Jordan: «Es bestand das Risiko eines Zusammenbruchs»

An einer Pressekonferenz informierte SNB-Präsident Thomas Jordan über die Notfallrettung des Banknotenzulieferers Landqart.

Qualität der neuen Banknoten war schon nach Herausgabe der neuen 50er-Note ein Thema: Wir unterzogen den grünen Schein im Frühjahr 2016 einem Härtetest.

Die Schweizerische Nationalbank erwirbt 90 Prozent der Landqart AG. Die SNB will so sicherstellen, dass weiter neue Banknoten gedruckt werden können. Die Firma ist der alleinige Anbieter von Durasafe, einer Kunststoff-Baumwoll-Kombination, dem die neuen Schweizer Banknoten gedruckt werden. 10 Prozent des Kapitals kauft Orell Füssli, die den Notenbankdruck im Auftrag der SNB durchführen. Der Kaufpreis beträgt 21,5 Millionen Franken.

Die SNB habe sich zur Übernahme entschieden, da sonst Landqart vom Zusammenbruch bedroht gewesen wäre. Dies hätte die Produktion der neuen Frankennoten gefährdet, erklärte SNB-Präsident Thomas Jordan auf einer Medienkonferenz.

Grosskunde springt ab

«Im Oktober informierte uns Landqart, dass ein wichtiger Kunde von herkömmlichem Banknotenpapier, also nicht Durasafe-Substrat, seinen Auftrag überraschend und kurzfristig storniert habe», erklärte Jordan. Aus Unternehmenskreisen heisst es, es sei ein grösserer Kunde aus dem Osten gewesen. Weder die SNB, Landqart noch Orell Füssli wollten auf Nachfrage dazu Details nennen.

«Das Unternehmen hat deshalb bereits im Dezember Kurzarbeit eingeführt und sieht sich einem Liquiditätsengpass gegenüber, der den Fortbestand von Landqart unmittelbar infrage gestellt hat», so Jordan. Sprich: Der Firma drohte die Pleite. Dem Unternehmen soll nach der Übernahme die benötigte Liquidität zugeführt werden, so die SNB. Nötig seien 5 bis 15 Millionen Franken, so Jordan.

Beste Alternative

«Wäre die SNB nicht eingestiegen, hätte das Risiko des Zusammenbruchs von Landqart bestanden», so Jordan weiter. «Das hätte den Druck der neuen Banknoten gefährdet.»

Verkäufer des Schweizer Papierspezialisten ist eine Tochter der kanadischen Beteiligungsgesellschaft Fortress. Diese hatte Landqart im Jahr 2006 gekauft. Laut der SNB-Spitze war Fortress nicht bereit, neue Mittel in das Unternehmen einzuschiessen. Die gemeinsame Übernahme durch die SNB mit Orell Füssli sei daher als beste Alternative angesehen worden, um den Druck der neuen Noten nicht zu gefährden. Alternativ sei erwogen worden, die Durasafe-Maschinen aus der Konkursmasse zu erwerben.

«Versorgung mit Banknoten steht im Vordergrund»

«Aufgrund der Liquiditätssituation bei Landqart werden Restrukturierungsmassnahmen und eine Liquiditätszufuhr in die Wege geleitet werden müssen», so Jordan. Ob und in welchem Umfang es dabei zu einem Abbau der derzeit 260 Arbeitsplätze kommen werde, sei noch unklar, so Jordan. Der Umfang der Restrukturierung hänge davon ab, wie stark es gelinge, neue Kunden zu gewinnen.

In dem Zusammenhang kam die Frage auf, ob nicht andere Notenbanken zögern könnten, Landqart Aufträge zu erteilen, weil die Schweizer Notenbank als Eigentümerin über jedes Detail der Banknoten anderer Zentralbanken Kenntnis bekommen könnte. Solche Interessenkonflikte sieht Jordan nicht: «Orell Füssli hat ja auch andere Zentralbanken als Kunden.» Die SNB ist auch an Orell Füssli beteiligt, die den Druck der Noten verantwortet.

