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Keine Einigung im Streit um die Grosse Halle

In der seit einer Woche besetzen Grossen Halle der Reitschule fand gestern eine grosse Versammlung statt. Die Zukunft bleibt weiterhin unklar.

Wie offen soll Berns Grosse Halle sein? Darüber streiten sich derzeit Betreiber und Besetzer des Gebäudes direkt neben der Reitschule.
Wie offen soll Berns Grosse Halle sein? Darüber streiten sich derzeit Betreiber und Besetzer des Gebäudes direkt neben der Reitschule.
Adrian Moser (Archiv)

Über hundert Menschen trafen sich am Dienstag Abend in der besetzten Grossen Halle der Reitschule. Sie folgten einem Aufruf der Aktivisten, welche die von der Reitschule unabhängig betriebene Halle vor einer Woche in Beschlag nahmen. Anwesend waren auch die offiziellen Betreiber, welche im Auftrag des Trägervereins die Nutzung der Grossen Halle organisieren. Sie wollten während der mehrstündigen Versammlung die Aktivisten – sie nennen sich die «Wohlstandsverwahrlosten» – zur Aufgabe der Besetzung bewegen.

Ein Sympathisant des Trägervereins sagte, er sei früher auch gegen fixe Eintrittspreise und Lohnarbeit gewesen. Doch habe er im Laufe der Zeit einsehen müssen, dass dies schlichtweg nicht funktioniere: «Ohne Lohnarbeit gehts nicht». Doch die Mehrheit der Versammlung – insbesondere die Jungen – liessen sich davon nicht beeindrucken. Kultur soll allen zugänglich sein, lautete auch weiterhin das Hauptargument der Aktivisten gegen eine professionelle Leitung der Grossen Halle.

Hohe Ansprüche der Besetzer

Auch Personen, welche in der Reitschule arbeiten, ergriffen an der Versammlung das Wort. Eine gemeinsame Haltung zur Besetzung ist bei ihnen allerdings nicht auszumachen. Die meisten wollen sich offenbar weder mit den Besetzern noch mit dem Trägerverein wirklich solidarisieren. Der utopischen Idee einer «Halle für alle» mit offenen Türen dürften viele eher kritisch gegenüberstehen. Schliesslich hat die Reitschule selber vor kurzem wieder eine Torkontrolle eingeführt, nachdem Dealer vermehrt auch innerhalb der Reitschule ihren Geschäften nachgegangen sind.

Anfragen bei der Mediengruppe der Reitschule blieben bislang unbeantwortet. Eine Person aus dem Umfeld der Reitschule sagte dazu gegenüber dem «Bund», die momentane Haltung sei, dass man keine gemeinsame Haltung habe. Nicht wenige Reitschüler gehen davon aus, dass die Besetzer spätestens in ein paar Wochen von selber aufgeben. Für den Anspruch der Aktivisten, mit ihrer Aktion auch die Probleme des Vorplatzes zu lösen, haben wohl viele erfahrene Reitschülerinnen und Reitschüler nur ein müdes Lächeln übrig.

Ausstellung abgesagt

Normalerweise besetzen Besetzer leere Gebäude. Das ist bei der Grossen Halle jedoch nicht der Fall. So hätte in zwei Tagen eine Ausstellung mit Bildern des spanischen Künstler zZARÁ stattfinden sollen. Diese wurde nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Künstler sei nicht bereit, seine Bilder in der besetzten Grossen Halle ausstellen zu lassen, hiess es an der Versammlung.

Fotografieren war gestern übrigens streng verboten. Mit staatlicher Repression müssen die Aktivisten aber nicht wirklich rechnen. Dafür müsste der Trägerverein selber aktiv werden und bei der Polizei Anzeige erstatten – ein eher unrealistisches Szenario. Beim Trägerverein hiess es heute dann auch, man sei weiterhin mit den Besetzern im Gespräch und bemühe sich um eine konstruktive Lösung. Bereits am nächsten Freitagabend ist eine weitere Vollversammlung geplant.

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