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Kolumne Hans Ulrich ObristMir fehlen die Bilder

Unser Autor will wieder atmend und fühlend in einem Museum vor einem Kunstwerk stehen und erleben, was es mit ihm macht.

Schön und zerbrechlich: «Say Her Name» von Jennifer Packer, 2017, Öl auf Leinwand.
Schön und zerbrechlich: «Say Her Name» von Jennifer Packer, 2017, Öl auf Leinwand.
Bild: Private Collection. Courtesy: The Artist, Corvi-Mora, London and Sikkema Jenkins & Co, New York, Foto: Matt Grubb

Ich habe, neben der Hoffnung, dass die Pandemie und mit ihr das Leid vieler Menschen bald enden mögen, diesen Wunsch: dass es bald wieder möglich sein wird, sich Kunst anzusehen. Nicht virtuell, sondern ich will wieder atmend und fühlend in einem Museum vor einem Kunstwerk stehen und erleben, was es mit mir macht. Auch das Haus, das ich in London leite, hat geschlossen. Hinter verschlossenen Türen hängt in der Londoner Serpentine Gallery eine Ausstellung mit Werken der afroamerikanischen Künstlerin Jennifer Packer, die, obwohl noch in ihren Dreissigern, für mich zu den grössten Malerinnen der Gegenwart zählt. Ihre Bilder haben eine derart unglaubliche Wirkung, dass ich es als besonders schmerzlich empfinde, dass gerade ihre Malerei nicht die Präsenz entfalten kann, mit der sie die Besucherinnen und Besucher während der Eröffnungstage und vor dem zweiten Lockdown in ihren Bann schlug.

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