Zum Hauptinhalt springen

Aus Protest gegen PolizeigewaltMilwaukee-Bucks treten nicht zu NBA-Playoff-Spiel an

Dafür erhält das Team Support von der Profiliga. Es ist die vielleicht stärkste sportpolitische Protestaktion in den letzten 50 Jahren.

Die Spieler der Orlando Magic waren am Mittwochabend Ortszeit bereits auf dem Parkett, bereiteten sich auf das Game 5 der Playoff-Serie gegen die Milwaukee Bucks vor. Das Team aus dem Bundesstaat Wisconsin rund um den griechischen Superstar Giannis Antetokounmpo war ebenfalls auf der Anlage, kam aber während rund zwei Stunden nicht aus der Garderobe und so musste das Spiel abgesagt werden.

«Genug ist genug. Es braucht Veränderungen. Ich bin unglaublich stolz auf unsere Jungs.»

Alex Lasry, Senior Vice President der Milwaukee Bucks

Auslöser war der jüngste Fall der Eskalation von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, die seit Monaten die gesamten Vereinigten Staaten in Atem halten. Der 29 Jahre alte Familienvater Jacob Blake war am Sonntag von zwei Polizisten in den Rücken geschossen und dabei schwer verletzt worden. Der Tatort war in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin, weniger als eine Autostunde von Milwaukee entfernt.

Alex Lasry, Senior Vice President der Bucks, fasste die Wut via Kurznachrichtendienst Twitter so zusammen: «Einige Dinge sind grösser als Basketball. Was die Spieler und der Club heute machen, zeigt, dass wir wütend sind. Genug ist genug. Es braucht Veränderungen. Ich bin unglaublich stolz auf unsere Jungs und wir stehen zu 100 Prozent hinter unseren Spielern, die sich für wirkliche Veränderungen einsetzen wollen.»

Gespenstische Leere statt Playoff-Kampf: Das Spiel zwischen den Milwaukee Bucks und den orlando Magic fand ebenso wenig statt wie zwei andere Partien in der NBA.
Gespenstische Leere statt Playoff-Kampf: Das Spiel zwischen den Milwaukee Bucks und den orlando Magic fand ebenso wenig statt wie zwei andere Partien in der NBA.
Foto: Ashley Landis (Keystone)

Aus wirtschaftlicher Sicht schmerzt der Entscheid zweifelsohne, die TV-Verträge sind gewaltig dotiert. 2,7 Milliarden Dollar kassieren die Clubs von den Fernsehpartnern jährlich, dreizehnmal mehr beispielsweise als die Eishockeyliga NHL, noch mehr Geld fliesst lediglich im American Football (NFL): Die NBA reagierte aber schnell und sagte auch die anderen beiden angesetzten Partien zwischen den Houston Rockets und den Oklahoma City Thunder sowie den Los Angeles Lakers und den Portland Trail Blazers ab. Wann die drei Partien nachgeholt werden, steht noch nicht fest, ebenso ob die am Donnerstag vorgesehenen Partien stattfinden werden. Die Bucks hatten sogar angeboten, freiwillig zu verzichten und so eine Forfait-Niederlage zu kassieren, das akzeptierten ihre Gegner aus Orlando aber nicht. Ebenso solidarisierten sich viele andere mit den Bucks. Und Kevin Love, ein weiterer Grosser der Liga, sagte: «Wir haben die stärkste und einigste Liga der Welt.»

Bereits wird spekuliert, ob auch andere Profiteams aus anderen Sportarten in einen Streik treten werden. Als Kandidat werden insbesondere die Seattle Mariners genannt, das Team in der Major League Baseball mit der höchsten Anzahl afroamerikanischer Spieler.

«Wir Schwarzen haben Angst»

Die NBA hatte sich bereits in letzter Zeit - beispielsweise im Vergleich mit der insgesamt sehr passiven NHL - extrem positioniert. Etliche Starsspieler und -trainer wie LeBron James, Steve Kerr, Gregg Popovich und Doc Rivers hatten in Interviews massiv gegen die Ungleichheit in der Behandlung von Afroamerikanern protestiert. LeBron James sagte es so: «Wir Schwarzen haben Angst.»

Und Rivers, selber Afroamerikaner, eine Legende des Sports und heute Coach der Los Angeles Clippers, sagte am Dienstag nach einem Spiel: «Wir sind es, die getötet werden. Uns wird verwehrt, dass wir in gewissen Gemeinden wohnen dürfen. Wir wurden gehängt und wir wurden erschossen. Es ist verblüffend, dass wir dieses Land immer noch lieben und dass uns dieses Land aber nicht liebt. Es ist so traurig.»

Die bislang aufsehenerregendste Protestaktion im US-Sport geht wohl auf das Jahr 1968 zurück. Tommie Smith, Olympiasieger über 200 m in Mexiko-City und Bronzemedaillengewinner John Carlos hielten beim Abspielen der Nationalhymne die Köpfe gesenkt und erhoben zum Protest jeweils eine Faust, die mit einem schwarzen Handschuh bedeckt war.