Zum Hauptinhalt springen

Die neue Schweiz

Panama und karibische Inseln sind nicht die einzigen Steueroasen in der Neuen Welt: Auch die USA sind gross im Geschäft.

Das sei «wichtiges Material», reagierte US-Präsident Obama am Dienstag vor Journalisten auf die Enthüllungen der Panama Papers. Globale Steuerhinterziehung bezeichnete Obama als ein «riesiges Problem». Nur drei Tage zuvor aber hatte der Präsident in seiner wöchentlichen Radioansprache den Kongress aufgefordert, endlich mehrere bereits unterzeichnete Handelsabkommen zu ratifizieren, darunter eines mit Panama, das die panamaischen Offshore-Praktiken nicht weiter bemängelt und die Steueroase am Kanal wie jedes andere Land behandelt.

Noch schlimmer: Die USA sind eines von nur vier Ländern, das die Richtlinien der OECD über den Austausch finanzieller Informationen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung nicht unterzeichnet hat. Zwar verschafft sich Washington durch das 2010 erlassene FATCA-Gesetz Informationen über Auslandskonten von US-Bürgern und hat Schweizer Banken sogar unter Anklage gestellt, in die USA transferierte Gelder von Ausländern bleiben hingegen weitgehend unbeobachtet. Die USA seien «die bevorzugte neue Steueroase», befand der Wirtschaftsdienst «Bloomberg» im Januar.

«Die Schweiz ist so letztes Jahrhundert»: Das Cover der «Bloomberg Businessweek» vom Februar 2016.
«Die Schweiz ist so letztes Jahrhundert»: Das Cover der «Bloomberg Businessweek» vom Februar 2016.

Finanzinstitute und Wealth-Management-Spezialisten rund um den Globus transferieren die Vermögen ihrer Kunden bevorzugt auf Konten in South Dakota, Nevada und Delaware, ohne die heimischen Steuerbehörden darüber aufzuklären. Die US-Steuerbehörde IRS möchte mehr Informationen, doch scheiterte der Ruf nach grösserer Transparenz bislang am Einspruch der US-Bankenindustrie und im Kongress. Schon 2011 hatte der Abgeordnete Paul Ryan, jetzt als Sprecher des Washingtoner Repräsentantenhauses mächtigster Republikaner in der Hauptstadt, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «American Business» erklärt, Steuerhinterziehung und Offshore-Konten liessen sich am besten bekämpfen, wenn die USA eine Steueroase «für andere Länder» seien, «anstatt dass andere Länder Steueroasen für Amerika sind».

Blinder Fleck USA

«Bloomberg» berichtet, dass reiche Kunden inzwischen Gelder aus der Schweiz, aus Bermuda und anderen Oasen abziehen und auf US-Konten bunkern. Hatte die OECD schon vor den neuen Enthüllungen Kritik an Panama geübt und das Land im Februar sogar von der Liste von Nationen genommen, die sich zum Austausch von Informationen verpflichtet haben, so schweigt die Organisation, wenn es um ihren grössten Geldgeber geht, nämlich die USA.

Nach dem Bekanntwerden der Panama Papers erklärte OECD-Generalsekretär Angel Gurría am Montag, die Steueroase am Kanal sei der «letzte grössere Verweigerer, der es erlaubt, Offshore-Gelder vor Polizei- und Steuerbehörden zu verstecken». Der 2007 von der Regierung George W. Bushs ausgehandelte, jedoch bisher nicht vom Kongress ratifizierte Handelsvertrag mit Panama würde diese Praktiken kaum antasten. Die OECD wiederum scheut sich, von Washington die Unterzeichnung von Richtlinien zum Informationsaustausch zu verlangen, die von 97 Nationen akzeptiert worden sind. Obschon die USA inzwischen von einigen Finanzberatern als «die neue Schweiz« bezeichnet würden, so das Branchenmagazin «Bloomberg Businessweek».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch