Der teure Standort ist kein Selbstläufer

Die Post habe im Postparc beim Bahnhof Bern mit viel Laufkundschaft gerechnet, sagen die Mieter. Die hohen Erwartungen wurden jedoch nicht erfüllt. Mieter werfen der Post nun vor, sie unternehme zu wenig, um den Standort bekannt zu machen.

Der Postparc ist oft fast menschenleer.

Der Postparc ist oft fast menschenleer. Bild: zvg

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Mittagszeit in Bern. Auf den Bänken und Treppen rund um den Bahnhof sitzen zig Menschen und essen. Nur die Tische der Lokale im Postparc bleiben heute praktisch leer. In der Ramenbar Namamen direkt an der Schanzenstrasse sind drei, vier der vielen Tische besetzt. Obs am schönen Wetter liegt? Möglich, doch auch die Sitzplätze im etwas versteckten Innenhof des Postparcs sind nur spärlich belegt. Einzig die Terrasse der Pizzeria Vapiano ist gut besucht. Jene des benachbarten Restaurants Eifach Guet dagegen ist halb leer.

Das Eifach Guet hat erst vor einem Jahr eröffnet und steht nun bereits wieder zum Verkauf. Per Online-Inserat sucht der Besitzer Marcel Siegenthaler einen Käufer für das Restaurant. Läuft das Geschäft nicht gut? Liegt es am Standort? Oder am Konzept? Siegenthaler will sich dazu und zum Verkauf nicht äussern.

Probleme beim Nachbarn

Es ist nicht der erste Mieterwechsel im Postparc. Vor dem Eifach Guet war an derselben Stelle ein Ableger des Restaurants Pangäa eingemietet. Der Wirt Aydin Yildirin schloss die Filiale aber bereits nach gut einem Jahr wieder. Obwohl er damals den Rückzug im «Bund» damit begründete, er könne unmöglich an zwei Standorten arbeiten, kommt der Verdacht auf, dass es ein Problem gibt mit dem Standort Postparc.

Dass die Lokalität keine einfache ist, dafür gibt es verschiedene Indizien. Etwa dass auch in der benachbarten Welle 7 das Geschäft nicht wie gewünscht läuft. Die Besucherzahlen liegen dort unter den Erwartungen. Vor allem die etwas versteckteren Mieter in den hinteren Bereichen und im Untergeschoss bekunden Mühe. Sieben Mieter haben die Welle 7 seit der Eröffnung vor knapp zwei Jahren schon wieder verlassen.

Dabei hat die Migros Aare als Betreiberin der Welle 7 einiges in Werbung investiert. Anders die Post. Sie unternehme wenig bis nichts, um den Standort bekannt zu machen, sagt ein Mieter, der anonym bleiben möchte. Die Post habe mit hohen Fussgängerfrequenzen gerechnet. Pro Tag erreichen oder verlassen immerhin 50 000 Menschen den Bahnhof via die nahe gelegene Welle. Und im Gebäudekomplex ist die grösste Poststelle der Schweiz beheimatet. Bis heute seien die Erwartungen in Sachen Laufkundschaft aber nicht erfüllt worden, beklagt der Mieter.

«Ich hätte erwartet, dass das Gelände schneller belebt ist», sagt auch Carmine Marra, Gründer der Namamen-Kette. Dass nach so kurzer Zeit bereits ein Mieter wieder weg sei und ein zweiter weg wolle, sei kein gutes Zeichen. Der Post macht Marra aber keine Vorwürfe. Sie habe in der Zwischenzeit erkannt, dass der Standort am Rand der Innenstadt liegt und deshalb kein Selbstläufer sei. Deshalb habe die Post nun Marketing-Massnahmen ergriffen. Was der Konzern konkret geplant hat, weiss Marra nicht. Gleichzeitig verweist er auf das Westside, wo Namamen ebenfalls präsent ist. Dort habe die Migros werbetechnisch zum Start mit der viel grösseren Kelle angerührt.

Lokale bleiben unvermietet

Von der Vermieterin würde sich der anonyme Mieter erhoffen, dass sie besonders in Sachen Beschilderung die Situation verbessere. «Warum gibt es zum Beispiel an der Hauptstrasse keinen Hinweis darauf, dass hier hinten der Postparc ist?», fragt er. In seinen Augen geht das Verhalten der Post sogar so weit, dass sie nicht nur zu wenig unternehme, sondern sogar Initiativen und Vorschläge der Mieter abblocke oder verhindere. Er erzählt zwar von konkreten Vorfällen, möchte diese aber nicht in der Zeitung sehen.

Der Mieter verweist zudem darauf, dass zwei Lokale im Postparc bis heute leer stehen. Sie seien seit der Eröffnung noch gar nie vermietet gewesen. Als Erklärung führt er die Mieten an. Diese seien im Postparc sehr hoch, so der Mieter.

Post gibt Verantwortung ab

Dabei hat alles so hoffnungsvoll begonnnen. Eine Skybar sollte es geben auf dem Dach des Komplexes, etwas, das man in Bern sonst kaum findet und das Publikum hätte anziehen können. Die Post entschied sich dagegen, man wolle den Postparc primär tagsüber beleben. «Nachtleben ist hier nicht vorgesehen», sagte Stefan Dürig, Leiter Immobilien Post, im November 2015 – und so werden die Gastrobetriebe heute vor allem mittags aufgesucht. Trotzdem stellte Dürig damals im Interview mit dem «Bund» in Aussicht, der Postparc werde den Geist der alten Markthalle wieder aufleben lassen. Davon ist er derzeit weit entfernt.

Auf Anfrage sagt die Post, der Postparc sei kein klassisches Einkaufszentrum. Daher betreibe sie auch kein eigentliches Center-Management. «Letztlich liegt es in der Verantwortung der Mieterschaft, entsprechende Marketingmassnahmen umzusetzen, damit ihr Bekanntheitsgrad erhöht wird.» Es gebe aber eine Marketinggruppe, in welcher sich Mieter und Post regelmässig über Marketingmöglichkeiten und Ideen austauschten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.07.2018, 09:38 Uhr

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