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In Dortmund geht die Angst um

Fünf Spiele schon ist Borussia Dortmund ohne Sieg. Die Mannschaft präsentiere sich wie ein Absteiger, schreibt die wichtigste Zeitung der Region.

Gesenkten Hauptes in die Krise: Beim BVB ist der Wurm drin.
Gesenkten Hauptes in die Krise: Beim BVB ist der Wurm drin.
Reuters

Vor etwas mehr als eineinhalb Monaten verbreitete Borussia Dortmund noch Begeisterung. Mit 19 Punkten aus sieben Spielen führte der BVB die Tabelle mit fünf Zählern Vorsprung auf den FC Bayern an, das Ende der Münchner Dominanz in der Meisterschaft schien möglich. Dann aber folgte der Einbruch, aus dem komfortabel scheinenden Polster wurde ein Rückstand von neun Punkten. Nach dem jüngsten 1:2 in Stuttgart sagte Trainer Peter Bosz, es sei fast schon lächerlich, wie seine Mannschaft Tore kassiere.

Bosz dürfte allerdings auch wissen, dass der Coach bei einer sportlichen Krise in aller Regel das schwächste Glied in der Kette ist. Die «Bild»-Zeitung hat den Niederländer bereits angezählt – mit der Frage, ob er nur noch bis Weihnachten Zeit haben werde, die Borussia wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Tatsächlich droht schon bald der Sturz ins Mittelfeld. Nur drei Punkte liegen noch zwischen den Dortmundern und dem neuntplatzierten Bayer Leverkusen. Zudem sieht es in der Champions League nach den beiden blamablen Unentschieden gegen APOEL Nikosia, den derzeitigen Fünften der Liga Zyperns, ganz finster aus.

In den Augen der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ) ist Dortmund gut beraten, den Blick nach unten zu richten und die Gefahr nicht zu unterschätzen. «Nur ein Punkt aus fünf Partien: Das ist die Bilanz eines Absteigers. Noch zehrt der BVB von seinem rauschhaften Saisonstart – aber wie lange noch?», heisst es in der WAZ-Analyse. Am kommenden Wochenende steht ausgerechnet das Ruhrpott-Derby gegen Schalke 04 an. Selten ging die Borussia in den letzten Jahren mit so wenig Selbstvertrauen in diesen Fussballklassiker.

Goalie Roman Bürki, mit einem Notenschnitt von 2,77 in der Statistik des Fachmagazins «Kicker» trotz seiner jüngsten Patzer einer der vier besten BVB-Profis, hatte mangelndes Selbstvertrauen schon vor dem Stuttgart-Spiel als Hauptgrund für die Probleme ausgemacht. Der Schweizer Nationalkeeper: «Im Moment ist es so, dass wir häufig noch einmal zurückschauen auf den Spieler hinter uns – ob er seine Position hat. Wenn wir das tun, sind wir aber schon zwei Sekunden zu spät und laufen hinterher. Leider gilt das dann für das ganze System, das eben nicht mehr aufgeht. Die Verteidiger leiden darunter, weil sie trotzdem nachrücken müssen, auch wenn sie zu spät sind. Sonst reisst das ein Riesenloch in unsere Mannschaft.»

Für weitere Unruhe sorgt die Personalie Pierre-Emerick Aubameyang. Der Torschützenkönig der letzten Saison, der in dieser Spielzeit schon zehnmal traf, fehlte in Stuttgart aus «disziplinarischen Gründen». Und damit soll nicht nur sein verspätetes Erscheinen zum Training am Donnerstag gemeint sein. Nach «Bild»-Informationen war es bereits seine dritte Verfehlung innert Wochenfrist. Überdies drehte er am Mittwoch zwei Stunden lang für ein Werbevideo mit dem französischen Freestyle-Fussballer Séan Garnier auf dem Clubgelände – ohne die Einwilligung der BVB-Spitze eingeholt zu haben. Aubameyangs Rückhalt in der Mannschaft werde immer schwächer, glaubt die «Welt».

Der Torjäger ist in Sachen Disziplinlosigkeit schliesslich ein Wiederholungstäter. Vor einem Jahr hatte ihn der damalige Trainer Thomas Tuchel vor dem Champions-League-Gruppenspiel gegen Sporting Lissabon aus dem Kader geworfen. Weil er trotz eines offiziellen Verbots zum Shopping nach Mailand gereist war. Am Dienstag ist wieder Champions League: Tottenham gastiert in Dortmund, und Aubameyang wird aller Voraussicht nach spielen. Der BVB braucht ihn dringender denn je, Disziplinlosigkeiten hin oder her.

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