Man wolle die frisch erworbene Landqart auch nicht auf Dauer behalten. «Wenn sich Möglichkeiten ergeben, ist geplant, die Firma wieder zu verkaufen», so Jordan. Im Vordergrund stehe aber die Versorgung mit Banknoten in der Schweiz. Durasafe sei dabei ein ganz wichtiger Bestandteil.

«Das beste Banknotenpapier der Welt»

Einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Problemen und Durasafe gebe es nicht. «Durasafe ist das beste Banknotenpapier der Welt», ergänzt er. Auch einen Zusammenhang zwischen der Verzögerung der neuen Banknotenserie und den Problemen bei Landqart gebe es nicht, so Jordan.

Auf die Frage, warum die SNB nicht auf Zulieferer im europäischen Ausland setze, sagt Jordan: «Das kann man machen. Wir wollen aber die besten Banknoten der Welt. Durasafe hat einen Sprung bei der Banknotensicherheit gebracht. Wir haben seit Jahrzehnten sehr gut mit den Schweizer Partnern zusammengearbeitet.»

90 Prozent übernommen

Das Substrat der Landqart für die Banknoten besteht aus zwei Papierschichten aus Baumwolle. Zwischen die zwei Lagen kommt eine transparente Schicht aus flüssigem Kunststoff. Dieser Polymer-Werkstoff wird von der Ems-Chemie geliefert.

Die SNB präsentiert die neue 10er-Note:

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Gemeindepräsident: «Hoffe, dass Landqart neue Aufträge bekommt»

Sepp Föhn, Gemeindepräsident von Landquart, ist froh über die Übernahme des Papierherstellers, dem der Ort seinen Namen gegeben hat. «Ich hoffe, dass die SNB dank ihrer guten Kontakte ins Ausland dabei helfen wird, dass Landqart neue Aufträge bekommen wird», sagte er im Gespräch. «Die SNB als Hauptaktionär ist sicher hilfreicher Vertrauensanker.»

Probleme mit dem Papier

Mit dem Zulieferer Landqart gab es seit Jahren Probleme: Die Ausgabe der neuen Banknotenserie verzögerte sich um mehrere Jahre, nicht zuletzt weil das Papier des Herstellers mehrfach überarbeitet werden musste. Ursprünglich hatte die Nationalbank bereits 2008 mit der Produktion beginnen und die erste Note 2010 in Umlauf bringen wollen.

Video: Was Banknotenfans an der neuen 20er-Note gefällt:

Als Grund für die wiederholte Verschiebung wurden immer wieder «unerwartete technische Probleme» genannt. Ein Fachmann mutmasste bereits 2012, dass das Problem bei der Verschweissung der verschiedenen Lagen des Durasafe-Papiers der Landqart AG lag, welches für die neuen Noten verwendet wird. Landqart hatte sich das Papier patentierten lassen, in der Praxis wurde die Entwicklung aber bis zu den neuen Banknoten nicht angewendet.

Drohung aus Deutschland

Bei den 50er-Noten zeigten sich nach der Ausgabe im April 2016 dann auch Mängel: Leser berichteten, dass die Note aufbricht, wenn man sie der Länge nach faltet und das Plastikband verletzt wird. Ausserdem färbe die Note ab, wenn sie mit Wasser oder Schweiss in Berührung komme.

Landqart drohte auch in Deutschland Ärger: Die Bundesdruckerei in Berlin warnte die Papierfabrik im Jahr 2012, sie auf 15 Millionen Euro Schadenersatz zu verklagen. Landqart soll Papier mit einem minderwertigen Sicherheitsfaden für neue Euronoten geliefert haben.

So hat sich der 50er-Schein über die Jahre verändert:

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DerBund.ch/Newsnet

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