Federers erster Titel auf rotem Sand seit 2009

Das neue ATP-Turnier von Istanbul endete mit einem dramatischen Tiebreak und brachte dem Schweizer den 85. Turniersieg.

Happyend: Roger Federer. Foto: Keystone

Happyend: Roger Federer. Foto: Keystone

René Stauffer@staffsky

Etwa so hatte sich Roger Federer wohl alles vorgestellt, als er sich über­raschend entschloss, das erste ATP-­Turnier der Türkei mit seiner Präsenz aufzuwerten: ein rauschender Empfang in ­einem ihm fremden Land, spannende neue Einblicke in eine faszinierende Stadt und Kultur – und am Ende ein ­triumphaler Turniersieg, mit dem er bei den Organisatoren endgültig die hohe Antrittsgage rechtfertigte und danach ein weiteres Bad in der Menge seiner türkischen Fans geniessen konnte.

Der Weg zum Happy End war aber ­alles andere als einfach. Gimeno Traver (Sp) und Schwartzman (Arg) hatten ihm bereits alles abgefordert und ihn in einen dritten Satz gedrängt, und gegen Pablo Cuevas (ATP 23) entglitt ihm beinahe noch ein Final, den er längst vor dem Tiebreak hätte gewinnen müssen. Auf dem Weg zum 6:3, 7:6 (13:11) hatte er im 2. Satz mit Break 4:3 geführt, danach liess er auch drei Breakbälle in Folge zum 5:4 ungenutzt. Das Tiebreak allein war dann das Eintrittsgeld wert. Federer, gegen Ende der Partie etwas hektisch, konnte erst seinen fünften Matchball verwerten und musste, nachdem er 6:4 geführt hatte, sogar drei Satzbälle abwehren – einen mit seinem besten Backhand-Returnwinner der Partie.

Nur auf blauem Sand gewonnen

Sein erster Gegner aus Uruguay überhaupt nötigte ihm eine starke Leistung ab, um erstmals seit dem French Open 2009 wieder einen Turniersieg auf ­rotem Sand feiern zu können. Seither hatte Federer lediglich in Madrid einen Titel auf diesem Belag gewonnen, wobei dort im Jahr 2012 für einmal auf blauem Sand gespielt worden war.

Istanbul wurde zum 30. Turnier, das er gewinnen konnte – an diesen hat er ­insgesamt 85 Titeln geholt, die sich auf 19 Länder verteilen. Auf Sand ist er bei 11 und in diesem Jahr bereits bei 3 Turnier­siegen angelangt (nach Brisbane und ­Dubai). Der Erfolg mag für das Selbstvertrauen zwar wertvoll sein, für das ­Masters-Turnier von Madrid, wo er diese Woche als Nummer 1 startet und der ­Sieger das Vierfache der ATP-Punkte von Istanbul erhält, dürfte Istanbul aber nicht die beste Vorbereitung gewesen sein. In Spanien wird er angesichts der Höhenlage (650 m über Meer) andere, schnellere Spielbedingungen antreffen.

Über die Schweiz nach Madrid

Im Interview erklärte Federer, dass ihn «für die nächste Stunde oder so» einzig dieser Titel interessiere und er von Istanbul aus zuerst in die Schweiz reise, «immerhin muss ich erst am Mittwoch in Madrid antreten». Sein Startgegner wird Nick Kyrgios oder wieder ­Gimeno Traver heissen. Sein Körper habe die drei harten Partien in drei ­Tagen gut verkraftet, «gegen Cuevas spielte ich den besten Match der Woche», bilanzierte er zufrieden. Er sei stolz, die Premiere von Istanbul gewonnen zu haben. «Ich hatte eine verrückte, aber wunderbare Woche.» An der Siegerehrung äusserte er sogar vage die Absicht, seinen Titel 2016 zu verteidigen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt