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Corona oder nicht? Das entscheidet sich in Genf

Taucht in der Schweiz bei einem Patienten das Coronavirus auf, landet ein Speichelabstrich in Genf. Die Infektion ist jedoch erst dann amtlich, wenn das «Referenzzentrum für neu auftretende Virusinfektionen» der Genfer Universitätsspitäler (HUG) das Virus im Abstrich gefunden hat. Wie andere Kantone in den letzten Tagen informierte das Wallis gestern: «Das nationale Referenzlabor in Genf hat die Infektion mit dem Coronavirus bei dem zweiten Patienten, die am Sonntag vom Zentralinstitut des Spitals Sitten festgestellt wurde, bestätigt.» Warum entscheidet Genf? Was zeichnet das Referenzzentrum für neu auftretende Virusinfektionen aus? Die Fragen könnten sich bei einem Augenschein klären.

«Ein Laborbesuch? Unmöglich. Ein Gespräch mit einem ­Laborarzt? Zu beschäftigt», blockt eine HUG-Sprecherin die Anfrage für eine Visite ab. Das Labor arbeite sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr, argumentiert die Frau. Die Kapazitätsgrenze erreiche man im Genfer Referenzzentrum aktuell zwar nicht gänzlich, aber die Belastung sei nach wie vor sehr gross, präzisierten die Unispitäler später.

Zwei Massnahmen brachten Entlastung. In den letzten Tagen wurden schweizweit rund zehn Referenzzentren eröffnet, in Kliniken und Laboratorien. Sie dürfen nun ebenfalls Coronatests durchführen. Das wiederum bedeutet: Die Zentren schicken nur noch positive Befunde nach Genf, um das Coronavirus bestätigen zu lassen. Letzte Woche arbeiteten die Genfer Virologen in einer Kadenz von bis zu neun Tests pro Tag, wobei sie pro Test 24 Proben verarbeiten können. Gestern wurden noch sechs Tests durchgeführt. Doch steigen die Neu­infektionen, kann die Menge rasch wieder zunehmen.

Die Coronaproben würden in Spitaltransportern, also normalen Autos, nach Genf gebracht, sagt der Biologe und Zentrumsleiter Pascal Cherpillod. Jede ­Probe befindet sich in einem Röhrchen, das wiederum von einem grösseren Röhrchen geschützt ist. Die Röhrchen be­finden sich wiederum in einem temperaturgeschützten Sicherheitscouvert oder kleinen Behältnissen, Biocontainer genannt.

In Genf werden die Proben in einen sogenannten ­Thermocycler gegeben, der sie gezielt kühlt und erhitzt, dabei das Erbgut vermehrt und direkt analysiert. Das Laborgerät signalisiert dann von selbst, ob die Patientenprobe Sars-CoV-2-Erbgut enthält. Gleichwohl müssen die aktuell zehn Mitarbeiter des Genfer ­Referenzzentrums die Resultate überprüfen.

Weit komplexer als die Laboruntersuchung selbst sei manchmal, die handgeschriebenen Patientennamen oder die Telefonnummern der Ärzte zu entziffern. In diesen Fällen seien ­aufwendige Recherchen nötig, um die Absender ausfindig zu machen und die Daten im IT-System der Genfer Universitätsspitäler zu registrieren, wundert sich Pascal Cherpillod. Das Referenzzentrum für neu auftretende Virusinfektionen in Genf wurde von den Schweizer Behörden 2005 als ­Reaktion auf die terroristisch motivierten Anthrax-Attacken aus dem Jahr 2001 gegründet.

Philippe Reichen, Genf

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