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Nun steht von Graffenried in der Pflicht

Die Zeit drängt. Niemand will Drogenhandel statt Konzerte auf der Berner Schützenmatte.

Die Polarbar schenkt diesen Sommer auf der Schützenmatte keine Getränke aus.
Die Polarbar schenkt diesen Sommer auf der Schützenmatte keine Getränke aus.
Franziska Rothenbühler

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Nonchalance der Gemeinderat die Absage des diesjährigen Neustadtlabs kommunizierte. Etwas schade sei es schon, hiess es, aber es werde sich bestimmt Ersatz finden lassen. Doch so einfach ist das nicht. Die Zeit drängt. In zwei Monaten sollte die «Bespielung» des Platzes beginnen. Wie genau die Stadt dies bewerkstelligen will, bleibt nebulös. Noch ist nicht einmal geklärt, wo sich interessierte Alternativ-Veranstalter melden sollen.

Klar ist, dass finanztechnische Tricksereien nicht angezeigt sind, um das Neustadtlab doch noch zu ermöglichen. Man hätte gar hinter eine verfahrensmässig saubere Subventionierung Fragezeichen setzen können. Denn die Suche nach einer definitiven Nutzung ist noch nicht abgeschlossen. Die Gefahr besteht, mit wiederholten Zwischennutzungen einen Fait accompli zu schaffen und somit das versprochene offene Partizipationsverfahren zu untergraben; und diese Gefahr ist nicht klein.

Aber die Schützenmatte ist nicht einfach ein Ort wie jeder andere. Nirgends kristallisieren sich gesellschaftliche Spannungen so sehr wie auf dem (Park-)Platz zwischen Reitschule und Drogenanlaufstelle. Damit eine Belebung funktioniert, muss sie auf Leute zugeschnitten sein, welche sich von der ortstypischen Atmosphäre – inklusive Uringestank – nicht abschrecken lassen. Das hat mit dem Neustadtlab gut geklappt. Während der letztjährigen Ausgaben ging der Drogenhandel zurück, und die Stimmung war friedlicher als gewöhnlich.

In der Pflicht steht nun Stadtpräsident Alec von Graffenried. Seine Direktion hat bisher die Kredite für das Neustadtlab gesprochen. Und er hat im Wahlkampf mehrmals betont, wie wichtig ihm eine Belebung der Schützenmatte sei. Zu Recht. Denn in einem herrscht Einigkeit: Sommernächte mit Lindy Hop und Hipster-Getränken sind irgendwie netter als solche mit Gewalt und Drogenhandel.

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