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Nestlé hat Mühe mit der Wassersparte

Vevey Nestlé-Chef Mark Schneider hat das Wassergeschäft zu einem der Kerngeschäfte des Nahrungsmittelkonzerns erklärt. Die Sparte Nestlé Waters soll «für überdurchschnittliches Wachstum und Profitabilität» sorgen. Doch ausgerechnet der Handel mit dem immer knapper werdenden Gut läuft harzig.

Seit zwei Jahren ist Wasser das Sorgenkind des Konzerns. 2017, im ersten Amtsjahr von Schneider, wuchs der Umsatz von Nestlé Waters organisch nur um 2,1 Prozent auf 8 Milliarden Franken. Es lag damit sogar unter dem Wachstum des gesamten Konzerns von 2,4 Prozent. Dieses war so tief wie noch nie in den letzten 20 Jahren. Auch das operative Ergebnis der Wassersparte belastete das Konzernergebnis vergangenes Jahr und verharrte bei 1 Million Franken.

An der Investorenkonferenz 2017 erklärte Schneider, dass an der tiefen Profitabilität unter anderem fixe Kosten in der Logistik schuld seien. Er versprach künftig bessere Resultate. Nestlé ist mit einem Marktanteil von 10 Prozent und 51 Wassermarken – darunter bekannte Namen wie S.Pellegrino, Perrier oder Nestlé Pure Life – globaler Marktführer.

Brabeck warnte: Wasser könnte vor dem Öl ausgehen

In den ersten neun Monaten dieses Jahres enttäuschte die Wassersparte trotz tiefer Vergleichsbasis erneut. Der Absatz stagnierte. Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy bezeichnet Nestlé Waters «ganz klar als Belastung». Auch für ZKB-Analyst Patrik Schwendimann ist dieser Zweig angesichts des heissen Sommers in Europa enttäuschend ausgefallen. Er verweist auf den Konkurrenten Danone, der ein doppelt so starkes Wachstum aufgewiesen habe.

Bereits der Vorvorgänger von Mark Schneider, Peter Brabeck, setzte stark auf das Wassergeschäft. Er warnte: Wenn wir so weitermachten wie bisher, werde uns das Wasser vor dem Öl ausgehen. Damit legte er auch den Finger auf einen wunden Punkt. Denn besonders in Nordamerika wehren sich immer mehr Menschen mit Protesten und Petitionen gegen das sogenannte «water grabbing» von Nestlé, so etwa in den Bundesstaaten Michigan, Oregon, Kalifornien, Montana und Arizona oder in der kanadischen Provinz British Columbia. Sie sehen nicht ein, warum der Konzern Wasser aus dem Boden pumpen, in Flaschen abfüllen und damit Profit machen darf.

Auch in Europa regt sich Widerstand. Im französischen Städtchen Vittel protestierten im Juli rund 200 Anwohner, Landwirte und Grüne mit Parolen wie: «Nestlé plündert und trocknet uns aus» oder: «Wasser ist Gemeingut – Nestlé muss es uns lassen». Grund für den Aufruhr: Der Grundwasserspiegel sinkt dort jährlich um 30 Zentimeter, während Nestlé täglich mehr als zwei Millionen Flaschen Vittel-Mineralwasser abfüllt.

Nestlé verteidigt sich damit, dass einige seiner Wassermarken mehr als hundert Jahre alt seien. Es sei auch im Interesse der Firma, die Wasserressourcen für die Zukunft zu erhalten. Zudem arbeite sie mit Bewohnern und Nichtregierungsorganisationen zusammen.

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