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Niemand will diese Kriegsbilder

Die Medien drucken die Mosul-Aufnahmen des Fotografen Kainoa Little nicht ab. Also behilft er sich selber.

Flüchtende in der irakischen Stadt Mosul, April/Mai 2017.
Flüchtende in der irakischen Stadt Mosul, April/Mai 2017.
Kainoa Little (petapixel.com/2017/07/05/no-one-buy-photos-free-mosul-2017)

Nach rund neun Monaten erbittertem Kampf um die Stadt Mosul hat die irakische Regierung die Befreiung verkündet. Bilder zeigen den irakischen Regierungschef Haider al-Abadi, der gestern die zweitgrösste Stadt des Landes besuchte, um seinen Truppen zum «bedeutenden Sieg» über die Terrormiliz Islamischer Staat zu gratulieren. Andere Fotos zeigen die weitgehend zerstörte Stadt, in der es am Wochenende immer noch Kämpfe gab.

Einer, der diesen Frühling ebenfalls in der belagerten Stadt war und die Geschehnisse dort dokumentieren wollte, ist der freischaffende Fotograf Kainoa Little aus Washington. Auf seinen Aufnahmen sieht man etwa irakische Polizeikräfte, die ein Theater betreten, in dem sie explosives Material vermuten – Lichtstrahlen dringen durch die beschossene Decke in die zerstörten Räume.

Irakische Polizeikräfte im beschossenen Theater. Foto: Kainoa Little, petapixel.com/2017/07/05/no-one-buy-photos-free-mosul-2017
Irakische Polizeikräfte im beschossenen Theater. Foto: Kainoa Little, petapixel.com/2017/07/05/no-one-buy-photos-free-mosul-2017

Man sieht flüchtende Menschen am Ufer des Flusses Tigris im Abendrot. Einen alten Mann mit einem Mädchen an der Hand, die von den Kämpfen im Hintergrund wegrennen – das Mädchen trägt eine Wasserflasche, der Mann einen Gehstock. Eine Mutter, die gerade erfährt, dass der verwundete Sohn zu ihren Füssen überleben wird.

Flüchtende am Ufer des Tigris. Foto: Kainoa Little, petapixel.com/2017/07/05/no-one-buy-photos-free-mosul-2017
Flüchtende am Ufer des Tigris. Foto: Kainoa Little, petapixel.com/2017/07/05/no-one-buy-photos-free-mosul-2017

Kein Medium wollte die Bilder drucken

Es sind Kriegsbilder, die sich in den Augen des Laien nicht von anderen unterscheiden, aber ihre Aussage bleibt wichtig: Die menschliche Tragödie wird stets fortgeschrieben. Menschen werden verletzt, sie fürchten um Leib und Leben. Zahlreiche Zivilisten wurden in Mosul getötet, mehr als 900'000 Menschen mussten die Stadt verlassen. Nur ein Bruchteil ist gemäss den Vereinten Nationen wieder zurückgekehrt.

Eine Mutter mit ihrem verwundeten Sohn. Foto: Kainoa Little, petapixel.com/2017/07/05/no-one-buy-photos-free-mosul-2017
Eine Mutter mit ihrem verwundeten Sohn. Foto: Kainoa Little, petapixel.com/2017/07/05/no-one-buy-photos-free-mosul-2017

Kein Medium sei bereit gewesen, seine Bilder zu drucken, schreibt Little – die Gründe werden nicht genannt. Also lud er sie Anfang Juli auf seinen Blog, wo sie seither frei zugänglich sind. Er wolle den Leuten in Mosul eine Stimme geben, weil er ihnen auch ein Versprechen gab, als er sie fotografierte: ihre Geschichte weiterzuerzählen. Das sei ihm wichtiger, als Geld zu verdienen.

Little schade der Branche

Neben jenen Leuten, die auf den sozialen Netzwerken den Mut und die Arbeit des Fotografen bewundern, gibt es auch solche, für die Littles Absicht zu gut klingt, um wahr zu sein.

Sie werfen ihm unter anderem vor, sich selbst als Opfer zu inszenieren und nur sich und sein Portfolio bekannt machen zu wollen. Little würde der Branche schaden, indem er seine Bilder gratis verfügbar mache, und keine Ahnung haben vom Krieg, den er nur in Szenen und ohne nötigen Kontext zeige.

Little, der manche seiner Bilder auch auf Facebook postete, äusserte sich bislang nicht zu dieser Kritik. Was sich aber an dieser Diskussion jetzt schon zeigen lässt: Der Weg zu Gehässigkeiten ist nicht weit.

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