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Lage auf LesbosNeues Lager für Flüchtlinge – Unruhen und Tränengas

Vier Tage nach dem Grossbrand im Flüchtlingslager Moria haben die ersten Migranten ein neues provisorisches Zeltlager bezogen. Mehrere Tausende Migranten harren aber immer noch auf den Strassen aus.

Inmitten der Auseinandersetzungen und ohne eine Chance, ausweichen zu können: Kinder vertreiben sich im Flüchtlingslager ihre Zeit,
Inmitten der Auseinandersetzungen und ohne eine Chance, ausweichen zu können: Kinder vertreiben sich im Flüchtlingslager ihre Zeit,
Foto: Keystone

Nach dem Grossbrand im Flüchtlingslager Moria sind auf der griechischen Insel Lesbos etwa 300 Migranten in ein neues Zeltlager eingezogen. Bei den meisten handelt es sich um Familien, wie der staatliche griechische Rundfunk ERT am Sonntag berichtete.

Vor ihrer Aufnahme ins neue Lager mussten alle einen Coronavirus-Schnelltest machen. Dabei sei bei sieben Migranten das Virus entdeckt worden, berichtete der Sender unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Alle sieben seien zur Isolation in einen abgelegenen Teil des Zeltlagers von Kara Tepe gebracht worden.

Suche nach neuen Orten für Lager

Die Lage auf der Insel war auch am Sonntag angespannt. Mehrere Tausende Migranten harren auf den Strassen aus. Es könnte Wochen dauern, bis nach dem Brand am vergangenen Mittwoch alle Menschen wieder ein Dach über dem Kopf bekommen. Die Behörden suchen nach weiteren Orten, wo Zeltlager eingerichtet werden können. Die meisten Migranten wollen allerdings nicht in ein neues Lager gebracht werden, sondern weg von der Insel. Auch die Anwohner wehren sich gegen die Errichtung einer neuen Unterkunft.

Im Laufe des Samstags war es immer wieder zu spontanen Demonstrationen und in der Folge auch zu Zusammenstössen zwischen Flüchtlingen und Polizei gekommen. Migranten warfen mit Steinen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Das Flüchtlingslager Moria war nach Unruhen und Brandstiftungen fast völlig abgebrannt. Über Nacht wurden dadurch etwa 12’000 Menschen obdachlos.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz bekräftigte unterdessen sein Nein zu einer Aufnahme von Menschen aus dem abgebrannten Lager. «Wenn wir diesem Druck jetzt nachgeben, dann riskieren wir, dass wir dieselben Fehler machen wie im Jahr 2015», sagte der konservative ÖVP-Politiker am Samstagmorgen in einer Videobotschaft auf Facebook. Stattdessen will Österreich 400 Unterkünfte mit Heizungen, Betten und Decken für 2000 Hilfsbedürftige nach Lesbos transportieren lassen. Zudem würden zehn Sanitäter und ein Arzt des Bundesheeres abgestellt.

Schweiz nimmt 20 unbegleitete Minderjährige auf

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer gab am Freitag in Berlin bekannt, dass bisher insgesamt zehn Staaten zugesagt hätten, sich an der Aufnahme der unbegleiteten Minderjährigen aus Moria zu beteiligen. Allein Frankreich und Deutschland wollen je rund 100 bis 150 von ihnen aufnehmen.

Die Schweiz will rund 20 unbegleitete Kinder und Jugendliche aus dem niedergebrannten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos aufnehmen. Das teilte der Bundesrat am Freitag mit. Im Zentrum steht für die Regierung aber die Hilfe vor Ort.

Kurz: Aufnahme von Menschen wäre «Fehler wie 2015»

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz bekräftigte unterdessen sein Nein zu einer Aufnahme von Menschen aus dem abgebrannten Lager. «Wenn wir diesem Druck jetzt nachgeben, dann riskieren wir, dass wir dieselben Fehler machen wie im Jahr 2015», sagte der konservative ÖVP-Politiker am Samstagmorgen in einer Videobotschaft auf Facebook.

Stattdessen will Österreich 400 Unterkünfte mit Heizungen, Betten und Decken für 2000 Hilfsbedürftige nach Lesbos transportieren lassen. Zudem würden zehn Sanitäter und ein Arzt des Bundesheeres abgestellt.

SDA