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In Zug und Genf hält sich die Begeisterung in engen Grenzen

In Zug sind bloss die Alternativen begeistert. Schliesslich verdankt die frühere Sozialistisch Grüne Alternative Zug ­ihren spektakulären Aufstieg von einer 3-Prozent-Partei im Jahre 1982 zu einer Partei mit 20 Prozent Wahlanteil wesentlich ihrer Kritik am Zuger Rohstoffhandelsplatz. «Eine Aufsicht und Regulierung zwingt die Rohstofffirmen, mit offenen Karten zu spielen. Dies macht den fairen Handel möglich und wirkt dem Reputationsrisiko entgegen, welchem der Kanton Zug ausgesetzt ist», so die Co-Präsidentin der Alternativen, ­Jolanda Spiess-Hegglin.

Ansonsten sind die Reihen zwischen Wirtschaft und Politik im Widerstand gegen eine Rohstoffmarktaufsicht (Rohma) geschlossen. Martin Fasser, Präsident des Rohstoffhandelsverbands Zug Commodity Association (ZCA), gibt sich gelassen: «Wir würden kein überwältigendes Problem mit einer Rohma haben, denn wir haben nichts zu verbergen.» Wenn schon aber die Korruption in der Rohstoffbranche bekämpft werden solle, so Fasser, dann vor Ort in den Förder­län­dern: «In der Schweiz ist die Korruptionsbekämpfung zur Genüge abge­deckt.» Für die ZCA ist jedenfalls klar, dass man sich bei einer allfälligen Vernehmlassung gegen die Schaffung ­einer Rohma aussprechen würde.

Ungewöhnlich scharf fällt die Reaktion von GlencoreXstrata, dem Platzhirsch auf dem Zuger Rohstoffhandelsplatz, aus: «Glencore lehnt das Vorgehen der Erklärung von Bern ab. Ohne eine faire und angemessene Debatte mit allen Anspruchsgruppen führen zu können, wird versucht, die Schweizer Rohstoff­industrie unter Druck zu setzen.»

Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor, Matthias Michel (FDP), fühlt sich vom Vorschlag nicht direkt angesprochen, da der Bund für die Schaffung der Rohma zuständig wäre. «Es gilt aber festzuhalten, dass wir – wie die Bundesbehörden auch – uns nur für Massnahmen ausgesprochen haben, welche im Rahmen der internationalen Staatengemeinschaft aufgesetzt werden.» Damit ist auch gesagt, dass die Zuger Regierung wenig von einer Rohma hält, denn diese wäre weltweit einzigartig.

Das Genfer Pendant zur Zuger ZCA, die Geneva Trading and Shipping Association (GTSA), wählt wenig diplomatische Worte: «Der Vorschlag der Erklärung von Bern basiert auf Unkenntnis und Verkennung der bereits existierenden und weitreichenden Regulierung des Rohstoffsektors.» Dieser Sektor habe sich stark weiterentwickelt und sei heute transparenter. Und ausserdem sollten sich allfällige Anstrengungen vielmehr darauf richten, den rohstoffreichen Ländern Hilfestellung zur «guten Regierungsführung» zu geben, als in der Schweiz eine neue Behörde zu schaffen.Michael Soukup und Philipp Reichen

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