Tausende verfolgten Radquer-Weltcup im Weyerli

Über 5'000 Zuschauer zog das Weltcuprennen im Radquer ins Weyermannshaus. Hinter der Elite klassierte sich der beste Schweizer Marcel Wildhaber auf Rang 22.

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Damit hatte er nicht mehr gerechnet: Noch einmal einen Weltcup in der Schweiz zu fahren, auf der Strecke «Go Mäsi»-Rufe zu hören. 2010 bestritt Marcel Wildhaber den Quer-Weltcup in Aigle. Danach schrumpfte die Schweizer Szene weiter – und mit ihr schwand Wildhabers Hoffnung, je wieder in der Schweiz ein Rennen der höchsten Kategorie zu bestreiten. In Bern wird der 33-Jährige nun 22. – und 4. Exote, wenn man die dominierenden Belgier und Holländer ausklammert.

Wildhaber hat viel Lob übrig für die rund 5'000, die an diesem perfekten Herbstsonntag zum Freibad Weyermannshaus gekommen sind. Es sind etwa doppelt so viele wie bei der Premiere 2017, als das Radquer noch nicht Weltcupstatus hatte. «Ich führte in Namur einst ein Weltcuprennen an. Aber da feuerte mich niemand an. Die Zuschauer riefen den Belgiern einzig den Rückstand zu, den sie auf mich hatten», sagt Wildhaber und befindet, die Schweizer hätten mehr Freude am Sport allgemein.

Kein Chauvinismus hier

Das ist ein nettes Kompliment ans Publikum, das den Chauvinismus leicht beiseite lassen kann – die Einheimischen spielen eine sehr überschaubare Rolle. In der Elite ist Wildhaber der Beste, vor Simon Zahner (33.) und Timon Rüegg (34.). Bei den Frauen wird Nicole Koller auch 22., in der parallel gewerteten U-23-­Kategorie kommt sie auf Rang 3.

Und vorne? Brillieren wie immer die Belgier und Holländer. Die einen durch die Masse, die andern durch die Sieger. Bei den Frauen wie den Männern gewinnen Über-Figuren, die an unterschiedlichen Stellen ihrer Karrieren stehen. Marianne Vos hat ihren Ruf als Über-Velofahrerin längst zementiert, schon weit über 300 Radrennen und alle relevanten Titel gewonnen und eigentlich keine Lücken mehr in ihrem Palmarès – in das nun noch ein Sieg in Bern kommt.

Mathieu van der Poel ist acht Jahre jünger als die 31-Jährige und scheint alles mitzubringen, um eine ähnlich ausserordentliche Karriere hinzulegen wie Vos. In diesem Jahr gewann er die holländischen Meisterschaften im Quer, Mountainbike und auf der Strasse. An der Bike-WM auf der Lenzerheide wurde er Dritter, an der Strassen-EM Zweiter, ebenso an der Quer-WM.

Der 23-Jährige wechselt mühelos zwischen den Disziplinen. Vielleicht liegt ihm darum der Radquer-Sport so gut. Keine Disziplin ist spielerischer, nirgends profitiert ein guter Techniker mehr als hier, wo sich Kurve an Kurve an Hügel an Hürde an Abfahrt an Kurve reiht und es sich auszahlt, wenn jede einzelne Passage ohne Hacker bewältigt wird.

Erst nach 23 Uhr in Bern

Van der Poel fuhr am Samstagnachmittag noch ein Rennen im belgischen Boom, flog danach von Brüssel nach Zürich und kam erst nach 23 Uhr im Hotel in Bern an. Von Müdigkeit ist am Sonntag aber nichts zu sehen.

Mit seinem Dauerrivalen, dem früher angereisten Weltmeister Wout Van Aert, setzt er sich sogleich ab, die beiden fliegen über den Kurs, drei schnelle Runden lang. Am Schräghang hinter Europas grösstem Swimmingpool zaubern sie schnelle Linien, nur durch ein Absperrband von den gebannten Zuschauern getrennt, hinauf und hinab, hinauf und hinab. Wie gewandt und mühelos sich das Duo im steilen Gelände bewegt, wird erst klar, als die Konkurrenz folgt – deutlich weniger behände und viel Staub aufwirbelnd.

Doch dann verklemmt bei Van Aert kurz die Kette, er muss sie richten. Es ist die Entscheidung, obwohl das Rennen erst eine gute Viertelstunde alt ist. Van der Poel reisst ein Loch auf, das Van Aert nicht mehr schliessen kann, so sehr er sich auch anstrengt.

«Es ist gut für den Quersport, dass auch hier ein Weltcup stattfindet», sagt Van der Poel. Er würde wiederkommen. Und die Berner würden gerne weitermachen. Für eine Reprise 2019 müssen sie aber weitere 20'000 bis 30'000 Franken finden – um diesen Betrag wird die Rechnung rot ausfallen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.10.2018, 13:42 Uhr

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