin überzeugt, wo es raucht, gibt es auch ein Feuer», log Stone über den frommen Senator aus Texas. Cruz war ausser sich: «Mr. Stone ist ein Mann, der fünfzig Jahre schmutziger Tricks hinter sich hat.»

Cruz verlor die Vorwahlen gegen Donald Trump, worauf Stone seinem Freund neuerlich zu Diensten war, indem er potenziell abtrünnige republikanische Delegierte bedrohte. Wer beim Parteitag in Cleveland im Juli 2016 nicht für Trump stimme, obschon er Trump als Delegierter repräsentiere, werde es mit ihm zu tun bekommen, warnte Stone: «Wir werden Proteste und Demos organisieren – und wir werden die Hotels und Zimmernummern von Delegierten publik machen, die sich am grossen Diebstahl beteiligen.»

Trump wurde in Cleveland zum Präsidentschaftskandidaten gekürt, derweil Stone seine Beziehung zu Julian Assange pflegte. Oder auch nicht. Dies herauszufinden, obliegt Robert Mueller. Ist Roger Stone in die Affäre um Hillary Clintons und John Podestas gehackte E-Mails verwickelt, droht ihm ein Prozess. Dem Trickster würde endlich das Handwerk gelegt. Andernfalls wird Stone bald wieder für Schlagzeilen sorgen.


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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.04.2018, 20:48 Uhr

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