Ex-US-Vizepräsident Al Gore zum Klima«Mutter Natur hat bereits einen globalen Notstand ausgerufen»
Waldbrände in Kalifornien, grosse Hitze und Trockenheit in weiten Teilen der USA: Für den prominenten Aktivisten Al Gore sind das klare Zeichen des Klimawandels. «Aber der Kongress schaut nur zu.»

Ein am Freitag in der Nähe des Yosemite Nationalparks im von Hitze und Trockenheit betroffen US-Bundesstaat Kalifornien ausgebrochener Waldbrand hat sich weiter ausgebreitet. Mittlerweile seien über 6000 Hektar Land betroffen und das Feuer sei weiterhin nicht eingedämmt, erklärte das kalifornische Ministerium für Forstwirtschaft und Feuerschutz am Sonntag. Die Massive Hitze soll auch in den kommenden Tagen in weiten Teile der USA anhalten.
In Kalifornien waren dem Ministerium zufolge mehr als 2000 Feuerwehrleute unter anderem mit 17 Löschhelikoptern im Einsatz, um die Flammen einzudämmen. Das sogenannte Oak Fire wütet vor allem im Bezirk Mariposa östlich von San Francisco und hat bereits zehn Häuser zerstört und fünf weitere beschädigt. Tausende weitere könnten den Flammen zum Opfer fallen. Mehr als 6000 Menschen wurden laut einem Sprecher der kalifornischen Feuerwehr evakuiert. Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, rief am Samstag den «Notstand» im Mariposa County aus.
Der unter einer anhaltenden Dürre leidende Westen der USA hat in den vergangenen Jahren Waldbrände von aussergewöhnlichem Ausmass und hoher Intensität erlebt. Gleichzeitig zieht sich die Brandsaison immer länger hin. Für dieses Jahr befürchten die Feuerwehren besonders heftige Brände.

Massive Hitze betrifft derzeit einen grossen Teil der Vereinigten Staaten. In mehr als einem Dutzend Bundesstaaten mit insgesamt 85 Millionen Einwohnern galt am Wochenende eine Hitzewarnung. In Regionen in der Mitte und im Nordosten des Landes sollen die Temperaturen zu Wochenbeginn leicht sinken.
Die Warnungen von Al Gore
Im Osten von Kansas, in Oklahoma und in Teilen von Missouri und Arkansas werden aber weiterhin 37 Grad und mehr erwartet. Betroffen sind auch die üblicherweise kühleren Regionen an der nordwestlichen Pazifik-Küste, wo laut dem Nationalen Wetterdienst in den kommenden Tagen Temperaturrekorde geknackt werden könnten. In mehreren Städten wurden öffentliche Kühlräume für Obdachlose und Menschen ohne Zugang zu klimatisierten Gebäuden eingerichtet.
Der frühere US-Vizepräsident und Klimaaktivist Al Gore warnte im Zusammenhang mit Hitze und Dürre in den USA am Sonntag vor den Folgen der «Tatenlosigkeit» des US-Kongresses im Angesicht des Klimawandels. In einem Interview mit dem Fernsehsender ABC sagte Gore auf die Frage, ob Präsident Joe Biden den Klimanotstand ausrufen solle: «Mutter Natur hat bereits einen globalen Notstand ausgerufen.»

Die Lage werde sich «schnell deutlich verschlimmern», sagte Gore dem Sender NBC in einem anderen Interview. Die jüngsten Wetterextreme könnten aber auch ein Weckruf für Abgeordnete im US-Kongress sein, die sich bisher geweigert hätten, der Erderwärmung entschlossen entgegenzutreten. Die «immer schlimmeren und ernsteren» Wetterphänomene hätten schon «ein Umdenken eingeleitet», sagte Gore.
AFP/fal
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