Jetzt folgt die Nagelprobe

Um den Sicherheitsdeal mit der Reitschule beurteilen zu können, muss sich dieser erst praktisch bewähren.

In und um die Reitschule ist kulturell viel los – diese Kräfte gilt es zu stärken.

In und um die Reitschule ist kulturell viel los – diese Kräfte gilt es zu stärken. Bild: Thomas Reufer

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Im langen Ringen um mehr Sicherheit vor der Berner Reitschule ist der neue Leistungsvertrag zwischen der Stadt Bern und der Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (Ikur) ein Durchbruch. Erstmals erklärt sich die Reitschule vertraglich bereit, gewalttätigen Auseinandersetzungen in ihrem Umkreis entgegentreten zu wollen. Und die Stadt erhält ein brauchbares Instrument, um zu strafen, falls der Vertrag verletzt wird. Damit werden all jene ausser- und innerhalb der Reitschule gestützt, die den wichtigsten Jugend- und Szenetreff der Stadt Bern primär als vielfältigen Kultur- und Ausgehbetrieb stärken wollen.

Zu verdanken ist dies neuen Kräften und neuen Einsichten in der Ikur, die bereit sind, für einen einzigartigen und professionell geführten Betrieb mehr Verantwortung zu übernehmen. Auch dürfte der sozialdemokratische Stadtpräsident Alexander Tschäppät zur Entkrampfung beigetragen haben, nachdem er das Dossier vom bürgerlichen Polizeidirektor Reto Nause (CVP) übernommen hatte. Allerdings wird Tschäppät auch geradestehen müssen, wenn sich der Sicherheitsparagraf als toter Buchstabe entpuppen sollte. Tschäppät wird zeigen müssen, ob er bereit ist, die Notbremse zu ziehen, wenn die Reitschule die Probleme mit der Polizei doch nicht lösen will.

Wie viel das neue Instrument also wert ist, kann erst beurteilt werden, wenn sich gezeigt hat, wie es sich praktisch bewährt. Denn es sind nicht die Köche des Sous le Pont, die Bar­keeper im Rössli, die Filmvorführer im Kino oder die Partymacher im Dachstock, die die Polizei mit Steinen bewerfen; es sind zum grossen Teil auch nicht deren Besucherinnen und Besucher, die sich nach Scharmützeln im Innenhof verstecken. Die kleine Gruppe, die für Lärm und Unruhe sorgt, gehört nicht zum Kulturbetrieb, sondern profitiert von dessen offenem, integrativem Charakter. Diese Gruppe ist nicht einfach verschwunden. Meint es die Ikur ernst, heisst das für sie auch: die Hemmungen gegenüber der Polizei ablegen und nötigenfalls mit dem Finger auf jene zeigen, die sich um neue Vereinbarungen einen Dreck scheren. (Der Bund)

Erstellt: 17.12.2015, 18:42 Uhr

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