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Berns grösster Modehändler geht in neue Hände über

Fredy und Silvia Bayard verkaufen ihre Mode Bayard Group an das Management.

Sie haben sich ein kleines Mode-Imperium aufgebaut: Fredy und Silvia Bayard in einer ihrer Filialen.
Sie haben sich ein kleines Mode-Imperium aufgebaut: Fredy und Silvia Bayard in einer ihrer Filialen.
zvg

Das Familienunternehmen ist schon über 100 Jahre alt. Doch richtig gewachsen ist es erst, seit es 2003 den Sprung über den Lötschberg gewagt und den Sitz in den Bundesstadt verlegt hat. Die Mode Bayard Group zählt heute schweizweit 76 Kleidergeschäfte und 450 Angestellte. Die Hälfte der Geschäfte trägt den Namen Bayard, die andere Hälfte Namen von Modemarken wie Esprit, Gerry Weber, Marc O’Polo und Street One.

Fredy Bayard hat das Unternehmen in dritter Generation fast 30 Jahre lang geführt – gemeinsam mit seiner Frau Silvia. Nun verkaufen die beiden den Grossteil ihrer Aktien an das heutige Management. Je 20 Prozent gehen an die Nachwuchskräfte Matthias Hadorn, Michael Hadorn und Denise Wyer. 20 Prozent behält Silvia Bayard, die den Chefposten von ihrem Mann übernimmt und die Gruppe noch einige Jahre führen wird. Je 8 Prozent der Aktien übernehmen Finanzchef Thomas Meyer und Jürg Bodenmann. Bodenmann war Chef der Berner Buchhandlung Stauffacher und präsidierte das Joint-Venture Orell Füssli Thalia AG, zudem ist er Chef der Tchibo Schweiz AG. Seit längerem ist Bodenmann zudem Präsident einer Bayard-Tochterfirma, nun löst er Fredy Bayard als Verwaltungsratspräsident der Mode Bayard Holding ab.

Die letzten 4 Prozent des Unternehmens bleiben beim 54-jährigen Fredy Bayard. Aus dem Tagesgeschäft zieht sich der Unternehmer aber zurück und geht zuerst einmal ein halbes Jahr auf Reisen, wie er dem «Bund» sagt. Danach werde er sich einem anderen Tätigkeitsfeld widmen. Das Management-Buy-out sei eine sinnvolle Lösung, um die Mitarbeitenden an das Unternehmen zu binden und das Know-how in der Gruppe zu behalten, meint Bayard.

Keine Designer, keine Einkäufer

Er und seine Frau haben ein Modeunternehmen mit äusserst schlanken Strukturen aufgebaut. Die Zentrale in der Berner Neuengass-Passage beschäftigt nur zwei Dutzend Mitarbeiter. Statt Einkäufer oder gar eigene Designer zu beschäftigen, überlassen die Bayards das Bestücken der Regale den Lieferanten. Diese sind dann im Gegenzug für den Umsatz mitverantwortlich. Was nicht rentiert, wird rasch wieder aus dem Sortiment geworfen, um Platz für neue Ware zu schaffen.

Die Verkäufe der Filialen und der einzelnen Mitarbeiterinnen werden in der Zentrale erfasst und analysiert. So brachte es die Mode Bayard Group letztes Jahr auf einen Umsatz von 105 Millionen Franken. Die Krise der Modegeschäfte geht auch an Bayard nicht spurlos vorbei. So betrug der Umsatz vor einigen Jahren noch fast 120 Millionen Franken. Fredy Bayard spricht von einer «anspruchsvollen Zeit», die aber auch «eine Riesenchance» sei für Unternehmen wie Bayard. So seien die Verhandlungen mit Vermietern und Lieferanten einfacher geworden.

Offensive in der Berner Innenstadt

In der Berner Innenstadt gingen die Bayards in den letzten Jahren in die Offensive: Einerseits wurde das Wartmann-Geschäft an der Marktgasse in einen Bayard-Laden für Frauen umgewandelt. Und andrerseits hat das Unternehmen im früheren Vaucher-Haus mit seinem bekannten Paternoster-Lift (ebenfalls in der Marktgasse) eine reine Männer-Filiale eröffnet.

Die Bayards sind bekannt dafür, dass sie in verschiedenen Städten Textil-Traditionshäuser ohne Nachfolge übernommen haben. Beim Berner Modeunternehmen Wartmann verhielt es sich etwas anders: Dieses gehörte bereits zu Loeb und wurde 2003 mit der Bayard-Gruppe fusioniert. Die Bayards hielten 45 Prozent der Aktien, Loeb den Rest. 2007 platzte die Liaison bereits wieder, die Bayards übernahmen alle Aktien – und damit auch Wartmann.

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