Unterschätzter Mister KMU

Er wird belächelt und verspottet. Aber Johann Schneider-Ammann wird im Bundesrat fehlen.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann informierte bei einer Medienkonferenz zum Thema ältere Arbeitnehmende.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann informierte bei einer Medienkonferenz zum Thema ältere Arbeitnehmende. Bild: Marcel Bieri

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Dass Johann Schneider-Ammann als Bundesrat nicht brilliert, ist bekannt. Es gibt erschreckend viele Anekdoten, die von seinen Aussetzern handeln. Fast jeder, der den Freisinnigen schon aus der Nähe erlebt hat, kann eine erzählen. Die Öffentlichkeit wiederum kennt seine umständliche Ausdrucksweise, die gelegentlich unfreiwillig komisch wirkt. Sein angekündigter Rücktritt per Herbst 2019 wird deshalb bei vielen eher Erleichterung als Betroffenheit auslösen.

Kein Kommunikator, kein Charismatiker, kein Stratege, das mag alles stimmen. Aber seine Bedeutung als Bundesrat wird unterschätzt. Als früherer Unternehmer vertritt Schneider-Ammann glaubwürdig die KMU-Schweiz: Er ist geprägt von der Erfahrung, dass Geld zuerst verdient sein muss, bevor es verteilt werden kann; er kennt die Sorgen der kleinen und mittleren Betriebe – und daran erinnert er seine Bundesratskollegen bei jeder Gelegenheit. Dem KMU-Denken verdankt die Schweiz viel; Schneider-Ammann bringt es im Bundesrat ein – wie SP-Bundesräte hoffentlich ebenso hartnäckig an die Wünsche der Arbeitnehmer erinnern.

Abgesehen davon: Schneider-Ammann, so schläfrig wie er manchmal wirkt, ist kein Bremser. Er drängt zum Wandel, will die Bauern von mehr Markt überzeugen und die technische Innovation fördern. Ein KMU-Freisinniger, politisch berechenbar und dadurch zuverlässig. Auch sein Rücktritt mit langem Vorlauf zeugt davon.

Doris Leuthard, die ebenfalls ans Gehen denkt, sollte jetzt verantwortungsvoll genug sein, sich dem Fahrplan des Berners anzuschliessen. Ebenso Ueli Maurer, falls auch er abtreten will. Die gleichzeitige Wahl von drei neuen Bundesräten bietet dank mehr Spielmöglichkeiten die Chance, Qualität und Ausgewogenheit zu versöhnen: also die Wünsche der Frauen und einzelner Landesregionen zu befriedigen, und zwar mit Persönlichkeiten, die für das Amt taugen. Gelingt das, ist es auch das Verdienst des viel gescholtenen Johann Schneider-Ammann, der jetzt mit seinem konkreten Rücktrittsdatum die anderen unter Druck setzt. (Der Bund)

Erstellt: 27.04.2018, 18:52 Uhr

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