60 Schattierige vo «sehr»

Mundart-Kolumnist Ben Vatter über allerlei Möglichkeiten im Berndeutschen Wörter zu verstärken.

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Mängisch längt «tumm» nid. Nid emal «tümmer» oder «am tümmschte» – da mues eifach stercheri Ruschtig häre! Zum Glück hei mer im Bärndütsch no ganz vil anderi Müglechkeite, däm «tumm» es Versterchigswörtli vore häre z stelle. Weles würdet Dir näh? (drei Sekunde Bedänkzyt)

Also: ...tumm! Was? «Hueretumm» heit Der gseit? O nei, wi längwylig! Der Klassiker vo de Steigerigswörter isch sicher scho syt meh als dryssg Jahr uf de Spitzeplätz vo der Hitparade. Das «huere» het e huere Siigeszug dür di ganzi huere Schwyz häregleit und sech überall gäge erbitteret Widerstand vo der jewyls grad eltere Generation düregsetzt. Heerschare vo Chind sy druf programmiert worde (und säge sofort, we das Wort irgendwo fallt): «Huere seit me nid!»

I de erschte Jahr behälfe si sech zmingscht vor de Eltere mit «henne», «hönne» oder «hunne», für speetischtens ab der Pubertät glych wider bi «huere» z lande – bi däm Wort, wo d Eltere ja eigentlech sälber o säge, eifach denn, we d Chind nid derby sy. Das Versterchigswort het sech scho sövel versälbständiget, dass es – ämel bir jüngere Generation – scho ganz elei cha bestah! «Es schiffet huere», «di het sech huere gfragt» und sogar «däm sy Schwoscht gseht huere uus!» hani alles scho ghört. Dass «huere» eigentlech vo «ungeheuerlich» abstammi und gar nüüt mit ere Proschtituierte z tüe heig, isch übrigens es Märli.

Aha, gar nid «hueretumm», sondern «soutumm» isch Öji Antwort gsy? I däm Fall: es ender elters Semeschter! Steigerige sy ja geng scho öppis vor Jugendsprach gsy, und so hett jedi Generation ihri Lieblingswörter zum Sache versterche. Teil dervo bruucht me zwar irgendeinisch nümme, wüls eim nümm so opportun schynt; me bhaltet se aber gärn no als charmanti Erinnerige im passive Wortschatz.

Drum: Gieng de «cheibetumm» öppe o für Öich? Oder lieber «steitumm»? «Brätschtumm», «sacktumm» oder «todtumm» vilecht? «Wältstumm», «mordstumm», «wahnstumm», «obertumm»? Soso, Dir hättet statt e Vorsilbe lieber es ganzes Wort voruus? Wi wärs de mit «eländ, verdammt, sagehaft, jensyts, schampar, verfluecht» tumm?

Oder ghöret Der sogar no zur Generation vo «uverschant, unerchant, schuderhaft, schüzlech, verruckt, zümftig» tumm? Für di chli jüngere hätte mer «u-tumm», «hölletumm», «mega/gigatumm», «futztumm» (Tschuldigung!) «krass, völlig, brutal, tami, extrem, total, bündig, voll» tumm und ender us em Hochdütsch no «stroutumm» u «strunztumm» im Aagebot. D Vorsilbe «Irr-» hätts ja eigentlech o no, aber zäme mit «tumm» guub das ender e Irrtum. U ds Wörtli «anders» (tumm) han i zu mym grosse Erstuune im Bärndütsch-Lexikon gfunde – das isch offebar elter, als i ddänkt ha, u hett vor es paarne Jahr e Renaissance erläbt.

Jitz verlö mer aber ändlech mal das tumme «tumm»; gwüssi Vorsilbe göh nämlech nid bi allne Wörter, sondern nume bi usgwählte oder sogar nume i eire einzige Kombination. «Bachnass/pflotschnass, suufdünn, frässdick, plütterweich, bodebös, platschvoll, furztroche, chrisdick» sy es paar vo myne Lieblinge, wi o «füdleblutt» – won i zwar nie ha ygseh, wi me blutter als blutt söll chönne sy. Ds glyche Problem han i bi «stockschwul», wo d Lüt geng wider säge: O da isch d Idee vonere Abstuefig ender komisch. Bi «stockkatholisch» hingäge cha di Vorsilbe, wo ja zimlech naach a «verstockt» isch, hingäge vil passender sy.

D Versterchig cha me übrigens o hinde aahänke; das geit zum Byschpil mit «wi ne More, wi blöd, wi gstört, wi verruckt, wi Anton» oder ou mit «dass’s chlepft», «am Tüüfel es Ohr ab» u «bis a Bach abe». Und natürlech sy mer o frei, wyteri Steigerigswörtli us üsere Zyt z sueche. So verraten i Öich jitz o my Lieblingsantwort uf d Frag am Aafang: «trumptumm»!

Der Bund

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