Gewünscht sind eigene Fahrbahnen für Bus und Tram

Im «Stadtgespräch» fordern Leser kürzere Wege im öffentlichen Verkehr, einen grösseren Bahnhof für Ostermundigen und ein «vollständiges Verkehrsmoratorium».

Der Bahnhof Wankdorf ist einer von zwei Mobilitätshubs, wo in Zukunft vermehrt von der Bahn auf den Nahverkehr gewechselt werden soll.

Der Bahnhof Wankdorf ist einer von zwei Mobilitätshubs, wo in Zukunft vermehrt von der Bahn auf den Nahverkehr gewechselt werden soll.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Die Stadt Bern will die Bahnhöfe im Wankdorf und in Ausserholligen ausbauen (lesen Sie hier, wie weit die Planung fortgeschritten ist). Künftig könnten auch Interregios und Regioexpress-Züge an den beiden Bahnhöfen halten. Damit sollen das Stadtzentrum und insbesondere der Hauptbahnhof von wachsenden Pendlerströmen entlastet werden.

Die Pläne der Stadt entsprechen dem Wunsch von Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) nach sogenannten Mobilitätshubs: dezentrale Bahnhöfe, die mit attraktiven Umsteigemöglichkeiten als Drehscheiben für den öffentlichen Verkehr dienen.

«Umsteigen geht im Wankdorf viel einfacher»

Im «Stadtgespräch» diskutieren Leserinnen und Leser über ihre persönlichen Erfahrungen aus dem Pendleralltag und die Chancen von Mobilitätshubs im Wankdorf und in Ausserholligen. Viele begrüssen die Pläne. Mirjam Zingg-Kurzen aus Konolfingen beispielsweise benützt den Bahnhof Wankdorf bereits heute zum Umsteigen. Das gehe dort viel einfacher und schneller als am Hauptbahnhof.

«Bund»-Leser und SP-Grossrat David Stampfli schreibt in seinem Beitrag, dass es mit dem Ausbau der Bahnhöfe allein nicht gemacht sei. Es brauche zusätzlich auch eine bessere Verknüpfung der unterschiedlichen Transportmittel. Ausbaumöglichkeiten sieht er beim 11er-Bus: «Eine direkte Anbindung der Linie 11 an den Bahnhof in Ausserholligen würde die ÖV-Erschliessung des Inselspitals, des grössten Arbeitgebers des Kantons Bern, erheblich verbessern.» Heute verkehrt der Bus nur bis zur Haltestelle Holligen.

Eine Durchmesserlinie für Bern?

Philipp Fahrni aus Muri wünscht sich zur Entlastung des Hauptbahnhofs eine Durchmesserlinie. Dadurch würden gewisse Züge nur noch an den beiden Mobilitätshubs im Wankdorf und in Ausserholligen halten. Zusätzlich zum Bahnhof Bern hätten die Pendler so zwei alternative Zusteigemöglichkeiten.

Gar einen dritten Hub, in Ostermundigen, will Andi Kronawitter. Und zwar mit einem «vergleichbaren Angebot an Geschäften, Restaurants und Dienstleistungen wie im Hauptbahnhof», da dieser sonst kaum entlastet werde.

Grosses Potenzial sehen die «Bund»-Leserinnen und -Leser in der Entflechtung der Pendlerströme in der Innenstadt. Florian Wissmann wohnt seit mehr als 15 Jahren in Ostermundigen und pendelt täglich mit dem Bus nach Köniz und zurück. Ihn «nervt», dass er jeden Tag mit dem Bus im selben Stau steht wie die Autofahrer, welche «die Strassen verstopfen und allein in einem Auto sitzen». Seine Lösung: separate Fahrbahnen für Bus und Tram. In Bern sei das aber kaum realisierbar: Rot-Grün kämpfe um jeden Baum und Mitte-rechts um jeden Parkplatz, da habe es für nichts anderes mehr Platz.

«Bedrohlicher» Bahnhof in Ausserholligen

Annalena Moser pendelt aus der Region Thun an ihren Arbeitsplatz im Inselspital. Mit dem öffentlichen Verkehr verbindet sie schlechte Erfahrungen, sie bevorzugt ihr Auto. «Damit bin ich 30 Minuten schneller und trotz unregelmässiger Schichtarbeit flexibel.» Den Bahnhof in Ausserholligen, einen der beiden geplanten Mobilitätshubs, findet sie «eine Katastrophe». Dieser sei «dunkel, bedrohlich und nicht wirklich einladend, wenn man in der Nacht nach Hause muss».

Auf die grösste Ablehnung stossen die geplanten Hubs bei Rolf Helbling. Er stört sich aus ökologischen Gründen an deren Ausbau: Das heutige «Massenpendeln» ist für ihn ein Problem, das nicht nur geregelt, sondern «massiv reduziert» werden muss. «Persönlich wäre ich deshalb für ein vollständiges Verkehrsmoratorium.» Er selbst habe deshalb vor 20 Jahren seinen Wohnort nach Bern verlegt und entschieden, keinen Job mehr anzunehmen, der nicht mit dem Velo erreichbar sei.

Welche Erfahrungen machen Sie als Pendler? Wie pendeln Sie in die Stadt? Was stört Sie? Und was würden Sie verbessern? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»:

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