Die Räumung der Fabrikool-Besetzung ist nur ein Vorwand

Gerne würden die Chaoten weitere Kreise radikalisieren. Das ist ihnen mit ihrer Randale vor der Berner Reitschule nicht gelungen.

Augenzeugen berichten, dass die Aktionen geplant und orchestriert waren. Die Randalierer nahmen gezielt die Polizei ins Visier.

Augenzeugen berichten, dass die Aktionen geplant und orchestriert waren. Die Randalierer nahmen gezielt die Polizei ins Visier.

(Bild: Jürg Spori)

Simon Wälti

Im Kreise der anarchistischen «Vordenker» der Krawalle vom Wochenende ist man stolz auf das Geleistete. So liest man auf einschlägigen Plattformen viel kruden Unsinn. Einige entlarvende Beispiele: «Riots» seien eine «wichtige Form des Widerstands», sie hätten «etwas sehr Befreiendes». Nach der Räumung von Fabrikool sei man zum «Gegenangriff auf den Staat und seine Strukturen» übergegangen. Der Angriff richte sich «gegen alle, die sich uns in den Weg stellen». Es sei eine «notwendige Antwort». Dass die Wut so gross war, dass die Polizei «sich mehrmals zurückziehen musste», werten diese «Hassprediger» als «Zeichen des Erfolgs».

Augenzeugen berichten, dass die Aktionen geplant und orchestriert gewesen seien. Zudem hatten es die Randalierer nicht nur darauf abgesehen, Sachschaden anzurichten. Sie nahmen gezielt die Polizei ins Visier. Zehn Beamte wurden verletzt. Die Räumung von Fabrikool in der Länggasse war nur ein Vorwand, ein Deckmantel. Brennende Barrikaden entsprechen nicht dem Charakter der friedlichen und idealistischen Besetzung.

Offenbar hat die Aussicht, sich mit der Polizei anlegen zu können, gewaltbereite Elemente aus anderen Städten angezogen. Gerne würden die Drahtzieher grössere Kreise radikalisieren und mobilisieren. Das ist ihnen in der Nacht auf Sonntag nicht gelungen. Die meisten schüttelten ob der sinnlosen Strassenschlacht den Kopf. Die Reitschule reagierte für einmal nicht mit einer rituellen Geisselung polizeilicher Repression. Man lehne «alle Gewalttätigkeiten von der Nacht auf Sonntag entschieden ab», schrieb sie. Sogar im schreibkundigen Teil der Krawallanten stellt man sich Fragen – über die Geister, die man rief: Die Rede ist von «sexistischen Äusserungen und Handlungen» sowie «Selbstinszenierung».

Die Krawalle müssen für die Reitschule Anlass sein, sich einige wichtige Fragen zu stellen. Welche Möglichkeiten gibt es, die Chaoten zu isolieren? Die Gewalt zu verhindern? Sie sollte dabei vor allem die Verpflichtung gegenüber den vielen friedlichen Besucherinnen und Besuchern der Kulturanlässe im Auge haben. Sonst schadet sie sich selbst und wird zum Spielball von Randalierern, für die Gewalt Selbstzweck ist.

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