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Ruf nach grüner Kandidatur

Eine eigene Bundesratskandidatur soll es nicht gerade sein, doch die Jungen Grünen fordern ihre Mutterpartei auf, den Sitz des scheidenden Aussenministers Didier Burkhalter anzugreifen.

Angesichts von Klimawandel, Krieg und Hunger sowie steigender Ungleichheit brauche es die Grünen mehr denn je, schreiben die drei Co-Präsidenten der Jungen Grünen, Judith Schmutz, Luzian Franzini und Kevin Morisod. «Leider verschliesst ein Grossteil der aktuellen Bundesräte die Augen vor der Realität.»

Als mögliche Kandidaten nennt Franzini drei Westschweizer Regierungsmitglieder: Béatrice Métraux aus der Waadt sowie Antonio Hodgers und Robert Cramer aus Genf. Métraux und Hodgers sind amtierende Staatsräte; der frühere Staatsrat Cramer ist derzeit der einzige Ständerat der Grünen. «Alle drei verfügen über Exekutiverfahrung und wären valable Kandidaten», sagt Franzini.

Die Grünen griffen bereits 2010 einen FDP-Sitz an. Birgit Wyss, die dieses Jahr zur ersten grünen Regierungsrätin im Kanton Solothurn gewählt wurde, trat gegen Johann Schneider-Ammann an. Im dritten Wahlgang schied sie chancenlos aus, obwohl die Grünen damals über den bisher höchsten Wähleranteil verfügten. Nach 9,8 Prozent bei den Nationalratswahlen 2007 sank dieser 2011 auf 8,4 und 2015 auf 7,1 Prozent.

Erst Wähleranteil steigern

Seit 2015 geht es für die Grünen zwar wieder aufwärts. In den Kantonen gewannen sie 14 Parlamentssitze hinzu, und national kommen sie gemäss einer GFS-Umfrage derzeit auf einen Wähleranteil von 8,8 Prozent. Wie Franzini einräumt, ist aber kein Szenario ersichtlich, das zu einem grünen Bundesrat führen könnte. Die FDP befindet sich selber im Aufwind und verfügt mit SVP und CVP über eine Mehrheit von 163 von 246 Sitzen in der Bundesversammlung. Entsprechend wollen die Grünen zunächst bei den Wahlen 2019 wieder zulegen. «Es ist erst Legislaturhalbzeit, wir wollen nicht übermütig werden», sagte Präsidentin Regula Rytz letzte Woche.

Den offenen Brief nimmt die Leitung der Grünen zur Kenntnis. Laut Parteisekretärin Regula Tschanz will sie das Gespräch mit den Jungen Grünen suchen. Diese hätten recht, wenn sie eine Stärkung der grünen, ökologischen und sozialen Positionen im Bundeshaus forderten, sagt Tschanz. «Wir werden die Ausgangslage im August prüfen. Derzeit fokussieren wir auf die Klimapolitik und die Wahlen in den Kantonen.» (mw)

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