Messerli macht Schluss

Das Bernische Historische Museum braucht nach zehn Jahren eine neue Leitung. Sie soll auch das geplante Museumsquartier mitprägen.

Jakob Messerli gibt die Direktion des Bernischen Historischen Museums ab.

Jakob Messerli gibt die Direktion des Bernischen Historischen Museums ab.

(Bild: Beat Schweizer)

Daniel Di Falco

Dummer Moment, eigentlich: Er hätte nur noch fünf Jahre bis zur Pensio­nierung gehabt. Richtiger Moment, findet er selber: Jakob Messerli (59) hört als Direk­tor des Bernischen Historischen Museums auf – Ende Juni 2020, wie das Haus gestern meldete. «Ich bin dann insgesamt 24 Jahre Museumsdirektor gewesen, das ist genug», sagt er auf Anfrage.

Messerli meint damit auch die zwei Häuser in Deutschland und das Berner Museum für Kommunikation, die er zuvor geleitet hatte. «Der Job ist anspruchsvoll, und man beendet ihn besser nicht erst, wenn man keine Energie und keine Lust mehr hat.» Interne Konflikte? Dass Mes­ser­li ein Jahr weiter amtiert, spricht dagegen. Auch er selber winkt ab: «Leitung und Stiftungsrat zogen stets an einem Strick.»

Der Strick – das war vor allem die Sammlung. Als Messerli 2010 anfing, gab es hier Nachholbedarf: Er sollte sich verstärkt um Erhalt und Erschliessung der 500'000 Objekte kümmern. Ziele erreicht respektive in Sicht, lautet die offizielle Bilanz heute. Auch darum sieht Messerli den Moment gekommen, «neuen Kräften Platz zu machen».

Sein Posten wird nun «zeitnah» ausgeschrieben, und wer es auch sein wird: Der neue Direktor soll das Projekt Museumsquartier «mitprägen können», so Messerli. Er selber habe die Kooperation der Häuser um den Helvetiaplatz mit­ angestossen. «Doch mein Nachfolger soll anfangen können, solange die Projektierung noch läuft.»

Geprägt hat er selber auch das Ausstellungsprofil des Museums, obwohl seine Hauptsorge die Sammlung war. 2013, mit den Terrakottakriegern aus China, habe Messerli «die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte der Berner Museen gezeigt», erklärt der Stiftungsrat im Communiqué. 320'000 Besucher zählte man damals.

Viel markanter war aber, dass das Haus unter dem Historiker Mes­ser­li ­näher an die Gegenwart und an gesellschaftliche Fragen rückte. Hatte man Geschichte hier zuvor vor allem als Schatztruhe kostbarer kunsthistorischer Objekte verstanden, wurden nun auch Gewaltverbrechen, 1968 oder die Autorennen im Bremgartenwald zu Themen.

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