Zum Hauptinhalt springen

Klug, konservativ, empfindlich

Der neue NZZ-Chef gilt als brillanter Analytiker des Zeitgeschehens. Im Auftritt wirkt er sehr reserviert.

Eric Gujer ist seit fast 30 Jahren für die «Neue Zürcher Zeitung» tätig. Der Name des neuen Chefredaktors des Traditionsblatts ist noch wenigen geläufig, obwohl ihm nachgesagt wird, einer der einflussreichsten Schweizer Journalisten zu sein. Die «Basler Zeitung» erhob ihn einst gar in den Kreis der wichtigsten ­Intellektuellen des Landes.

1962 in Zürich geboren, machte Gujer nach der Matur ein Volontariat bei der Tageszeitung «Mannheimer Morgen», studierte an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Köln Geschichte, Politikwissenschaft und Slawistik. 1986 begann er als Praktikant und freier Mitarbeiter bei der NZZ, bevor er DDR-Korres­pondent in Berlin wurde. Es folgten Stationen in Zürich, Moskau und erneut Berlin. Seit 2008 arbeitet er fest in Zürich, seit 2013 verantwortet er das Ausland­ressort. Gujer geniesst den Ruf eines ausgezeichneten Kenners der EU, Deutschlands, Osteuropas und des Nahen Ostens. Als Experte und Buchautor hat er sich zu ­internationalen Strategiefragen und ­Terrorismus einen Namen gemacht.

Gute Kontakte zu deutschen Spitzenpolitikern

Weggefährten erzählen von einem zuverlässigen und stets gut vorbereiteten Journalisten. Gujer gilt als kluger Schreiber, der seine Meinung laut einem langjährigen Redaktor «konsistent und konsequent» äussert. Eine weitere Qualität sei seine Vernetzung. Gujer pflegt gute Kontakte zu deutschen Spitzenpolitikern.

Inhaltliche Schwächen orten seine Kollegen bei der Innenpolitik. Aussenpolitisch ist Gujer konservativ. Treu gegenüber Israel, den USA und der Nato. Seine Leistungen im Auslandsressort verschaffen ihm Anerkennung auf der ganzen Redaktion und tragen zum inter­nationalen Profil der NZZ bei.

Gujer ist profunder Kenner der Nachrichtendienste. Aus Berlin hat er Positionen des deutschen Geheimdiensts vertreten. Und in der Schweiz ist er auf der Linie des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB). Gerät dieser in die Kritik, schreibt Gujer auffallend oft Artikel, in denen das Verhalten des NDB mit In­siderinfos verteidigt wird. Gujer fordert stets mehr Überwachungsmöglichkeiten. Christian Lüscher

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch