Landwirte kritisieren die Migros

Die Bauerngewerkschaft Uniterre kritisiert die Migros, weil diese den Milchpreis um 2,5 Rappen senken wolle. Dazu gebe es keinen Anlass, denn der Milchmarkt laufe gut.

Nach der Ankündigung einer Milchpreissenkung durch die Migros und Emmi, protestieren Bauern auf dem Migros-Parkplatz des Shoppyland in Schönbühl.

Nach der Ankündigung einer Milchpreissenkung durch die Migros und Emmi, protestieren Bauern auf dem Migros-Parkplatz des Shoppyland in Schönbühl.

(Bild: Raphael Moser)

Es war nur ein kleines Häufchen Bauern, das sich am Dienstagmorgen vor der Betriebszentrale der Migros-Aare in Schönbühl einfand. Das lag nicht am Thema der Protestaktion, sondern daran, dass die Landwirte im Sommer alle Hände voll zu tun haben und nicht einfach an Aktionen teilnehmen können, wie Berthe Darras von Uniterre gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Milchbauer Werner Locher forderte von der Migros eine faire Partnerschaft. Stattdessen ruiniere der Grossverteiler die Milchbauern. «Migros verteilt an jedem Schwingfest gratis Käppchen mit der Aufschrift Heimatliebe. Doch der Grossverteiler ruiniert die Bauern, die die Landschaft und Kultur dieser Heimat pflegen», sagte Locher.

Ruedi Andres vom Bernisch-bäuerlichen Komitee rechnete vor, dass die von der Migros-Milchverarbeiterin ELSA angekündigte Senkung für ihn ein Minus von rund 10'000 Franken pro Jahr ausmache. Er hoffe, dass die Migros ihren Entscheid überdenke, denn viele Milchbauern trügen sich mit dem Gedanken, die Milchproduktion aufzugeben. Mit der Migros sende ein grosser Player im Markt ein ganz falsches Signal aus, kritisierte Rudi Berli von Uniterre. Die Produktion eines Liters Milch koste die Bauern rund einen Franken. Der Richtpreis liege bei rund 68 Rappen.

Grüner Teppich

Ab Anfang September kommt in der Schweiz der sogenannte Grüne Teppich zum Tragen, ein Milch-Nachhaltigkeitsprogramm, das den Produzenten einen Zuschlag von drei Rappen pro Liter bringt. Der Richtpreis steigt damit von 68 auf 71 Rappen. Die Migros beteiligt sich gemäss Berli nicht daran, da sie bereits ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm hat.

Mit ihren angekündigten Massnahmen mache die Migros den Nachhaltigkeits-Zustupf von drei Rappen gleich wieder zunichte. «Wenn der Druck auf die Milcherzeuger, auf Preise und Produktionsanforderungen weiterhin so stark erhöht wird, können wir uns bald von unserer Schweizer Milchproduktion verabschieden», befürchtet Berli. Er erinnerte daran, dass es vor 20 Jahren noch über 44'000 Milcherzeuger gab, heute noch etwas mehr als 19'000, ein Rückgang um mehr als 50 Prozent.

Immer noch überdurchschnittlich

Die Migros bezahle immer noch einen überdurchschnittlichen Milchpreis, konterte der Migros-Genossenschaftsbund gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA die Kritik. Im Rahmen des Programms «Nachhaltige Milch Migros» sei ein neues Preissystem eingeführt worden. Es basiere auf drei Elementen: einem Basispreis, einem Nachhaltigkeitszuschlag und einem Nachhaltigkeitsbonus. Den Basispreis passt die Migros nach eigenen Angaben periodisch an. Der durchschnittlich ausbezahlte Milchpreis ändere sich aufgrund der Marktlage. Damit könne sich auch der Basispreis verändern. Der Nachhaltigkeitszuschlag von drei Rappen bleibt laut Migros unverändert und wird zum Basispreis hinzugerechnet.

Bauern, die sich besonders engagieren und zusätzliche Punkte in den freiwilligen Modulen erzielen, erhalten einen Bonus von bis tausend Franken pro Betrieb und Jahr. Der Migros-Genossenschaftsbund führt ins Feld, dass seit Februar die ausbezahlten Milchpreise in der Branche kontinuierlich sinken. Darum habe ELSA den Basispreis um 2,5 Rappen auf 62,5 Rappen gesenkt. Zusammen mit den drei Rappen Nachhaltigkeitszuschlag betrage der ausbezahlte Preis 65,5 Rappen. «Dies ist nach wie vor deutlich höher als der durchschnittlich in der Branche ausbezahlte Milchpreis», heisst es in der schriftlichen Stellungnahme.

Das Unternehmen habe «sehr lange zugewartet» bis es sich zur aktuellen Preissenkung entschlossen habe. Der Grossverteiler weist ausserdem darauf hin, dass die Migros ihren Lieferanten langfristige Verträge biete und ihnen so zu Planungssicherheit verhelfe. Solche Protestaktionen trügen allerdings nicht zur Problemlösung bei. Trotzdem: Die Migros empfing die Teilnehmer der Protestaktion mit einer kleinen Charmeoffensive in Form von Kaffee und Mineralwasser.

mon/sda

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