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Klagen wegen zu tiefer Werksangaben sind chancenlos

Wenn der Benzinverbrauch höher ist als angegeben, gibt es keinen Rechtsanspruch. In Deutschland schon.

Jeder interessierte Autofahrer weiss, dass die Herstellerangaben zum Verbrauch von Treibstoff oft unrealistisch sind. Der «Tages-Anzeiger» berichtete kürzlich über die Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT). Der Befund lautete: «Während die durchschnittliche Abweichung zwischen Test- und Realwerten im Jahr 2001 noch bei rund 8 Prozent lag, stieg sie bis 2013 auf knapp 38 Prozent an.»

Diese Diskrepanz zwischen Laborwerten und Alltagserfahrung nehmen nicht alle Autobesitzer hin. Ein TA-Leser kaufte nach intensiven Abklärungen Ende 2013 den Ford Fiesta 1.0 EcoB 100 Titanium. Dieses Modell erfüllte seine Anforderungen: ein Kleinwagen mit möglichst guter Energieeffizienz, guten CO2-Werten und einem Durchschnittsverbrauch von höchstens 5 Liter auf 100 Kilometern. Gemäss Werksangabe beträgt der Verbrauch 5,3 Liter (Stadt), 3,7 Liter (Land) und 4,3 Liter (Mix). «Die nach der Einfahrzeit gemessenen effektiven Werte lagen dann 25 Prozent höher, was mich nach erfolglosen Neueinstellungen bei der sehr bemühten Ford-Garage zu einer Mängelrüge veranlasste», berichtet der Leser.

Kein Rechtsanspruch

Ende Oktober 2014 meldete seine Garage die Mängel an die Ford Motor Company (Switzerland) in Wallisellen. Da sich Ford nicht meldete, hakte der Leser einen Monat später mit einem eingeschriebenen Brief nach. Darauf stellte das Ford-Kundenzentrum eine sorgfältige Prüfung in Aussicht. Am 19. Februar kam schliesslich die freundliche, aber unverbindliche Antwort: «Der tatsächliche Kraftstoffverbrauch eines Automobils ist von zahlreichen Einflüssen, wie beispielsweise den Witterungs- und Verkehrsverhältnissen, dem Strassen- und Fahrbahnzustand, und nicht zuletzt von der individuellen Fahrweise abhängig.» All diese Faktoren könnten dazu führen, so Ford, dass der tatsächliche Kraftverbrauch über den Prospektwerten liegt, ohne dass dies einen Fehler am Fahrzeug darstelle. Der Leser fühlte sich vom Standardbrief abgespeist und war enttäuscht. Doch viel mehr kann er nicht machen. Seine Rechtsschutzversicherung schrieb ihm: «Wir können Ihren Ärger verstehen. Sie können jedoch keinen Rechtsanspruch gegenüber Ford geltend machen. Es besteht kein Rechtsanspruch Ihrerseits aufgrund des nicht erreichten Verbrauchs.»

Anders in Deutschland. Das westfälische Oberlandesgericht Hamm hat gemäss Autorechtaktuell.de 2013 ein wegweisendes Berufungsurteil gefällt: Verbraucht ein Neuwagen deutlich mehr Benzin, als die Herstellerangaben im Verkaufsprospekt versprechen, kann der Kunde vom Kaufvertrag zurücktreten. Gemäss dem grössten bundesdeutschen Oberlandgericht liege ein erheblicher Sachmangel vor, wenn die Erheblichkeitsgrenze von 10 Prozent Mehrverbrauch überschritten werde. Allerdings musste der Käufer die Abweichung zuerst mit einem sicherlich nicht billigen Sachverständigengutachten nachweisen. Doch selbst unter den gleichen Laborbedingungen wie beim Hersteller lag der Benzinverbrauch des Fahrzeugs anstatt der im Prospekt versprochenen 7,7 Liter pro 100 Kilometer bei 8,6 Liter. (Michael Soukup)

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