«Da geht halt der Gaul mit einem durch»

Adi Hütter versucht nach der aufwühlenden Nacht seine Eindrücke in Worte zu fassen.

«Die Bilder, die Emotionen, diesen einen Abend als Ganzes, den werde ich mein Leben lang nicht vergessen.» 
Meistertrainer Adi Hütter vor seiner Mannschaft.

«Die Bilder, die Emotionen, diesen einen Abend als Ganzes, den werde ich mein Leben lang nicht vergessen.» Meistertrainer Adi Hütter vor seiner Mannschaft. Bild: Christian Pfander

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Wie viel Schlaf hat es für Sie ­gegeben vergangene Nacht?
Adi Hütter: Natürlich nicht allzu viel. Aber schon allein das Aufwachen war ein grossartiges Gefühl, weil sofort die Bilder an letzte Nacht zurückkehrten.

Was sind spontan die ersten Eindrücke aus Ihrer Meisternacht?
Es war wunderbar, all diese glücklichen Menschen um sich herum zu haben. Ich wurde noch nie so oft umarmt. Dieses Wissen, dass man zusammen so etwas ­Bedeutendes erreicht hat, ist einfach grossartig. Es war ein Genuss, in all diese glücklichen Gesichter zu schauen. Die Bilder, die Emotionen, diesen einen Abend als Ganzes, den werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

Sie gelten ja als eher kontrollierter Mensch. Wie sehr haben Sie gestern auf den Putz gehauen?
Schon der Spieler Adi Hütter war in der Lage, feiern zu können. Auch der Trainer ist es noch. Aber klar, ich bin nicht der Typ, der sich in den Vordergrund stellt und wild herumhüpft.

Inwiefern haben Sie schon ­realisiert, was gestern alles ­passiert ist?
Die Dimension, insbesondere mit der Dramaturgie, mit der wir gestern zu diesem Sieg gelangt sind, die habe ich noch nicht vollständig erfasst. Und viele Momente sind präsent, aber es fällt mir schwer, zu beschreiben, wie sich das genau anfühlt.

Zum Beispiel?
Nach dem 2:1 in der 89. Minute weiss ich nicht mehr so genau, in welche Richtung ich gerannt bin, wen ich umarmt habe und so weiter. Das sind Momente, da geht halt auch einfach der Gaul mit einem durch.

Wie viel Erleichterung schwingt da auch mit?
Viel, sehr viel. Diesen schweren Rucksack, den der Verein, die ganze Stadt auch ein wenig mitgetragen haben, dass man so oft so nahe dran an einem Titel war, aber es nie ganz gereicht hat, den sind wir jetzt endlich los.

«Ich habe schon damals gesagt, glücklich bin ich erst dann, wenn wir etwas gewinnen. Und seit gestern bin ich ein sehr, sehr glücklicher Meistertrainer von YB.»Adi Hütter

Sie haben gestern mehrmals ­gesagt, dass dieser Titel Ihr grösster Moment als Trainer und Fussballer sei. Was macht ihn so speziell im Vergleich zu anderen Titeln, die sie schon ­gewonnen haben?
Zunächst einmal, weil der Titel nach 32 Jahren Warten historisch natürlich enorm bedeutsam ist. Und dann darf man nicht vergessen, wie unser Meisterteam entstanden ist. Wir hatten vergangenen Sommer einen grösseren Umbruch, haben Spieler zum Teil aus der Challenge League zu uns geholt, teils junge Talente mit wenig Erfahrung, bei denen wir uns nicht sicher waren, wie sie sich entwickeln würden. Aber sie waren alle enorm hungrig, und zusammen mit den erfahreneren Fussballern bei uns hat sich so dieses fantastische Meisterteam gefunden.

Was verändert sich für Sie als Trainer der Young Boys mit ­diesem Titel?
Als ich vor drei Jahren hierherkam, haben mich viele Leute gefragt, ob ich jetzt glücklich sei, YB-Trainer zu sein. Ich habe immer geantwortet, ich würde mich glücklich über dieses riesige Privileg schätzen, hier Trainer zu sein. Aber ich habe schon damals gesagt, glücklich bin ich erst dann, wenn wir etwas gewinnen. Und seit gestern bin ich ein sehr, sehr glücklicher Meistertrainer von YB.

Und wann haben Sie realisiert, neben welche historischen ­Figuren Sie sich als YB-Meistertrainer einreihen dürfen?
Albert Sing war mir natürlich schon immer ein Begriff, was er mit YB erreicht hat, ist einzigartig. Und zu Alexander Mandziara habe ich einen speziellen Bezug. Er war 1989 mein Trainer, als ich bei LASK Linz spielte. Von seiner Förderung habe ich viel profitiert. Und als ich dann 2015 bei YB ankam, verstarb Mand­ziara wenige Wochen später in Deutschland. Ich weiss noch, wie ich im Stadion stand und mir ausmalte, wie emotional es wäre, wenn ich dereinst in seine Fussstapfen treten könnte. Jetzt ist das passiert.

Vergangenen Herbst, als Sie bei Werder Bremen ein Trainerkandidat waren, sagten Sie, Ihre Mission in Bern ist noch nicht zu Ende. Ist sie es jetzt?
Nein. Erstens ist die Meisterschaft noch nicht zu Ende, wir können noch den Punkterekord der Super League brechen, dann wartet der Cupfinal mit der ebenfalls historischen Chance, zum ersten Mal seit 60 Jahren das Double nach Bern zu holen. Bei YB habe ich einen Vertrag bis 2019, mir gefällt es hier. Deswegen möchte ich Stand jetzt auch nicht mehr sagen dazu.

Wenn Sie einen Spieler aus Ihrer Mannschaft hervorheben müssten, welcher wäre es?
Dieser eine Spieler ist für mich die Mannschaft. Es wäre jetzt ungerecht, irgendeinen herauszuheben, weil jeder aus dem Team einen unglaublichen Anteil an dieser Geschichte hat.

Die Spieler haben bis Dienstag trainingsfrei – was machen Sie in dieser Zeit?
Vielleicht kann ich mich mal wieder selber trainieren (lacht). Es ist wichtig, dass man sich selber Zeit gibt, zu realisieren, was genau passiert ist. Und es dann auch entsprechend zu geniessen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.04.2018, 21:04 Uhr

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