«Der Theaterleiter stürzte erschrocken auf die Bühne»

Sie stellt sich den kniffligen Fragen: Die Berner Kabarettistin Esther Hasler. In ihrem Solo-Programm geht es um schwarze Löcher. (ab 26. November)

«Mein Wasserglas wurde im hohen Bogen durch die Luft katapultiert», erzählt Esther Hasler.

«Mein Wasserglas wurde im hohen Bogen durch die Luft katapultiert», erzählt Esther Hasler.

(Bild: zvg)

Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Wer war der Held Ihrer Kindheit?
Mein erster Held war ein Plüschaffe. Affe Judy konnte alles. Mein zweiter Held war ein Cowboy. Im Nachbarsgarten spielten wir stundenlang Wild West. Bis der Cowboy unter uns tatsächlich in den Wilden Westen auswanderte. Unschlagbar jedoch waren zwei Heldinnen: meine Grossmütter. Beide grundverschieden, voller Tatkraft, zwei grossartige Frauen.

An was glauben Sie?
An die ewige Weiterentwicklung, an das ewige Weiterlernen und Wachsen. Meine erste Tanzlehrerin, Hedd Perll Zaugg, rutschte mit 80 noch spielend in den Spagat und nahm im hohen Alter Klavierstunden, weil das schon lange ihr Traum war. Träume haben eine unglaubliche Kraft.

An was glauben Sie nicht?
Ich glaube nicht, dass sich Menschlichkeit durch Technik ersetzen lässt.

Was hängt bei Ihnen über dem Bett?
Da ist zuerst mal Luft. Dann kommt irgendwann die Zimmerdecke, darüber das Dach und darüber der Sternenhimmel.

Wofür sparen Sie?
Ich habe lange für einen Flügel gespart. Jetzt ist er da, mein wunderschöner Bechstein. Nun spare ich für ein solarbetriebenes Raumschiff, das mich in Lichtgeschwindigkeit an die nächsten Auftrittsorte bringt.

Wann haben Sie sich das letzte Mal so richtig wild gefühlt?
An der Premiere meines Soloprogramms «Lichtjahre», als ich den Affen spielte, der über die Abstammung der Menschheit und seine Artgenossen, die in der Raumfahrt Karriere gemacht haben, philosophiert. Plötzlich war ich in jeder Phase der Affe. Unvergleichlich diese Momente auf der Bühne, wenn man voll und ganz zu den eigenen Kunstfiguren mutiert.

Was ist Ihnen näher: das Leichte oder das Schwere?
Beides. Ohne Leicht kein Schwer. Ohne Schwer wird das Leichte oberflächlich.

Wo zwickt es derzeit am meisten?
In den Händen – die spielen lieber Klavier als auf der Computertastatur.

Was war der schönste Ort, den Sie besucht haben?
Es gibt für mich verschiedene schönste Orte: die 5. Street im East Village New York, wo ich ein halbes Jahr lebte. Unser Alphüttli mit der einfachen Feuerstelle, ohne Strom, mit Wasser vom Brunnen, im Berner Oberland. Hier lässt es sich wunderbar auftanken. Ich brauche die Vielfalt und liebe Gegensätze.

Was ist das Lustigste, was Ihnen je auf der Bühne passiert ist?
Ein Beistelltisch, der während einer Show zusammenkrachte: Mein Wasserglas, das ich soeben darauf abgestellt hatte, wurde im hohen Bogen durch die Luft katapultiert und landete hinter mir auf dem Boden. Der Theaterleiter stürzte erschrocken auf die Bühne und war mit Bodenwischen beschäftigt, während ich das Ganze on Stage irgendwie überbrückte.

Was bringt Sie dazu, einen Raum zu verlassen?
Eine Horde grölend randalierender Fussballfans im Zug – da wechsle ich den Wagen.

Was wissen nur die wenigsten Menschen über Sie?
Alles, was sie nie in einer Zeitung lesen werden.

Wie sieht es aus, wenn Sie tanzen?
Keine Ahnung! Ich tanze doch nicht vor dem Spiegel.

Wofür möchten Sie Werbung machen?
Für alle kleinen und grossen Theater, z.B. die preisgekrönte La Cappella oder die Kulturfabrik Bigla. Peter Leu hat in Biglen ein einmaliges Veranstaltungs- lokal geschaffen. Unbedingt hingehn!

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