Kühle Gefühle

Fussballgott «Grädel» weiss nun, dass kaltes Bier nicht wärmt.

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Es ist doch einfach zum Davonlaufen. Jetzt schlagen die da schon den x-ten Pass irgendwie hoch und weit ins Juhe und haben offenbar immer noch das Gefühl, gegen so einen besseren Dorfclub aus dem Oberland reiche das, um an Punkte zu kommen. Ausserdem ist es kalt und es zieht und Grädel sah es schon vor einer Stunde kommen: Das wird heute nichts. Sich wieder mal an ein Auswärtsspiel mitschleppen lassen, war – wie er nun da sass und vor sich hin fror – keine wirklich gute Idee, und den wohlgemeinten Ratschlag seiner Frau mit den langen Unterhosen hätte er für einmal besser nicht ignoriert. Ausserdem hat Grädel soeben im Selbstversuch herausgefunden: Kaltes Bier wärmt nicht.

Jetzt sitzt er also da im Autobahnausfahrtenland in einem dieser zweckmässigen peripheren Fussballstadien und studiert an einer Exit-Strategie rum. Einfach weglaufen? Vor ein paar Tagen erst hatte er von YB einen hübschen Geschenkkarton erhalten, darin ein Einzahlungsschein, eine grosse gelb-schwarze Fahne und die Aufforderung, seinen Treueschwur zu erneuern. Angesichts des Präsents stellte sich Grädel auch keine weiteren Fragen zum Claim der Kampagne. Hätte er aber vielleicht doch sollen. YBelieve, oder wie sich der Engländer angesichts dieser Wortkonstruktion fragen würde: Why Believe?

***

Man kann sich zwar innerlich bereits jetzt von allen guten Hoffnungen verabschieden, sitzt dann aber trotzdem noch immer in dieser Saukälte. Man könnte auch einfach ins Auto steigen und den Canepa machen. Aber irgendwo scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, das man das nicht tut. Als Fussballfan lässt man geduldig jede Schmach über sich ergehen und bleibt bis zum bitteren Schlusspfiff. Könnte Grädel sich überhaupt noch von selbst erheben oder ist er vielleicht bereits in dieser Plastikschale festgefroren wie eine tiefgefrorene Lammkeule in der Weihnachtsaktion?

Why Believe? Es sind immer noch vier Punkte, redet sich Grädel Mut zu, obwohl an diesem Sonntagnachmittag geschätzte vier Siebtel seiner Hoffnungen die Aare runtergegangen sind. Jetzt kann er nur noch hoffen, dass er die schwere Lungenentzündung bis am Donnerstag wieder auskurieren kann. Dann ist nämlich noch der Europacup-Kracher gegen Skënderbeu, eine wunderbar hoffnungslose Angelegenheit. Das Billett hat er schon im Sommer gekauft, ergo muss er gehen. Aber den Tipp mit den langen Unterhosen, den will er diesmal nicht in den Wind schlagen. (Der Bund)

Erstellt: 07.12.2017, 06:46 Uhr

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